Amazon plant eine Investition von 20 Millionen Dollar in Wasserschutzprojekte entlang des Colorado River. Ziel ist es, das stark beanspruchte Flusssystem zu unterstützen, das 40 Millionen Menschen in den westlichen US-Bundesstaaten versorgt. Trotz dieses Engagements bleibt das gesamte reale Wasserausmaß der Technologie- und Handelsgiganten weiter intransparent.
Amazon hat die Gründung einer sogenannten Colorado River Basin Collaborative angekündigt. Innerhalb von zwei Jahren plant das Bündnis, rund 100 Millionen Dollar für den Wasserschutz einzusammeln, wobei 20 Millionen Dollar direkt aus Amazons eigenen Mitteln fließen sollen.
Dürre am Colorado River und der hohe Bedarf der Technologiebranche
Der Colorado River erstreckt sich über 1.400 Meilen und liefert Wasser für 40 Millionen Menschen verteilt auf sieben US-Bundesstaaten im Westen sowie zwei Bundesstaaten in Mexiko. Laut Angaben des US Bureau of Reclamation leidet der Fluss seit 26 Jahren unter einer beispiellosen Dürre. Neben dem menschengemachten Klimawandel hat vor allem jahrzehntelanger Raubbau die Lage drastisch verschärft. Als Reaktion darauf verabschiedete das US-Innenministerium im August einen Plan, der drastische Kürzungen der Wasserzuteilungen für Arizona, Nevada und Kalifornien vorsieht.
Gleichzeitig geraten Tech-Konzerne wegen des enormen Wasserbedarfs ihrer Rechenzentren für Künstliche Intelligenz zunehmend in die Kritik. Für das Jahr 2025 schätzte ein Bericht den Wasserverbrauch von KI auf 312,5 bis 764,6 Milliarden Liter – eine Menge, die in etwa dem globalen Verbrauch von Trinkwasser in Flaschen entspricht. Insbesondere in Arizona sorgen sich Anwohner wegen des steigenden Bedarfs und drohender höherer Nebenkosten um die regionale Wasserversorgung.
Intransparenz beim globalen Wasserfußabdruck
Im Juni legte Amazon offen, dass die unternehmenseigenen, geleasten und gemeinschaftlich genutzten Rechenzentren im Jahr 2025 weltweit 2,5 Milliarden Gallonen Wasser verbrauchten. Direkt von Amazon betriebene Rechenzentren reduzierten ihren Verbrauch demnach im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozent. Das Unternehmen führt dies auf eine seit 2021 um 52 Prozent gesteigerte Wassereffizienz zurück und gibt an, pro Kilowattstunde Strom 0,12 Liter Wasser zu verbrauchen – ein Wert, der laut eigener Darstellung rund sieben Mal effizienter sein soll als der Branchendurchschnitt.


Umweltschützer und Nachhaltigkeitsexperten warnen jedoch davor, die Umweltbilanz allein anhand von Effizienzwerten zu messen. Durch den sogenannten Jevons-Paradoxon-Effekt kann eine steigende Effizienz dazu führen, dass eine Technologie letztlich noch mehr Ressourcen verbraucht, weil sie häufiger eingesetzt wird. Daher sei es entscheidend, den tatsächlichen Gesamtwasserverbrauch im Blick zu behalten.
Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Google und Microsoft, die ihren gesamten Wasserverbrauch global beziehungsweise seit Jahren detailliert aufschlüsseln, gewährt Amazon nur einen unvollständigen Einblick. Zudem zeigt eine Investigation des Guardian aus dem Jahr 2025, dass Amazon den Wasserbedarf zur Erzeugung von Strom – den sogenannten sekundären Wasserverbrauch – aus den Nachhaltigkeitszielen herausgerechnet hat, um Reputationsrisiken zu minimieren. Unter Einbeziehung dieses sekundären Verbrauchs lag der Wasserbedarf allein im Jahr 2021 bei 10,5 Milliarden Gallonen.
Lokale Projekte in Kalifornien und der Beitritt zur Water Resilience Coalition
Da Kalifornien als Haupteinfahrt für Importe aus Asien die meisten Amazon-Lagerhäuser aller US-Bundesstaaten beherbergt, setzt das Unternehmen dort direkt an. In Orange County, Kalifornien, fließen über die nächsten drei Jahre 2,2 Millionen Dollar in die Leckage-Erkennung und Rohrsanierung. Dadurch sollen jährlich rund 189 Millionen Gallonen Wasser eingespart werden.
Über das neue Bündnis können sich auch andere Unternehmen direkt an ausgewählten Projekten beteiligen, die von der UN-unterstützten Water Resilience Coalition geprüft werden. Amazon tritt dieser Koalition, der unter anderem bereits Microsoft und Meta angehören, ebenfalls bei. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um die langfristigen Umweltauswirkungen des massiven Lager- und Rechenzentren-Netzwerks auszugleichen, bleibt angesichts der fehlenden Gesamtdaten offen.
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