Die renommierte Ausstellung „World Press Photo 2026 zeigt rund 150 ausgezeichnete Pressefotos aus sechs Weltregionen. Die Schau dokumentiert seit September 2026 in Städten wie Wien und Dortmund globale Konflikte, Klimawandel und gesellschaftlichen Wandel und setzt in Zeiten zunehmender KI-Bildmanipulation auf strenge Authentizitätsprüfungen durch Recherche- und Forensikteams.
Die weltweit beachtete Schau des modernen Fotojournalismus hat ihre Stationen für den Herbst 2026 angetreten. Rund 150 prämierte Arbeiten dokumentieren in diesem Jahr bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen, politische Umbrüche und persönliche Schicksale. Die internationale Wanderausstellung, die jährlich ein Millionenpublikum anzieht und an mehr als 60 Orten weltweit Station macht, bringt die wichtigsten fotografischen Zeugnisse des vergangenen Jahres zu den Betrachtern. Jedes Jahr zeichnet die World Press Photo Foundation die weltweit besten fotojournalistischen Arbeiten aus. Für die Auswahl wurden laut World Press Photo Foundation rund 75.000 Einsendungen eingereicht.
Carol Guzy
Carol Guzys „Separated by ICEals Foto des Jahres ausgezeichnet
Den Hauptpreis als World Press Photo des Jahres 2026 erhält die US-amerikanische Fotografin Carol Guzy, die in ihrer Laufbahn bereits viermal mit der Pulitzer-Medaille ausgezeichnet wurde. Das von der Jury zum Foto des Jahres gekürte Motiv stammt von der US-amerikanischen Fotografin Carol Guzy, ZUMA Press, iWitness, for Miami Herald. Ihr prämiertes Bild mit dem Titel Separated by ICE stammt aus einer Serie über Festnahmen durch die US-amerikanische Einwanderungsbehörde ICE. Die Aufnahme aus ihrer Serie ICE Arrests at New York Court dokumentiert die Folgen der verschärften US-amerikanischen Migrationspolitik und zeigt den Moment, in dem die Töchter eines ecuadorianischen Migranten ihren Vater nach einer Gerichtsanhörung festhalten, während dieser von US-Einwanderungsbehörden festgenommen wird.
Das Bild macht ein von Angst und Unsicherheit geprägtes Klima im Rahmen der verschärften US-Einwanderungspolitik sichtbar. Blue mit The Trials of the Achi Women, einem Porträt über den jahrzehntelangen Kampf indigener Maya-Achí-Frauen in Guatemala um Gerechtigkeit für sexualisierte Kriegsgewalt.
Martha Echevarria
Strenge Authentizitätsprüfungen gegen KI-generierte Bilder
Angesichts der wachsenden Verbreitung künstlich erzeugter und manipulierter Aufnahmen gewinnt die Verlässlichkeit des dokumentarischen Bildes an Gewicht. Gerade in einer Zeit, in der KI-generierte Bilder immer häufiger werden, kommt unmanipulierten Pressefotos laut den Ausstellungsmachern zusätzliche Bedeutung zu. Die World Press Photo Foundation legt daher großen Wert auf ein mehrstufiges Prüfverfahren. Ein Rechercheteam und ein Forensikteam überprüfen anschließend die Authentizität der eingereichten Arbeiten. Die Jury bewertet laut Quellen sowohl die Stärke eines Fotos als auch die Geschichte dahinter.
Peter Coeln
Ausstellungen in Wien und Dortmund sowie thematische Rahmenprogramme

Im deutschsprachigen Raum macht die Ausstellung an bedeutenden Kulturorten Halt. September bis zum 22. November 2026 zu sehen. Rund 150 prämierte Pressefotos sind ab Freitag im Wiener Fotomuseum Westlicht zu sehen. Mal in der 25-jährigen Geschichte des Wiener Fotomuseums gezeigt wird. Museumsgründer Peter Coeln betont die Bedeutung der Ausstellung gerade angesichts von Fake News. Rund 200 Schulklassen werden durch die Präsentation geführt. Neben den weltweiten Krisen und Umweltthemen wie der Serie „Los Angeles in Flammenwidmet sich Westlicht auch gesellschaftlichen Themen, darunter Arbeiten über die Anorexie-kranke Schwedin Engla Louise oder eine Langzeiserie der serbisch-österreichischen Fotografin Maša Stanić über Roma.
September bis zum 25. Oktober 2026 im Kulturort Depot in Dortmund zu Gast. Als einer der wenigen Ausstellungsorte in Deutschland präsentiert das Depot die weltweit ausgezeichneten Pressefotografien des vergangenen Jahres und ergänzt die internationale Wanderausstellung erneut um ein eigenes Rahmenprogramm, das die Geschichten hinter den Bildern vertieft und zum gesellschaftlichen Austausch einlädt. September 2026 ein moderiertes Gespräch mit der World Press Photo Preisträgerin Paula Hornickel. Ausgehend von ihrem Foto Emma the Social Robot spricht sie gemeinsam mit der Psychologin Dr. Aike Horstmann über Einsamkeit, soziale Verbundenheit und den Einsatz künstlicher Interaktionspartner wie sozialer Roboter. Ergänzt wird das Programm durch zehn öffentliche Führungen, die Hintergründe zu den Fotografien vermitteln. Darüber hinaus können individuelle Führungen für Schulklassen, Unternehmen und weitere Gruppen gebucht werden.
Chantal Pinzi
Gesellschaftlicher Wandel und neue Perspektiven durch Dokumentarfotografie

Ein weiterer Schwerpunkt der diesjährigen Ausstellung liegt auf gesellschaftlichen Veränderungen und neuen Rollenbildern. Ausgezeichnet wurde etwa die Fotojournalistin Chantal Pinzi für eine Serie über Reiterinnen in Marokko. Die Frauen übernehmen dabei eine jahrhundertealte Tradition, die bisher ausschließlich Männern vorbehalten war. Pinzi beschäftigt sich in ihren Projekten häufig mit Frauen, die Räume für sich beanspruchen, von denen sie zuvor ausgeschlossen waren. Für ihre Arbeit sei eine intensive Vorbereitung notwendig. Sie habe bereits Monate vor dem eigentlichen Fototermin Kontakt zu den Protagonistinnen aufgenommen und Beziehungen aufgebaut.
Chantal Pinzi betont dabei auch ihre journalistische Haltung. Es gehe nicht allein darum, Bilder aufzunehmen und wieder zu verschwinden. Vielmehr stelle sie sich die Frage, wie Fotografie Gemeinschaften stärken und einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben könne.
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