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Unternehmen

Shein startet mit deutlichem Kursverlust an Börse in Hongkong

Der Online-Moderiese Shein ist am Dienstag an der Börse in Hongkong mit einem deutlichen Kursverlust gestartet. Nach Handelsbeginn fiel die Aktie zeitweise um rund acht Prozent unter den Ausgabepreis von 48,56 Hongkong-Dollar, während das Unternehmen mit rund 24 Milliarden Dollar bewertet wird und mit neuen Zöllen in Europa und den USA kämpft.

Mit einem spürbaren Dämpfer hat die Shoppingplattform Shein ihren lang erwarteten Gang an die Börse in der Finanzmetropole Hongkong absolviert. Bereits in den ersten Handelsminuten rutschte der Aktienkurs des in Singapur ansässigen Unternehmens zeitweise um rund acht Prozent unter den Ausgabepreis von 48,56 Hongkong-Dollar ab. Das zeigt, wie stark der Hype um das einst rasch gewachsene E-Commerce-Unternehmen unter Investoren inzwischen abgekühlt ist.

Einbruch der Bewertung und schrumpfender Hype an der Börse

Das Debüt in Hongkong markiert einen herben Kontrast zu den früheren Rekordbewertungen des Onlinehändlers. Während das Unternehmen bei privaten Finanzierungsrunden im Jahr 2022 noch mit fast 100 Milliarden Dollar taxiert worden war, liegt die aktuelle Bewertung bei rund 24 Milliarden Dollar. Die FAZ beziffert den Firmenwert nach den ersten Kursbewegungen auf etwa 24,5 Milliarden US-Dollar (21,1 Milliarden Euro). Damit rangiert der Modekonzern knapp hinter dem schwedischen Konkurrenten H&M, der auf mehr als 25 Milliarden US-Dollar kommt, und bleibt weit hinter dem spanischen Zara-Mutterkonzern Inditex zurück, dessen Marktwert mehr als 200 Milliarden US-Dollar beträgt.

An dem feierlichen Börsenstart in Hongkong nahm auch der ansonsten öffentlichkeitsscheue Gründer und Konzernchef Xu Yangtian, auch bekannt als Sky Xu, teil, verzichtete jedoch auf eine Rede. Stattdessen wandte sich Finanzvorstand Leigh Gui an das Publikum auf dem Parkett und bezeichnete das Geschäftsmodell als groß angelegt und automatisiert. Man bediene rund 273 Millionen aktive Kundinnen und Kunden in 160 Ländern.

Zollreformen, Verluste und geopolitischer Gegenwind

Hinter den Kulissen steht das Geschäft des Onlinehändlers jedoch unter erheblichem Druck. Im Vorfeld des Börsengangs legte das Unternehmen offen, dass in den ersten drei Monaten dieses Halbjahres ein Verlust von 99 Millionen US-Dollar angefallen war. Zu den Hauptbelastungen zählen neue Zollregelungen in wichtigen Kernmärkten wie den USA und Europa. Durch den Wegfall von Zollausnahmen für Wareneinfuhren mit geringem Wert werden günstige Direktlieferungen deutlich schwerer bestellbar.

Shein startet mit deutlichem Kursverlust an Börse in Hongkong
Photo: FAZ

Hinzu kamen steigende Transportkosten infolge des Konflikts im Nahen Osten, wodurch auch die Nachfrage in dieser Region stark einbrach.

Der Weg nach Singapur und die gescheiterten Versuche in New York und London

Der Weg bis zur heutigen Notierung in Hongkong war von langwierigen Hürden geprägt. Das Unternehmen hat seine Wurzeln in China und betreibt dort nach wie vor einen großen Teil seiner Lieferkette, verlagerte seinen offiziellen Sitz jedoch zwischen 2021 und 2022 nach Singapur. Vor dem Schritt nach Asien scheiterten frühere Anläufe an den Finanzplätzen in London und New York am Widerstand Pekings. Insbesondere in den USA geriet Shein wegen der Herkunft seiner Baumwolle unter politischen Druck. Kritiker warfen dem Konzern vor, Materialien aus der autonomen chinesischen Region Xinjiang zu nutzen, in der die Minderheit der Uiguren unterdrückt werden soll – Vorwürfe, die China stets zurückgewiesen hat.

Shein startet mit deutlichem Kursverlust an Börse in Hongkong
Photo: DIE ZEIT
Shein startet Milliarden-Börsengang in Hongkong

Mit dem Erlös aus dem Börsengang in Höhe von umgerechnet etwa 1,5 Milliarden Euro will das Unternehmen unter anderem in seine technische Infrastruktur und die Stärkung der eigenen Marke investieren. Experten beobachten den Schritt genau. Laut Einschätzung des E-Commerce-Experten Alexander Graf bepreist die Börse den Konzern inzwischen wie einen normalen europäischen Modehändler. Der eigentliche Zweck des Börsengangs sei vor allem die Bereinigung der Bilanz, um mit vollen Kassen und ohne akuten Wachstumsdruck gezielt in Europa zu expandieren.

Kritik von Umweltverbänden und Verbänden

„Das Ultra-Fast-Fashion-Geschäftsmodell auf Kosten von Umwelt und Gesundheit darf keine Zukunft haben – erst recht nicht an der Börse.“

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe

Ob der Börsengang in Hongkong dem Konzern trotz dieser Widerstände die gewünschte finanzielle Stabilität verleiht, hängt maßgeblich davon ab, wie gut Shein die neuen Zollhürden und den schärferen internationalen Wettbewerb bewältigen kann.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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