Während weltweit dramatische Aufnahmen überfluteter Grenzregionen kursieren, bleibt die Berichterstattung in China streng zensiert und beschränkt sich auf wenige offizielle Meldungen über Rettungseinsätze.
Katastrophe an der Grenze von Nepal und Tibet
Eine Serie von Sturzfluten hat am Übergang zwischen Nepal und Tibet schwere Zerstörungen angerichtet. Laut Berichten über Luftaufnahmen rissen die braunen Wassermassen mehrstöckige Gebäude teilweise mit, während Staub und Rauch das betroffene Tal erfüllten. Unter den Vermissten befinden sich hunderte Reisende, darunter mindestens 291 ausländische Touristen. Hunderte Menschen werden vermisst, und hunderte weitere Personen gelten seit Mittwoch als unauffindbar, nachdem die Sturzfluten Hunderte von Menschenleben forderten.
Als mögliche Ursache nennen nepalesische Regierungsstellen – konkret der Außenminister von Nepal – in vorläufigen Berichten, dass die Katastrophe durch ein Erdbeben ausgelöst worden sein könnte, welches wiederum eine Lawine und in der Folge die heftigen Sturzfluten hervorrief. Die genauen Ausmaße der Schäden und die Zahl der Opfer auf tibetischer Seite lassen sich jedoch nur schwer beziffern, da der Informationsfluss stark eingeschränkt ist.
Informationssperre und Chinas Große Firewall
Während weltweit dramatische Videos von Wassermassen kursieren, die am Gyirong-Grenzübergang, einem der Hauptgrenzübergänge zwischen Nepal und Tibet, alles auf ihrem Weg mitreißen und hunderte Menschen um ihr Leben fliehen, zeigt das chinesische Staatsfernsehen lediglich eine einzige Standbildaufnahme. Das staatliche Flaggschiff-Nachrichtenbulletin sendet kaum Bildmaterial, und im stark zensierten chinesischen Internet sind Beiträge über die katastrophalen Sturzfluten kaum zu finden.
Die strengen Kontrollen hängen auch mit der sensiblen Geschichte der Region zusammen. Tibet wurde in den 1950er-Jahren von Peking annektiert und hat lange Zeit gegen die Herrschaft der Kommunistischen Partei Chinas Widerstand geleistet. China hat im Laufe der Jahre Proteste – mitunter gewaltsam – niedergeschlagen und wird beschuldigt, in der buddhistischen Region schwere Menschenrechtsverletzungen begangen zu haben. Zudem hat Peking das religiöse Oberhaupt im Exil, den Dalai Lama, als Separatisten bezeichnet. Diese Geschichte sorgt dafür, dass bereits der Name Tibet die Zensoren auf den Plan ruft, wodurch Pekings Empfindlichkeiten in solchen Situationen besonders deutlich zutage treten.
Rettungseinsätze und offizielle Reaktionen
Peking hat eine massive Rettungsaktion eingeleitet, an der Hunderte von Einsatzkräften beteiligt sind und die weiter fortgesetzt wird. Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping hielt eine Dringlichkeitssitzung mit Amtsträgern ab, um die Bemühungen zu koordinieren. Präsident Xi Jinping forderte zudem all-out
Suchanstrengungen (alle verfügbaren Kräfte) für die Vermissten sowie stärkere Überwachungs- und Frühwarnsysteme, um Sekundärkatastrophen zu verhindern. Diese Vorsichtsmaßnahmen sind auch deshalb geboten, da ein Barriere-See droht überzurollen.

Dennoch gibt es von offizieller Seite kaum Details zu Opfern oder Überlebenden in Tibet, abgesehen von täglichen Aktualisierungen zu den Vermissten und Toten sowie Berichten über die Rettungsarbeiten und die von dem gefährdeten Barriere-See ausgehenden Gefahren. Es gibt fast keine Berichte von Überlebenden in Tibet und nahezu kein nutzergeneriertes Bildmaterial von den tödlichen Momenten oder den Nachwirkungen. Von ängstlichen Familien der Vermissten fehlt bislang jede Spur, und Kontaktaufnahmen mit Menschen vor Ort sind unter normalen Bedingungen nahezu unmöglich.
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