Millionen Menschen wurden in diesem Jahr aus Ländern wie Pakistan und Iran völkerrechtswidrig nach Afghanistan abgeschoben, während die Taliban ihre Einschränkungen für Frauen und Mädchen verschärfen. Dies geht aus aktuellen Zahlen der Vereinten Nationen und Berichten von Amnesty International hervor, die vor einer dramatischen humanitären Krise warnen.
Die Rückkehrer treffen auf eine Gesellschaft, die von extremer wirtschaftlicher Not und schweren politischen Restriktionen geprägt ist. Die Vereinten Nationen schätzen, dass in diesem Jahr rund 21,9 Millionen Menschen – fast die Hälfte der Bevölkerung Afghanistans – dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, um zu überleben (berichtet die BBC).
Massenhafte Abschiebungen aus Pakistan und Iran
Hinter den steigenden Zahlen stehen massive politische und sicherheitspolitische Veränderungen in den Nachbarländern Afghanistans. Allein Iran und Pakistan haben in diesem Jahr mehr als 2,6 millionen Menschen völkerrechtswidrig ausgewiesen (erklärt Amnesty International). Etwa 60 Prozent der Betroffenen sind Frauen und Kinder. Tausende weitere Menschen wurden zudem aus der Türkei und Tadschikistan deportiert.
Besonders die Situation im Iran hat sich drastisch zugeschnitten. Zwar waren dort im Jahr 2022 rund 2,6 Millionen Afghanen über ein sogenanntes Kopfzählungsdokument für den vorübergehenden Schutz registriert worden, was ihnen Zugang zu Grunddiensten wie Bildung und Arbeit ermöglichte. Doch am 12. März 2025 kündigte Irans Zentrum für Ausländer und Einwanderungsangelegenheiten – eine Behörde des Innenministeriums – das automatische Auslaufen dieser Dokumente zum iranischen Neujahr am 21. März 2025 an. Nach der Eskalation der Feindseligkeiten zwischen Israel und Iran im Juni 2025 beschleunigten sich die Massenausweisungen massiv: Zwischen Juli und Oktober 2025 wurden mehr als 900.000 Afghanen aus dem Iran ausgewiesen.
Pakistan hat seine Bemühungen zur Abschiebung afghanischer Flüchtlinge ebenfalls verschärft, angetrieben durch jüngste grenzüberschreitende Zusammenstöße mit den Taliban. Europäische Staaten wie Deutschland und Österreich sowie die Europäische Union haben laut Medienberichten ebenfalls Verhandlungen mit den De-facto-Behörden der Taliban aufgenommen, um Rückführungen zu erleichtern.
Menschenrechtskrise und systematische Unterdrückung von Frauen
Die gewaltsamen Rückführungen verstoßen laut internationaler Kritik gegen den Grundsatz der Nicht-Zurückweisung, das sogenannte Non-Refoulement-Gebot des Völkerrechts. Die Rückkehrer geraten in ein Land, in dem die Taliban fundamentale Menschenrechte massiv beschneiden. Frauen und Mädchen sind von weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen. Sie dürfen keine Schulen nach dem zwölften Lebensjahr besuchen, unterliegen strengen Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit und dürfen in der Regel nicht mehr bei den Vereinten Nationen, Nichtregierungsorganisationen oder im staatlichen Dienst arbeiten – mit wenigen Ausnahmen in Bereichen wie der Flugsicherung, der Primärbildung und dem Gesundheitswesen.

„This rush to forcibly return people to Afghanistan ignores why they fled in the first place and the serious dangers they face if sent back. It shows a clear disregard for states’ international obligations and violates the binding principle of non-refoulement.“
Smriti Singh
Auch Personen, die unter der früheren Regierung für staatliche Stellen tätig waren – insbesondere Angehörige der Sicherheitskräfte (ANDSF) –, sowie regierungskritische Journalisten und Menschenrechtsverteidiger sind vor Ort akut gefährdet und müssen mit schweren Repressalien rechnen.
Reaktionen der Taliban und geopolitische Isolation
Angesichts der humanitären Katastrophe räumen hochrangige Taliban-Vertreter ein gewisses Ausmaß an Problemen ein, verteidigen jedoch ihre restriktive Politik.
„There’s no doubt that we need some help. There is pressure due to their return but in the long run, it will benefit them as well as Afghanistan.“
Während westliche Staaten die Herrschaft der Taliban weitgehend isolieren – bislang hat lediglich Russland die Regierung formell anerkannt –, verweist Kabul auf den Ausbau diplomatischer und wirtschaftlicher Beziehungen zu Nachbarländern wie China, Indien und zentralasiatischen Staaten.
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