Target hat in einer offiziellen Erklärung einen Kinder-Halloween-Kostüm von seiner Website genommen, nachdem Verbraucher das Design scharf kritisiert hatten. Kritiker warfen dem Einzelhändler vor, das Outfit rassistische Stereotypen und historische Blackface-Karikaturen aus der Minstrel-Ära hervorzurollen.
Der umstrittene Artikel wurde als Ganzkörper-Halloween-Kostüm für Kinder mit leuchtenden Effekten unter Schwarzlicht und Zirkusclown-Motiv geführt und für 25 US-Dollar über den Online-Shop angeboten. Zu den grafischen Darstellungen des Produkts gehörte laut Berichten unter anderem ein schwarzes Kind in einem orange-schwarzen Outfit samt Rüschenkragen, Handschuhen und einer Gesichtsmaske mit übertriebenem, breitem Lächeln.
Öffentliche Empörung und Vergleiche mit der Minstrel-Ära
Nachdem Screenshots des Angebots in sozialen Netzwerken wie Threads und TikTok die Runde machten, setzte eine Welle der Kritik ein. Zahlreiche Kommentatoren und Nutzer erkannten in der Gestaltung des Kostüms eine Parodie, die an rassistische Karikaturen des 19. Jahrhunderts erinnerte. Die Darstellungen knüpften nach Ansicht von Kritikern an historische Praktiken an, in denen Darsteller mit dunkler Schminke und übertriebenen Gesichtszügen rassistische Stereotypen bedienten.
Shomane Touré, Gründer der in Oakland ansässigen Afrocentric Films Collaborative, erklärte gegenüber der New York Times, dass das Unternehmen historische Implikationen offenbar übersehen habe. Ein solches Outfit, vermarktet an einem schwarzen Kind, verstärke veraltete rassistische Vorurteile.
Die Entschuldigung des Unternehmens und interne Prüfungen
Target reagierte umgehend auf den Druck aus der Öffentlichkeit, nahm das Produkt aus dem Sortiment und veröffentlichte eine offizielle Stellungnahme. Der Artikel war Teil der saisonalen Marke Hyde and EEK Boutique des Händlers.

Brian Harper-Tibaldo, Unternehmenssprecher von Target, erklärte via Fox Business, als Unternehmen wisse man, dass man hier falsch gelegen habe, und man bedauere dies zutiefst. Das Kostüm sei beleidigend und hätte niemals Teil des Sortiments sein dürfen, weshalb es nicht länger zum Verkauf angeboten werde.
Sprecher Brian Harper-Tibaldo betonte in einer Erklärung gegenüber Fox Business, dass man sich der schmerzhaften Wirkung auf schwarze Kunden, Teammitglieder und Partner bewusst sei. Das Entfernen des Kostüms sei ein wichtiger erster Schritt. Das Management prüfe nun intensiv, wie es zu diesem Fehler kommen konnte und welche internen Kontrollprozesse angepasst werden müssen, um derartige Vorfälle künftig auszuschließen.
Finanzielle Marktreaktion und Vorbelastung durch DEI-Entscheidungen
Der Vorfall trifft das Unternehmen in einer ohnehin angespannten Phase.
Kritiker brachten den Fehler direkt mit früheren strategischen Kurswechseln des Unternehmens in Verbindung. In den vergangenen Jahren stand Target bereits wegen Anpassungen seiner Initiativen für Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) in der Kritik. Nachdem im Zuge veränderter politischer Rahmenbedingungen unter anderem Programme zur Erhöhung des Anteils schwarzer Mitarbeiter und zur Unterstützung von Lieferanten aus Minderheiten zurückgefahren wurden, verloren viele Konsumenten das Vertrauen in den Handelsriesen.
Tejal Patel, Geschäftsführerin der SOC Investment Group, erklärte via The Detroit News, dass Entscheidungen wie die Abkehr vom Pride Month, die Rücknahme von Diversitätsinitiativen und die Kooperation mit der US-Einwanderungsbehörde ICE ein Signal an die Verbraucher senden. Man habe gesehen, wie solche Entscheidungen langfristig Auswirkungen auf den Umsatz haben können.
Auch die Unternehmerin Sheletta Brundidge aus Minneapolis äußerte sich enttäuscht und erklärte, dass eine bloße Entschuldigung nicht ausreiche, um das verlorene Vertrauen wiederherzustellen.
Forderungen nach strukturellen Reformen im Produktmanagement
Angeli Gianchandani, Dozentin an der New York University, erklärte via Reuters, eine Entschuldigung sei nicht die Lösung. Die Lösung sei ein offengelegter Überprüfungsprozess, der neue Produkte und deren Marketing vor dem Erreichen der Regale an den erklärten Markenwerten messe.
Das Unternehmen hat bislang keine Angaben dazu gemacht, wer konkret für das Design und die Freigabe des Halloween-Kostüms verantwortlich war.
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