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Welt

Villa Vie Odyssey: Wohnschiff in Kambodscha gestoppt

Die Villa Vie Odyssey, ein luxuriöses Wohnschiff für rund 200 Passagiere, wurde in Sihanoukville in Kambodscha gestoppt. Nach Angaben des Betreibers Villa Vie Residences haben drastisch gestiegene Treibstoffkosten infolge des Konflikts im Nahen Osten das bisherige Geschäftsmodell untragbar gemacht.

Das unerwartete Ende der Weltreise in Sihanoukville

Was als mehrjährige maritime Weltreise im Oktober 2024 in Belfast begann, fand im Oktober 2026 ein abruptes Ende vor der Küste Kambodschas. Die Villa Vie Odyssey, ein 650 Passagiere fassendes Schiff mit rund 200 ständigen Bewohnern aus 15 Nationalitäten – überwiegend US-Amerikaner – sowie 156 Besatzungsmitgliedern an Bord, musste ihren Betrieb einstellen und in Sihanoukville festmachen. Betreiber ist das in den USA ansässige Unternehmen Villa Vie Residences, das die Entscheidung laut Berichten am Dienstag, dem 27. Oktober, bekannt gab.

Während das Unternehmen die Unterbringung und den lokalen Transport koordiniert, stehen die Passagiere vor ungewissen Weiterreisemöglichkeiten. Der Gründer Mikael Petterson räumte laut Bloomberg ein, dass die Reederei zwar für Unterkunft und regionale Fahrten aufkomme, jedoch keine Kosten für internationale Heimflüge der Passagiere übernehme. Nach Angaben von Travel Weekly Asia und weiteren Quellen sucht die Geschäftsführung nach frischem Kapital und plant eine Restrukturierung und Kapitalspritze in den kommenden 60 Tagen, während laut BBC derzeit keine Transaktion finalisiert und kein Datum für eine Wiederaufnahme genannt ist.

Villa vie residences october
Foto: ndtv.com

Treibstoffkosten explodieren um mehr als 300 Prozent

Der Grund für die Notbremse liegt in den massiv gestiegenen Energiekosten. Seit dem Ausbruch des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran im Februar sind die Ausgaben für den Schiffsantrieb astronomisch geklettert. Die Reederei spricht laut dargelegten Presserklärungen von einer äußerst herausfordernden Betriebslage.

Historisch gesehen beliefen sich die monatlichen Treibstoffkosten pro Kabine auf rund 1.800 US-Dollar (laut Irish Times etwa 1.600 Euro). In Teilen Asiens schossen diese Ausgaben laut BBC und Travel Weekly Asia auf 6.000 bis 8.000 US-Dollar hoch. Das verwendete Marinegasöl verteuerte sich in Singapur, dem weltweit größten Bunkerhafen, auf 1.321 US-Dollar je metrische Tonne – fast doppelt so viel wie vor dem Konflikt, wie Datenanbieter ClearLynx LLC ausführt. Die monatlichen Betriebskosten des Unternehmens stiegen dadurch um rund 50 Prozent auf etwa 3 Millionen US-Dollar, wie Mikael Petterson gegenüber Bloomberg mitteilte.

Forced Off the Odyssey and Stranded in Cambodia | Is This the End of Our Journey?

Die Pressestelle von Villa Vie Residences erklärte, dass außergewöhnliche Treibstoffkosten das aktuelle Betriebsmodell extrem schwierig gemacht haben.

Konzept des dauerhaften Lebens auf See gerät ins Wanken

Im Gegensatz zu klassischen Kreuzfahrten mit festen Routen und kurzen Laufzeiten richtet sich das Konzept der Odyssey an Menschen, die dauerhaft auf dem Schiff leben möchten. Passagiere können Kabinen für Preise zwischen knapp 130.000 (respektive rund 120.000) und 440.000 US-Dollar erwerben, leasen oder im Mietkaufmodell nutzen, ergänzt durch monatliche Gebühren von 2.000 bis 10.000 US-Dollar. Gründer Mikael Petterson erklärte, dass die Reederei die massiven Preisaufschläge nicht einfach an die Bewohner weitergeben kann.

Villa Vie Odyssey: Wohnschiff in Kambodscha gestoppt
Foto: irishtimes.com

Die Reederei versuchte zuvor, den Treibstoffverbrauch durch eine Verlangsamung der Reiseroute und längere Liegezeiten in den Häfen zu senken. Dennoch reichten diese Maßnahmen nicht aus, um die Verluste auszugleichen. Nun schlägt das Unternehmen eine zusätzliche monatliche Gebühr von rund 500 US-Dollar samt Treibstoffzuschlag vor, solange die Preise erhöht bleiben. Ein Teil der Passagiere lehnte es jedoch zunächst ab, sich an den Extrakosten für die Weiterfahrt aus Kambodscha zu beteiligen. Kelly Kosmin, eine 57-jährige Passagierin, die im März in Australien von Bord ging, erklärte gegenüber Bloomberg, dass sie die zusätzlichen 500 Dollar gerne zahlen würde, um wieder auf das Boot zurückzukehren, da man eben Pioniere sein wolle.

Wirtschaftlicher Druck trifft die globale Schifffahrt

Die Krise der Odyssey steht exemplarisch für die Nachwirkungen des Ölpreisschocks, der die gesamte Weltwirtschaft erfasst. Steigende Treibstoffpreise belasten Reedereien und Fluggesellschaften gleichermaßen. Während hohe Jet-Fuel-Preise im Frühjahr zum Untergang von Spirit Airlines beitrugen, meldete auch Royal Caribbean Cruises Ltd am Dienstag, dass ein ansonsten starkes Quartal durch gestiegene Ölpreise gedämpft wurde.

Ob die geplante Weltreise fortgesetzt wird und wann das Schiff Sihanoukville verlassen kann, bleibt vorerst offen. Die Unternehmensleitung betont, dass während der laufenden Restrukturierungsphase kein Ausgang garantiert ist und alle Beteiligten vor einer schwierigen Übergangszeit stehen.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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