Der russische Präsident Wladimir Putin hat die russischen Tochtergesellschaften des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé per Dekret unter temporäre Zwangsverwaltung gestellt. Management übertragen. Nestlé kündigte an, alle notwendigen Schritte zum Schutz seiner Rechte zu prüfen, während der Kreml betonte, dass vorerst lediglich externe Manager eingesetzt wurden.
Das Dekret zur Zwangsverwaltung und die Rolle von L.E.V. Management
Die russischen Vermögenswerte des Schweizer Nahrungsmittelgiganten Nestlé stehen unter staatlicher Zwangsverwaltung. Neben Nestlé wurden auch die russischen Vermögenswerte des französischen Einzelhändlers Auchan sowie der Baumarktkette Leroy Merlin – die 2024 in Lemana Pro umbenannt wurde – in diesem Erlass erfasst, wie unter anderem die Auswertung deutscher Medien belegt.
Reaktion des Schweizer Konzerns und wirtschaftliche Bedeutung
Nestlé reagierte umgehend auf den Eingriff und erklärte, den Erlass intensiv zu prüfen und alle Optionen abzuwägen.
An den Märkten zeigte sich eine erste Reaktion: Die Aktien des Schweizer Unternehmens gaben leicht nach und notierten zeitweise um 2,2 Prozent niedriger, wie finanzwirtschaftliche Analysen zeigten. Analyst Jean-Philippe Bertschy von der Bank Vontobel schätzte die direkten finanziellen Auswirkungen für den Gesamtkonzern als eher gering ein, da Nestlé in Russland zuletzt nur noch etwas mehr als ein Prozent seines Umsatzes erwirtschaftete – verglichen mit rund zwei Prozent im Jahr 2021, wie die Tageszeitung Welt berichtet.
Vorgeschichte, politischer Hintergrund und frühere Präzedenzfälle
Die rechtliche Grundlage für den staatlichen Zugriff geht auf ein Dekret aus dem Jahr 2023 zurück. Dieses räumt der Moskauer Regierung die Befugnis ein, Vermögenswerte von Personen und Unternehmen aus Staaten, die von Russland als unfreundlich
eingestuft werden, unter vorübergehende Verwaltung zu stellen. In diesem Kontext verwies die Tagesschau darauf, dass die Schweiz – wenngleich nicht Mitglied der EU – die meisten Sanktionen gegen Russland mitgetragen hat, was die bilateralen Beziehungen stark belastete.

Moskau hatte in den vergangenen Jahren bereits die lokalen Töchter zahlreicher anderer prominenter westlicher Unternehmen übernommen. Zu den bekanntesten Beispielen gehören der französische Lebensmittelkonzern Danone, die dänische Brauerei Carlsberg, der niederländische Brauereikonzern Heineken sowie das finnische Energieunternehmen Fortum, wie weitere Marktberichte bestätigen. Viele dieser Firmen veräußerten daraufhin ihr verbleibendes Russland-Geschäft zu symbolischen Preisen, nachdem sie zuvor unter staatliche Kontrolle gestellt worden waren.
Auslöser der Übernahme und operative Situation vor Ort
Im Fall von Nestlé spekulieren Beobachter über die konkreten Auslöser. Berichte der russischen Zeitung Kommersant
legten nahe, dass ein Antrag einer umsatzschwachen Kleinfirma aus dem August den Anstoß gab. Kritisiert wurde demnach, dass Nestlé seine Produktionskapazitäten vor Ort nicht weiter ausbaute und keine im Land hergestellten Güter ins Ausland exportierte. Experten wie der Russlandexperte Vasily Astrov vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) weisen darauf hin, dass die Anwendung solcher juristischen Prozeduren in einem Umfeld ohne funktionierende Rechtsstaatlichkeit im Ermessen des Kremls liegt, wo sich bei Bedarf stets ein Vorwand finden lässt.

Nestlé betrieb im Land sechs Fabriken, die unter anderem Kaffee, Säuglingsnahrung und Tiernahrung herstellten, und beschäftigte dort rund 7.000 Mitarbeiter. Trotz des anhaltenden Krieges in der Ukraine hatte der Konzern seine essenziellen Lebensmittelaktivitäten fortgeführt, während er Investitionen drosselte und Gewinne wegen strikter Kapitalverkehrskontrollen im Land verbleiben mussten.