Mit einer um 17 Prozent höheren Chance für rheumatoider Arthritis sowie 314 gesunde Kontrollpersonen pro DII-Einheit zeigt eine in Nutrients
veröffentlichte Fall-Kontroll-Studie den Zusammenhang zwischen Ernährungsmustern und rheumatoider Arthritis, wobei Forschende des ICMR-NIN in Hyderabad 615 Erwachsene analysierten und feststellten, dass eine höhere Entzündungsbelastung der Ernährung statistisch mit einem erhöhten Auftreten der Erkrankung einhergeht.
Der Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und rheumatischen Erkrankungen stand im Fokus einer Studie, die vom ICMR-NIN in Hyderabad durchgeführt und in der Fachzeitschrift „Nutrientsveröffentlicht wurde. Untersucht wurden 615 Erwachsene im Alter von 18 bis 55 Jahren. Darunter befanden sich 301 neu diagnostizierte Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis.
Die Datenauswertung ergab deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Patientengruppe mit rheumatoider Arthritis wies einen höheren medianen Dietary Inflammatory Index (DII) auf als die Kontrollgruppe, wobei der Index bei 2,18 gegenüber 0,37 lag.
Zudem zeigten sich bei den Betroffenen eine geringere Ernährungsvielfalt mit 50,2 Prozent im Vergleich zu 74,2 Prozent sowie eine niedrigere mediane Mikronährstoff-Adequanz von 18,9 Prozent gegenüber 32,9 Prozent.
Statistisch stiegen die berechnichten Chancen für das Vorliegen einer rheumatoiden Arthritis pro DII-Einheit um 17 Prozent. Gleichzeitig verringerte sich das Erkrankungsrisiko bei jeder zusätzlichen Einheit an Ernährungsvielfalt um 27 Prozent, während ein Anstieg der Mikronährstoff-Adequanz um jeweils 10 Prozent eine Reduktion der Wahrscheinlichkeit um 12 Prozent zur Folge hatte. Die Forschenden betonten jedoch, dass diese Ergebnisse einen statistischen Zusammenhang abbilden, aber keinen Kausalitätsbeweis liefern.
Biochemische Faktoren und Arachidonsäure im Vortrag von Elke Beiter
Als biochemischer Faktor wurde in dem Vortrag die in Fleisch und Wurstwaren enthaltene Arachidonsäure genannt, die entzündliche Prozesse im Körper begünstigen kann. Pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Kräuter und Gewürze bieten demgegenüber wertvolle Ballaststoffe.
Zugleich wies der Vortrag darauf hin, dass individuelle Erfahrungsberichte keinen allgemeinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis darstellen. Bei Kniearthrose könne eine angepasste Ernährung zwar Entzündungsprozesse beeinflussen, führe jedoch nicht zu einer Heilung der Erkrankung.
Empfehlungen der Deutschen Rheuma-Liga zur Ernährung
Medizinische Organisationen betonen regelmäßig die Rolle der Ernährung als begleitende Maßnahme. Die Deutsche Rheuma-Liga, welche unter anderem Selbsthilfekurse zur Bewältigung von Schmerzen, Entspannungstechniken und Tipps für den Alltag bereitstellt, weist darauf hin, dass eine Umstellung der Ernährung eine medizinische Behandlung mit Medikamenten keinesfalls überflüssig macht. Bei rheumatoider Arthritis wird eine mediterrane Kost als sinnvolle Ergänzung empfohlen.
Zu den empfohlenen Lebensmitteln zählen unter anderem Beeren, fetter Fisch, Olivenöl, Nüsse, Hülsenfrüchte, Blattgemüse und Gewürze. Stark verarbeitete Produkte, zugesetzter Zucker sowie gesättigte Fette sollten hingegen begrenzt werden. Zudem zeigte eine Übersichtsarbeit von 21 Studien aus dem Jahr 2022, dass 100-prozentiger Orangensaft Entzündungsmarker senken kann.
Neben der Ernährung bleiben körperliche Bewegung, Krafttraining und physiotherapeutische Maßnahmen zentrale Säulen bei der Behandlung von Gelenkbeschwerden. Laut Erhebungen des Robert Koch-Instituts litten im Jahr 2025 in Deutschland 16,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung an Arthrose, während es weltweit mehr als 100 verschiedene Formen rheumatischer Leiden gibt.