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Technik und Wissenschaft

Siemens-Chef Roland Busch warnt EU vor KI-Überregulierung durch AI Act

Siemens-Chef Roland Busch warnt die Europäische Union im August 2026 davor, das Entwicklungstempo der Künstlichen Intelligenz durch strenge Vorschriften wie den AI Act zu bremsen. Gleichzeitig plädiert der Manager für einen vorsichtigen Umgang mit umfassenden Zöllen gegenüber chinesischen Technologieanbietern, die er als hochleistungsfähige Wettbewerber bezeichnet.

Der Siemens-Konzernchef Roland Busch hat eine drastische Beschleunigung bei der Zulassung neuer Technologien in Europa gefordert. Anlass ist die Sorge, dass Brüssel mit langwierigen Gesetzgebungsverfahren den technologischen Anschluss verliert. Siemens-Chef Busch sieht in KI die größte Wette der Geschichte auf Technologie, wie er in einem Interview mit der Welt am Sonntag, das gemeinsam mit anderen europäischen Zeitungen der Leading European Newspaper Alliance (Lena) geführt wurde, erklärte. Der 61-jährige Busch äußerte sich dazu im August 2026 bei einer Tech-Messe im Juni in Paris sowie im Rahmen der Vorlage des Konzernergebnisses für das dritte Quartal des Siemens-Geschäftsjahres.

Kritik an langwierigen EU-Regulierungsprozessen für Künstliche Intelligenz

Im Zentrum der Kritik stehen EU-Gesetze wie der AI Act und der Data Act, deren Verabschiedung laut Busch etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen kann. In dieser Zeit durchlaufe die Technologie massive Sprünge, wobei sich KI-Modelle bereits sechs- oder achtmal weiterentwickelt haben können.

„Wir dürfen das Entwicklungstempo der KI-Technologie nicht durch Regulierung bremsen. Man denke nur daran, wie lange es dauert, bis ein ‚AI Act‘ oder ‚Data Act‘ verabschiedet wird – vielleicht zwei Jahre. In dieser Zeit können sich KI-Modelle bereits sechs- oder achtmal weiterentwickelt haben.“

Roland Busch, Vorstandsvorsitzender von Siemens, via Welt am Sonntag

Bis eine Verordnung tatsächlich in Kraft trete, habe sich die entsprechende KI-Technologie oft schon in eine ganz andere Richtung bewegt. Wir hinken stets hinterher, kritisierte Busch. Umfassende Zölle der Europäischen Union gegen China lehnte der Siemens-Chef ebenfalls ab. Es mag Gründe für wenige, gezielte Zölle geben, sagte er, warnte jedoch davor, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit zu schützen, da sich dies räche.

Roland Busch bewertet den globalen KI-Boom und China als Wettbewerber

Die europäischen Handelsprobleme mit China seien nach Ansicht des Siemens-Chefs nicht ausschließlich auf unfaire Handelspraktiken zurückzuführen. Er würde davor warnen, jedes Problem mit chinesischen Importprodukten pauschal darauf zurückzuführen, dass China alles subventioniere, da dies nicht die ganze Wahrheit sei.

Siemens-Chef Roland Busch warnt EU vor KI-Überregulierung durch AI Act
Photo: finanznachrichten.de

„Die Wahrheit ist vielmehr, dass wir es in China mit sehr leistungsfähigen Wettbewerbern zu tun haben – mit starken Ingenieuren und engagierten Teams, die innovative Produkte entwickeln und neue Technologien, einschließlich KI, rasch adaptieren. Das ist die neue Wettbewerbschaft. Wir müssen sie anerkennen und entsprechend reagieren.“

Roland Busch, Siemens-CEO, via Welt am Sonntag

Trotz der enormen Investitionssummen im Bereich der Künstlichen Intelligenz sieht Busch keine drohende Finanzblase. Das aktuelle Marktumfeld unterscheide sich grundlegend von früheren Spekulationswellen, da es sich hierbei nicht um eine Blase handele, die auf geliehenem Geld basiert. Ein Großteil der Mittel stamme stattdessen von Unternehmen, die einen erheblichen Cashflow erwirtschaften. Ein weiterer Punkt ist laut Busch, dass bei einem Platzen dieser Wette nicht alles abgeschrieben werden müsste.

Siemens-Chef Roland Busch warnt EU vor KI-Überregulierung durch AI Act
Photo: zeit.de

„Was wir derzeit erleben, ist die größte Wette der Geschichte auf Technologie. Aber es handelt sich hierbei nicht um eine Blase, die auf geliehenem Geld basiert. Ein Großteil der Mittel stammt von Unternehmen, die einen erheblichen Cashflow erwirtschaften.“

Roland Busch, Siemens-Vorstandsvorsitzender, via Welt am Sonntag

Siemens profitiert derweil selbst spürbar von der anhaltend hohen Nachfrage nach Rechenzentren für Künstliche Intelligenz, vor allem auf dem US-amerikanischen Markt. Busch erklärte hierzu Anfang des Monats bei der Vorlage des Konzernergebnisses für das dritte Quartal des Siemens-Geschäftsjahres, dass das Momentum aus diesem Bereich wohl auch im kommenden Jahr und darüber hinaus anhalten werde. Der Siemens-CEO ist sich sicher, dass sich die Investitionen in die künstliche Intelligenz lohnen und die Märkte positiv verändern werden.

„Die ersten positiven Effekte sehen wir bereits. KI wird die Märkte definitiv positiv verändern, Effizienz und Effektivität steigern, Ressourcen schonen und Innovationen beschleunigen.“

Roland Busch, Siemens-Chef, via Welt am Sonntag
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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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