Ältere Erwachsene mit Autismus weisen einer neuen Studie zufolge ein deutlich erhöhtes Risiko für Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen auf. Die im Fachjournal Autism veröffentlichte Untersuchung analysierte Krankenversicherungsdaten von fast 57 Millionen US-Amerikanern ab 45 Jahren aus den Jahren 2017 bis 2019.
Datenanalyse von fast 57 Millionen US-Amerikanern im Fachjournal Autism
Forscher haben im Rahmen einer umfassenden Untersuchung die Verknüpfung zwischen Autismus und neurologischen Bewegungsstörungen beleuchtet. Dabei wurden Abrechnungsdaten von Medicare und Medicaid aus dem Zeitraum zwischen 2017 und 2019 ausgewertet (die von Medien wie Fox News analysierten Daten umfassten fast 57 Millionen Amerikaner im Alter ab 45 Jahren). Das Ziel der Wissenschaftler bestand darin, das Auftreten von Symptomen zu ermitteln, die der Parkinson-Krankheit ähneln, darunter Zittern, Muskelsteifheit, Gleichgewichtsprobleme und verlangsamte Bewegungen.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen neurotypischen Personen und Menschen aus dem autistischen Spektrum. Während in der Kontrollgruppe der allgemeinen Bevölkerung eine Prävalenz von etwa 1,57 Prozent verzeichnet wurde, stieg dieser Wert bei Erwachsenen mit Autismus auf 3,83 Prozent. Bei Personen mit einer alleinigen intellektuellen Beeinträchtigung lag der Wert bei 4,32 Prozent, und bei Menschen mit der Doppeldiagnose aus Autismus und intellektueller Behinderung kletterte er auf 4,86 Prozent.
Ausschluss von Antipsychotika als alleinige Ursache
In der medizinischen Forschung war bislang unklar, ob solche motorischen Einschränkungen im Alter tatsächlich auf die neurologische Verfassung zurückzuführen sind oder als Nebenwirkung von Medikamenten entstehen. Insbesondere Antipsychotika sind dafür bekannt, Parkinson-ähnliche Symptome auszulösen. Um diesen Faktor zu überprüfen, schlossen die Forscher Personen, die solche Medikamente einnahmen, explizit aus ihrer Analyse aus. Selbst nach diesem Schritt zeigte sich weiterhin ein erhöhtes Aufkommen von Parkinson-Diagnosen bei neurodivergenten Erwachsenen.
Greg Wallace, der Hauptautor und Professor an der George Washington University, erklärte: „Ein entscheidend wichtiger neuer Beitrag dieser Studie sind die erhöhten Neuerkrankungsraten von Parkinsonismus bei autistischen Menschen im mittleren und höheren Erwachsenenalter, was nahelegt, dass diese Fälle nicht einfach ein Nebenprodukt lebenslanger motorischer Herausforderungen sind.

Greg Wallace betonte, dass die Daten erstmals die Neuerkrankungsraten bei älteren autistischen Menschen über die Zeit verfolgen. Dies verdeutliche, dass die motorischen Schwierigkeiten nicht lediglich eine Fortsetzung lebenslanger Herausforderungen darstellen.
Klinische Einordnung und Herausforderungen bei der Diagnose
Aus medizinischer Sicht bringt das Studienergebnis neue Klarheit, wirft jedoch auch Fragen für den Praxisalltag auf. Dr. Lee Murray, ein in Jackson, Tennessee, ansässiger Neurologe, der nicht an der Studie beteiligt war, hob hervor, dass die Untersuchung zwischen arzneimittelinduzierten Symptomen und echten pathologischen Veränderungen unterscheidet.
Dr. Lee Murray sagte: „Diese Studie berücksichtigt die Anwendung von Antipsychotika, die ein Parkinson-Erscheinungsbild hervorrufen können (Ruhetremor, Steifheit, schlurfender Gang, gebeugte Haltung, leiser werdende Stimme), was eine andere Pathologie als die stereotypische oder idiopathische Parkinson-Krankheit darstellt.
Gleichzeitig warnte der Neurologe vor voreiligen Schlüssen. Das autistische Spektrum sei äußerst breit gefächert, weshalb die statistisch erhöhten Risiken nicht bedeuten, dass jeder Betroffene unweigerlich an Parkinson erkrankt. Zudem können bereits bestehende Besonderheiten wie stereotype Bewegungen oder Koordinationsprobleme die Diagnostik erschweren, wenn Untersucher nicht ausreichend mit den Eigenheiten des autistischen Spektrums vertraut sind.

Häufig gestellte Fragen zur Studie und zu Parkinson-Symptomen
Welche Datenbasis wurde für die Untersuchung genutzt?
Die Forscher stützten sich auf Abrechnungs- und Diagnosedaten der US-amerikanischen Programme Medicare und Medicaid aus den Jahren 2017 bis 2019. Die erfasste Gruppe umfasste fast 57 Millionen Amerikaner im Alter von 45 Jahren und älter.
Bedeutet die Diagnose Autismus zwangsläufig, dass man Parkinson bekommt?
Nein. Experten betonen, dass es sich um eine statistische Korrelation handelt. Die Mehrheit der autistischen Erwachsenen entwickelt keine Parkinson-Erkrankung; das Risiko ist in der Gruppe lediglich im Vergleich zum Durchschnitt erhöht.
Welche Rolle spielen Medikamente bei den beobachteten Symptomen?
Bestimmte Psychopharmaka wie Antipsychotika können Symptome auslösen, die einer Parkinson-Krankheit ähneln. Die Studie berücksichtigte diesen Umstand jedoch und stellte fest, dass die erhöhte Rate auch nach dem Ausschluss von Patienten bestehen blieb, die solche Präparate einnahmen.
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