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Welt

Gyirong: Chinesisches Rettungsteam erreicht zerstörten Grenzposten

Nach einem verheerenden Gletscherabbruch und schweren Sturzfluten im Himalaya-Grenzgebiet suchen Rettungskräfte aus Nepal und China nach hunderten Vermissten.

Chinesisches Rettungsteam erreicht den zerstörten Grenzposten von Gyirong

Erstmals ist ein Rettungstrupp am all-but-obliterated Grenzkomplex von Gyirong eingetroffen und hat dort nach tagelanger Blockade das Ausmaß der Zerstörung besichtigt. Überwachungskameras hatten am Mittwoch riesige Wassermassen und Geröllmassen gezeigt, die Gebäude und flüchtende Menschen mitgerissen hatten. Erst am Freitag gelang es den Einsatzkräften, das Gebiet zu erreichen.

Eine 21-köpfige chinesische Mannschaft inklusive eines Suchhundes kämpfte sich über steile Hänge, durch dichten Wald und über tiefe Schluchten vor. Es gab keine Straße … es war alles Urwald und steile Klippen, schilderte der Rettungshelfer Zou Mingqi die extremen Bedingungen laut Berichten von Reuters. Vor Ort bot sich den Einsatzkräften ein Bild völliger Verwüstung.

Zou Mingqi, Rettungshelfer, via The Guardian und Reuters zufolge habe sich so weit das Auge reichte nichts als Ruinen gezeigt.

Die Naturkatastrophe wurde durch einen Gletscherabbruch ausgelöst, der gewaltige Fluten aus Gestein, Eis und Schlamm durch die Flusssysteme des Himalayas trieb. In Nepal stieg die offizielle Zahl der Toten auf mindestens 579 beziehungsweise 616 an, während die Zahl der Vermissten auf fast 2,000 anwachsen droht. Auf tibetischer Seite meldeten staatliche Medien sieben Todesopfer sowie hunderte Vermisste im Kreis Gyirong, darunter zahlreiche ausländische Staatsbürger und hinduistische Pilger.

Drohende Flutwellen und internationale Hilfe für den Wiederaufbau

Die Rettungsarbeiten stehen unter permanentem Risiko, da sich durch die Wassermassen gefährliche Barriereseen gebildet haben. Am Freitag führte das Überlaufen eines solchen Sees in die Flüsse Lhende Khola und Trishuli zu Panik und einer dreistündigen Unterbrechung aller Evakuierungs- und Suchmaßnahmen. Die Behörden in Nepal warnen, dass die akute Hochwassergefahr erst dann weicht, wenn die aufgestauten Seen vollständig abgelaufen sind. Satellitenaufnahmen zeigten zudem, dass ein zweiter See weiter anwächst, was Experten angesichts des Drucks auf die instabile Umgebung große Sorgen bereitet.

Angesichts des verheerenden Ausmaßes hat die Regierung in Kathmandu erklärt, zwar keine Unterstützung bei der direkten Suche zu benötigen, wohl aber in technischen Spezialbereichen. Der nepalesische Außenminister Shisir Khanal teilte mit, man habe Indien und China um die Lieferung von Bailey-Brücken gebeten, um zerstörte Verkehrs- und Kommunikationswege in den betroffenen Tälern wiederherzustellen. Rund zwei Dutzend Brücken wurden von den Wassermassen fortgerissen.

Der finanzielle Schaden ist immens. Vom Roten Kreuz wird geschätzt, dass über 90,000 Menschen unmittelbar von der Katastrophe betroffen sind.

Verzweifelte Suche von Angehörigen und emotionale Rettungsmomente

Familien aus aller Welt, darunter Angehörige vermisster US-Bürger und Kanadier, bangen um das Schicksal ihrer Liebsten. Allein rund 90 US-Staatsangehörige werden laut Angaben des US-Außenministeriums vermisst, darunter Teilnehmer einer Reisegruppe, die sich vor einer Pilgerreise nach Tibet im Grenzort Timure aufgehalten hatten.

Gyirong: Chinesisches Rettungsteam erreicht zerstörten Grenzposten
Photo: South China Morning Post

Mitten in die tiefe Trauer und Ungewissheit mischen sich jedoch vereinzelt auch Szenen des Glücks. So wurde die 28-jährige Matti Maya Tamang am Freitag mit ihrem achtjährigen Sohn Zoyal Ghale wiedervereint. Der Junge hatte sich beim Heranrollen der Flut in Bäume gerettet, erlitt jedoch einen Beinbruch und Schnittwunden, bevor er per Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen wurde. Seine Mutter erfuhr über eine Kontaktnummer von Journalisten von seiner Rettung.

A drone view of a broken bridge and damaged houses after the flash floods and mudslide, at Devighat, Nuwakot district
Photo: Reuters

Matti Maya Tamang, Mutter des geretteten Jungen, via Reuters und Star Advertiser erklärte, sie habe gefühlt, dass ihr Leben zurücksei.

Während in Peking das Politbüro unter dem Vorsitz von Staatspräsident Xi Jinping eine verstärkte Überwachung der Gletscherseen und engere internationale Katastrophenkooperation anordnete, bleibt die Lage vor Ort angespannt. Premierminister Li Qiang reiste am Donnerstag nach Gyirong, um die Situation vor Ort zu bewerten, was die hohe politische Priorität unterstreicht, die Beijing dem strategisch wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Rahmen der neuen Seidenstraße beimisst.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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