Hunderte dauerhaft auf einem Kreuzfahrtschiff lebende Menschen mussten das Schiff in Kambodscha nach einer abrupten Betriebseinstellung durch den Betreiber Villa Vie Residences verlassen. Verantwortlich für den Stopp sind drastisch gestiegene Treibstoffkosten infolge des Iran-Krieges, die den Betrieb unbezahlbar machten und das Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit führten.
Treibstoffpreise steigen durch den Iran-Krieg rasant
Die monatlichen Treibstoffausgaben pro Kabine, die nach Angaben des Betreibers historisch bei etwa 1.800 US-Dollar lagen, kletterten in Teilen Asiens auf geschätzte 6.000 bis 8.000 US-Dollar. Ursächlich dafür ist der Konflikt mit Iran, der die weltweiten Kraftstoffströme massiv störte und die Treibstoffpreise für das Schiff von 700 US-Dollar pro Tonne auf Werte zwischen 2.000 und 3.000 US-Dollar trieb.
CEO Mikael Petterson erklärte gegenüber Medien, dass sich die monatlichen Gesamtausgaben des Unternehmens von 400.000 US-Dollar auf 2 Millionen US-Dollar erhöht hätten. Trotz Versuchen, den Treibstoffverbrauch durch eine Verlangsamung der Reiseroute und längere Liegezeiten in den Häfen zu senken, reichten diese Maßnahmen nicht aus, um die auflaufenden Betriebsverluste auszugleichen.
Das Schiff benötige jeden Monat zwischen 700 und 800 Tonnen Treibstoff. In einer von der Florida-basierten Betreibergesellschaft veröffentlichten Erklärung betonte das Unternehmen, man habe sich geweigert, die massiv gestiegenen Kosten direkt auf die Passagiere umzulegen, da dies keine realistische Lösung dargestellt hätte.
Harte Fristen im Hafen von Sihanoukville
Am Dienstag, dem 27.
Nach Angaben von Long Dimanche, dem stellvertretenden Gouverneur der Provinz Preah Sihanouk, befanden sich 203 Passagiere und 156 Besatzungsmitglieder an Bord. Zu den betroffenen Personen gehörte die 62-jährige Barbara Fiegel, die mit ihrem Partner seit Dezember 2024 an Bord lebte.
Auswirkungen für Passagiere und drohende Insolvenz
Viele Passagiere hatten ihre Häuser verkauft, um ihren Lebensabend dauerhaft auf dem Schiff zu verbringen, das im Oktober 2024 zu einer kontinuierlichen Weltreise aufgebrochen war und den Bewohnern eine Garantie für eine 15-jährige Mindestaufenthaltsdauer in Aussicht gestellt hatte. Die Kabinenpreise variierten je nach Ausführung stark; während Innenvillen rund 120.000 US-Dollar kosteten, waren andere Mitreisende für Einstiegspreise ab 119.000 US-Dollar an Bord gegangen.
Einige Monate zuvor gab das Unternehmen an, dass 85 Prozent des Schiffes verkauft seien. Benjamin Schatz, ein pensionierter Passagier, der das Schiff als sein dauerhaftes Zuhause ansah, beschrieb die Situation als schockierend und herzzerreißend.
Nach dem Scheitern von Verhandlungen mit einem potenziellen Investor zog das Unternehmen die Reißleine. Villa Vie Residences plant laut Mitteilungen die Einleitung eines Insolvenzverfahrens nach Chapter 11 und will die kommenden 60 Tage nutzen, um eine Restrukturierung sowie Kapitalbeschaffung voranzutreiben, während die zuständigen Behörden ankündigten, dass das Schiff nach dem Betanken den Hafen von Kambodscha am Samstag verlassen wird.
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