Nach einem halben Jahr Militäreinsatz im Iran wächst der Unmut unter republikanischen Kongressabgeordneten in den USA. Senator John Kennedy kritisierte die Regierung und das Pentagon scharf, während das Repräsentantenhaus im Juni 2026 eine symbolische Resolution zur Einschränkung von Trumps Kriegsbefugnissen beschloss.
Der militärische Konflikt der USA mit dem Iran sorgt nach sechs Monaten für heftige parteiinterne Auseinandersetzungen in Washington. Während Präsident Donald Trump den Einsatz weiterhin rechtfertigt, sehen zahlreiche Republikaner die strategische Bilanz im Nahen Osten kritisch und befürchten negative Folgen für die anstehenden Zwischenwahlen im November 2026.
Kritik aus den eigenen Reihen und sinkende Zustimmungswerte zeigt sich in jüngsten Umfragen, wonach die Zustimmung für US-Präsident Donald Trump auf den niedrigsten Stand seiner aktuellen Amtszeit gesunken ist. Besonders die Sorgen über einen möglichen langen Konflikt mit dem Iran belasten die Stimmung in der Bevölkerung. Rund 80 Prozent der Befragten rechnen damit, dass das militärische Engagement der USA länger andauern wird, und selbst unter republikanischen Wählern erwartet eine deutliche Mehrheit keinen raschen Ausstieg. Nur 16 Prozent gehen davon aus, dass die Auseinandersetzung innerhalb weniger Wochen beendet werden kann.
Kritik an dem Vorgehen im Iran wird in der republikanischen Partei zunehmend offen geäußert. Senator John Kennedy aus Louisiana monierte, dass die Regierung und das Pentagon die Probleme des Einsatzes nicht adäquat wahrnehmen. In scharfen Worten erklärte er: Das ist genauso ernst wie vier Herzinfarkte und ein Schlaganfall. Wir brauchen klare Antworten und ehrliche Worte.
Klare Worte wählt, wer sich bereits im Herbst seiner Karriere bei den Republikanern befindet, wie Senator Bill Cassidy aus Tennessee. Als der im Juni über die weitere Finanzierung des Kriegseinsatzes abstimmen soll, fasst er die US-Bilanz im Nahen Osten so zusammen: Iran ist gestärkt, wir sind geschwächt, unsere Verbündeten auch. 13 Amerikaner sind ums Leben gekommen. Wir haben zwischen 25 bis 100 Milliarden Dollar für Munition ausgegeben – und dabei an glaubwürdiger Abschreckung verloren.
Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts machen sich inzwischen ebenfalls bemerkbar. Vor allem die höheren Energie- und Treibstoffpreise sorgen für Unmut, da der Iran den Ölhandel über die wichtige Straße von Hormuz weiterhin beeinträchtigt. Trump hatte den Militäreinsatz mit dem Ziel begründet, den Iran am Bau einer Atomwaffe zu hindern, und im Wahlkampf versprochen, lange Kriege zu vermeiden.
US-Repräsentantenhaus
Im US-Repräsentantenhaus in Washington stimmten am 04.06.2026 auch vier Abgeordnete aus Trumps republikanischer Partei mit den oppositionellen Demokraten, die den Text eingebracht hatten, für eine sogenannte Kriegsbefugnis-Resolution, die Trumps Macht einschränken und den Krieg beenden soll. Unmittelbar vor der Abstimmung hatte der US-Präsident erklärt, dass die Verhandlungen mit dem Iran „sehr gutliefen. Damit die
War Powers Resolution“ in Kraft tritt, müsste nun auch noch der Senat zustimmen. Unabhängig von dessen Votum gilt die Entschließung als symbolisch, da Trump sie mit einem Veto stoppen könnte.
Die Resolution ist dessen ungeachtet ein klarer Ausdruck für den Unmut im Kongress darüber, dass Trump den Militäreinsatz gegen den Iran Ende Februar ohne parlamentarische Zustimmung begonnen hatte. Laut US-Verfassung hat aber der Kongress die Befugnis (…), Krieg zu erklären
. Trump äußerte sich nicht zu der Abstimmungsniederlage. Er hatte sich kurz zuvor erneut optimistisch hinsichtlich einer möglichen Einigung mit dem Iran gezeigt und erklärt: Es kann natürlich auch sein, dass es nicht dazu kommt, man weiß es ja nicht -, aber wenn es passiert, könnte es zum Beispiel am Wochenende passieren.
Mit seinen Angaben, dass die Verhandlungen „sehr gutliefen, widersprach Trump Äußerungen des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi. Dieser hatte zuvor erklärt, es gebe
keine greifbaren Fortschritte. Zur Bedingung für weitere Gespräche machte Teheran erneut, dass Israel seine Angriffe auf die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon einstelle. Trump sagte dazu, er würde das Thema Libanon gern
getrennt“ behandeln.
Mike Johnson
Abgeordnetenhaus-Sprecher Mike Johnson hatte den Präsidenten bis zur Sommerpause zuverlässig den Rücken freigehalten und erklärt: „Die Regierung, der Oberbefehlshaber und das Kriegsministerium arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung. Einen Parlamentsbeschluss halte ich deshalb für nicht angebracht. Ich denke vielmehr, wir müssen diese Angelegenheit insgesamt zu einem Abschluss bringen.“

Ein Abschluss der Angelegenheit
meint ein Friedensabkommen, doch auch das ist den Republikanern nicht leicht zu verkaufen. Senator Ted Cruz aus Texas gehört zu jenen Parteifreunden, die sich eine politische Rendite für morgen versprechen, wenn sie sich heute gegen den Krieg stark machen, vertritt aber zugleich eine harte Linie gegen die Freigabe von eingefrorenem iranischem Staatsvermögen: Milliarden Dollar an theokratische Fanatiker zu zahlen, die uns umbringen wollen, ist eine außerordentlich schlechte Idee. Der Präsident wird leider schlecht beraten. Ich möchte nicht, dass wir auch nur einen Cent an den Ayatollah schicken.
Fareed Zakaria
Während sich Trump und die iranische Führung nach sechs Monaten im Bereich eines Unentschiedens festsitzen, ist der Sieger des Konflikts ein anderer. China profitiere am meisten von der Erschöpfung der USA und Irans, sagt Politikberater Fareed Zakaria im Interview mit CNN. Er sieht eine neue Grüppchenbildung im Nahen Osten seit Beginn des Krieges: „Die Emirate nähern sich Israel und Washington an. Doch eine größere Gruppe, zu der Saudi-Arabien, Katar, Oman, möglicherweise auch Irak und die Türkei gehören, sucht langfristige Sicherheit durch ein Gleichgewicht: Beziehungen mit den USA, aber auch mit Iran und China. Das ist genau die regionale Ordnung, die sich Peking gewünscht hat.“

Ein halbes Jahr Iran-Krieg hat Trump erhebliche Konflikte mit seiner Partei gekostet, aber noch keinen Bruch. Und auch in der Bevölkerung bleibt der harte Kern dem obersten Befehlshaber treu – trotz steigender Benzinpreise und sinkender Erfolgsaussicht. Das eigentliche Risiko für die Republikaner ist der drohende Verlust von Wechselwählern, die sie gerade erst für sich gewonnen hatten und die vom versprochenen schnellen Erfolg in Iran noch nicht viel spüren, insbesondere mit Blick auf den 3. November, an dem die Midterms anstehen.
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