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Technik und Wissenschaft

Turkmenistan schliesst erstmals acht grosse Methanlecks

Turkmenistan hat erstmals acht massive Methanlecks an seinen Öl- und Gasanlagen repariert. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) stuft diesen Schritt als einen bedeutenden Durchbruch im globalen Klimaschutz ein, nachdem das zentralasiatische Land zuvor als weltweit größter Superemittent von Treibhausgasen im Energiesektor eingestuft worden war.

Im Kampf gegen das klimaschädliche Gas Methan hat das zentralasiatische Turkmenistan einen bemerkenswerten Wandel vollzogen. Wie aus aktuellen Daten des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) hervorgeht, hat das Land damit begonnen, seine riesigen Methanlecks zu beheben. Unter anderem wurden defekte Bohrlöcher und marode Rohre instand gesetzt, um den unkontrollierten Gasaustritt zu stoppen. Zuerst hatte der britische Guardian darüber berichtet. Turkmenistan gehört zu den weltweit grössten Verursachern extremer Methanlecks.

So schrieb der bekannte US-Klimaaktivist Bill McKibben auf Bluesky: »Ab und zu wirkt Journalismus doch«, und lobte die Berichterstattung des Guardian, die die Methanlecks weltweit und in Turkmenistan in den vergangenen Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt hatte.

Satellitenüberwachung und die Reaktionen des UNO-Systems

Das von der UNO betriebene Methane Alert and Response System (Mars) spielt bei der Identifizierung der Leckagen eine zentrale Rolle. Das System nutzt Satellitendaten, um grosse Methanlecks aufzuspüren und in Echtzeit an die betroffenen Staaten zu melden. Ein Satellit der NASA hatte im Oktober 2022 grosse Emissionen von Methan östlich von Hazar in Turkmenistan gemessen. Das Land verfügt über riesige Erdgasreserven und ist einer der wichtigsten Lieferanten Chinas. Gleichzeitig entweichen aus der teilweise veralteten Infrastruktur grosse Mengen Methan – etwa aus korrodierten Leitungen, defekten Bohrlöchern oder Fackelanlagen. Allein im vergangenen Jahr schickte Mars 192 Warnungen an Turkmenistan. Turkmenistan hat auf rund ein Fünftel davon mit Informationen zu den Lecks oder möglichen Reparaturen reagiert.

Turkmenistan fixes eight methane leaks after UN warnings
Photo: swedenherald.com
Turkmenistan schliesst erstmals acht grosse Methanlecks
Photo: Tagesanzeiger

Das Ausmaß der bisherigen Bemühungen zeigt sich in den Gesamtzahlen des UNO-Programms. Meghan Demeter, Programmleiterin des Methane Alert and Response System (Mars) beim UNEP, sagte zu der britischen Zeitung: »Das ist ein Durchbruch, weil wir nun tatsächlich dokumentierte Massnahmen zur Verringerung der Emissionen sehen.« Zudem erklärte sie: »Dies ist ein Durchbruch, was echte, dokumentierte Klimaschutzmaßnahmen angeht« und: »Acht Fälle sind ein unglaublicher erster Schritt.«

Noch 2023 hatte die Zeitung The Guardian Turkmenistan als das Land mit den weltweit meisten extremen Methanlecks bezeichnet. Die Berichte sorgten nach Angaben von Quellen in der Hauptstadt Aschgabat für Aufsehen und trugen dazu bei, dass die Regierung mit der UNO, der EU und weiteren Partnerorganisationen zusammenarbeitete. Ende 2023 schloss sich Turkmenistan zudem dem internationalen Global Methane Pledge an. Das erste von Mars dokumentierte Leck wurde im November 2024 geschlossen. Mittlerweile sind es acht.

Klimafolgen und wirtschaftliche Potenziale fossiler Netze

Methan ist ein besonders starkes Treibhausgas: Über einen Zeitraum von 20 Jahren hält es laut UNEP rund 80-mal mehr Wärme in der Atmosphäre zurück als CO2. Weil es dort aber deutlich schneller abgebaut wird, kann eine Verringerung der Emissionen vergleichsweise rasch die Erderwärmung bremsen. Eine einzelne Superquelle, bei der tonnenweise Methan pro Stunde aus einem Ventil oder Rohr entweicht, erwärmt die Erde laut The Guardian mehr als eine Million SUVs oder ein gesamtes Kohlekraftwerk.

Turkmenistan schliesst erstmals acht grosse Methanlecks
Photo: Spiegel

Gleichzeitig schätzt die Internationale Energieagentur (IEA), dass weniger Methanfreisetzung aus der Förderung fossiler Brennstoffe einen Anstieg der globalen Temperaturen um etwa 0,1 Grad Celsius bis 2050 verhindern könnte. Weniger Methanlecks lohnen sich auch für die fossilen Konzerne: Dadurch könnten im Energiesektor weltweit jährlich etwa 200 Milliarden Kubikmeter Gas erhalten werden, schätzt die IEA. Zum Vergleich: Deutschland verbraucht 85 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr.

KennzahlWert laut UNO- und IEA-Berichten
Warnungen an Turkmenistan (letztes Jahr)192
Bislang in Turkmenistan geschlossene Lecks8
Weltweit durch MARS geschlossene Lecks43
Treibhauspotenzial im Vergleich zu CO2 (20 Jahre)Rund 80-mal mehr Wärme

Derweze-Krater und die Perspektiven für die kommenden Jahre

Prominentestes Beispiel im Vorgehen gegen entfleuchendes Methan ist das langsame Schließen des turkmenischen Derweze-Kraters, der wegen seiner rund 30 Meter tiefen und 70 Meter breiten feuerbedeckten Wände auch als »Tor zur Hölle« bekannt ist. Der Krater entstand wahrscheinlich Anfang der 70er Jahre bei Probebohrungen für ein Gasfeld, nun soll er weitgehend gelöscht sein, meldete die staatliche Gasgesellschaft Turkmengaz.

Turkmenistan begins fixing major methane leaks after satellite alerts

Dan Grossman von der Umweltorganisation Environmental Defense Fund bezeichnete die Entwicklung in Turkmenistan als »dringend benötigte gute Nachricht«. Zugleich mahnte er gegenüber der Zeitung: »Warnungen sind nur dann von Bedeutung, wenn sie zu Massnahmen führen.« Meghan Demeter fügte hinzu: »Eight cases are a great first step, but there are also many more sources in Turkmenistan that need to be addressed.«

A2 English News | Turkmenistan Starts Fixing 8 Methane Leaks
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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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