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Welt

Villa Vie Odyssey: Passagiere verlieren nach Stopp alles

Mehr als 200 Passagiere des Wohnschiffs Villa Vie Odyssey mussten das Schiff nach einem plötzlichen Betriebsstopp in Kambodscha innerhalb von sieben Stunden verlassen. Der US-Betreiber Villa Vie Residences begründete den Schritt am 27. Oktober 2026 mit explodierenden Treibstoffkosten infolge des Iran-Kriegs und kündigte eine Restrukturierung an.

Die abrupte Anordnung im Hafen von Sihanoukville

Für die Menschen an Bord kam der Befehl völlig unerwartet. Am Morgen des 27. Oktober 2026 erhielten die Passagiere des Wohnkreuzfahrtschiffs Villa Vie Odyssey die Nachricht, dass sie ihre schwimmenden Kabinen bis zum frühen Nachmittag räumen mussten. Lediglich sieben Stunden blieben den 203 Passagieren und 156 Besatzungsmitgliedern im Hafen von Sihanoukville in Kambodscha, um ihre Habseligkeiten in Koffer zu packen und von Bord zu gehen, wie der Vizegouverneur der Provinz Preah Sihanouk, Long Dimanche, berichtete.

Die geplante dreieinhalbjährige Weltreise, die alle sieben Kontinente umfassen sollte, fand damit ein abruptes Ende. Viele der anwesenden Rentner und Fernarbeiter standen plötzlich im südostasiatischen Ausland ohne festes Dach über dem Kopf. Einige Reisende hatten vor Antritt der Fahrt ihr gesamtes Eigentum wie Häuser und Autos verkauft, um das lebenslange Wohnrecht auf See zu finanzieren.

Villa Vie Odyssey: Passagiere verlieren nach Stopp alles
Foto: Sueddeutsche

Es gibt Menschen, die jetzt obdachlos sind, kaum Geld haben und nicht wissen, wo sie hin sollen.

Benjamin Schatz, Passagier, via CBS News und BILD

Treibstoffkosten explodieren nach Ausbruch des Iran-Kriegs

Hintergrund des jähen Endes sind massiv gestiegene Betriebsausgaben. Nach Angaben des Betreibers Villa Vie Residences hat der Irankrieg eine fatale Kettenreaktion ausgelöst. Das Schiff wird mit Marinegasöl betrieben, dessen Preis in Singapur im März stark anstieg. Während das Unternehmen zuvor im Schnitt rund 1.800 Dollar beziehungsweise 600 bis 700 US-Dollar pro Tonne für den Treibstoff aufgewendet hatte, kletterten die monatlichen Kosten pro Kabine in Teilen Asiens auf schätzungsweise 6.000 bis 8.000 US-Dollar.

Firmenchef Mikael Petterson erklärte gegenüber Medien, die monatlichen Gesamtausgaben des Schiffs seien von rund 400.000 US-Dollar auf zwei Millionen US-Dollar gestiegen. Zwar hatte das Schiff seine Route angepasst und mehr Zeit in Häfen verbracht, um Sprit zu sparen, doch diese Maßnahmen reichten nicht aus. Eine Weiterfahrt von Kambodscha lehnte das Unternehmen ab, nachdem Passagiere sich gegen eine zusätzliche finanzielle Beteiligung gesträubt hatten.

Ein Geschäftsmodell gerät in finanzielle Schieflage

Bereits vor dem offiziellen Start im Herbst 2024 war das Projekt von Verzögerungen und Problemen geplagt. Das 1993 als Braemar gebaute und später für den Dauerwohnbetrieb umgebaute Schiff saß wegen mechanischer Mängel und Reparaturen am Ruder monatelang im nordirischen Belfast fest. Die Vorbereitung im Trockendock verschlang nach Angaben der Führung 13,4 Millionen Euro mehr als ursprünglich veranschlagt.

haben eine Aufnahme davon auf der Videoplattform Youtube veröffentlicht

Die Preise für eine Kabine auf Lebenszeit lagen je nach Ausführung zwischen umgerechnet rund 103.000 und 400.000 Euro, ergänzt durch monatliche Gebühren für Instandhaltung und Verpflegung. Anders als bei klassischen Kreuzfahrten ließen sich die explodierenden Spritkosten bei bereits geschlossenen Langzeitverträgen jedoch nicht kurzfristig durch Ticketpreiserhöhungen ausgleichen. Das Unternehmen kündigte an, sich nun 60 Tage Zeit für eine Restrukturierung und die Suche nach frischem Kapital zu geben, wobei der Gründer auch ein Insolvenzverfahren nach US-Recht in Betracht zieht.

Die Situation der gestrandeten Passagiere in Kambodscha

Die Hilflosigkeit nach der Ausschiffung stößt bei vielen Betroffenen auf heftige Kritik. Mehrere Passagiere warfen dem Management vor, keinerlei praktische Unterstützung bei der Organisation von Übergangsunterkünften oder Rückreisen geleistet zu haben. Ein Teil der Gäste kam eigenständig in Hotels im Stadtzentrum unter, während andere bereits den Heimflug antraten.

Villa Vie Odyssey: Passagiere verlieren nach Stopp alles
Foto: Der Kreuzfahrttester

Unter den Betroffenen ist die Australierin Frances Paroissien, die ihre Kabine für eine 15-jährige Laufzeit erworben hatte, um dem Leben im Pflegeheim zu entgehen. Auch die US-Amerikanerin Carol Larson investierte 120.000 US-Dollar plus Nebenkosten. Während die kambodschanischen Behörden Gespräche über Unterstützung führten, bleibt die Zukunft der Bewohner und des Schiffes ungewiss. Die Odyssey soll nach Planungen der Hafenbehörden nach Treibstoffaufnahmen den Hafen von Sihanoukville verlassen – wohin die Reise ohne Passagiere führt, ist offen.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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