Ethiopische Regierungstruppen haben die Regionalhauptstadt Mekelle zurückerobert, während sich der Konflikt in der Region Tigray ausweitet. Die Entwicklungen gefährden das Pretoria-Abkommen von 2022 und lassen internationale Beobachter vor einer neuen Destolidierung im Horn von Afrika warnen.
Damals starben nach Angaben der Afrikanischen Union schätzungsweise 600.000 Menschen im verheerenden zweijährigen Bürgerkrieg. Die Kämpfe im Norden Äthiopiens haben am Wochenende eine neue Eskalationsstufe erreicht, als äthiopische Regierungstruppen und alliierte Milizen die Kontrolle über die Tigray-Regionalhauptstadt Mekelle übernahmen. Die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) hatte die Stadt zuvor kampflos verlassen und angekündigt, ihre Verwaltung vorübergehend von einem anderen Ort aus zu betreiben.
Die jüngsten Gefechte folgen auf eine Offensive der TPLF, bei der laut Berichten drei Flughäfen in der Region Tigray eingenommen wurden. Die Gewalt bedroht das im November 2022 geschlossene Pretoria-Abkommen, das den Krieg offiziell beendet hatte.
Luftangriffe und Artilleriefeuer im Norden
Nachträgliche Berichte von Hilfsorganisationen und humanitären Bulletins dokumentieren schwere Luft- und Artillerieangriffe in mehreren Städten der Region.
Einheimische berichten von großer Sorge vor Gesetzlosigkeit und Plünderungen, da nach dem Abzug der TPLF zeitweise Sicherheitskräfte im urbanen Raum fehlten. Ich bin besorgt, dass Regierungs- und öffentliches Eigentum Plünderungen ausgesetzt sein könnte, weil es keine Sicherheitskräfte in der Stadt gibt
, sagte ein Einwohner gegenüber AFP.

Bereits am 22. September hatte das Vorgehen der TPLF und ihrer Verbündeten eine neue Welle der Gewalt ausgelöst, bei der laut Berichten von Hilfsorganisationen und Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International auch schweres Kriegsgerät und Luftschläge gegen zivile Infrastruktur wie Schulen eingesetzt wurden. Tigere Chagutah, Regionaldirektor von Amnesty International für Ost- und das südliche Afrika, verwies darauf, dass sich die Kampfhandlungen zwischen den tigrayischen Kräften und ihren Verbündeten auf der einen Seite sowie den äthiopischen Streitkräften auf der anderen Seite rasant über den Süden von Tigray, das nördliche Amhara und den westlichen Afar-Bereich ausgedehnt haben.
Der Vizepräsident der TPLF, Amanuel Assefa, erklärte nach dem Ausbruch der Gefechte öffentlich, dass man sich nun wieder in einer Situation eines umfassenden Krieges befinde.
Konflikt weitet sich auf Nachbarstaaten aus
Zudem schloss sich eine breitere Koalition von Oppositionsgruppen unter dem Namen Allianz der äthiopischen Volkskräfte für das Überleben
zusammen, der unter anderem auch Fano-Milizen aus der Amhara-Region angehören. Beobachter warnen, dass das Zusammentreffen dieser Konflikte mit den bestehenden Krisen im Sudan und im Jemen die Stabilität im gesamten Rotmeer-Raum gefährdet.
Internationale Reaktionen auf die Krise
Das US-Außenministerium reagierte auf die Eskalation mit der dringenden Aufforderung an Äthiopien und Eritrea, maximale Zurückhaltung zu üben und zum Dialog zurückzukehren. Das US-Außenministerium erklärte laut AFP, dass zunehmende grenzüberschreitende Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea das Potenzial haben, die gesamte Region zu beeinträchtigen.

Gleichzeitig drängte Amnesty International darauf, dass die Afrikanische Union umgehend eine Dringlichkeitssitzung einberuft, um das Wiederaufflammen schwerer Menschenrechtsverletzungen und die Zerstörung ziviler Infrastruktur zu verhindern.
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