Sechs Monate nach Beginn des US-Militärschlags gegen den Iran liegen zentrale Ziele von Präsident Donald Trump weiter in ferner Zukunft. Trotz Sanktionen, Seeblockaden und eines im Juni geschlossenen, aber rasch gescheiterten Rahmenabkommens bleibt die Lage am Persischen Golf hochgradig instabil, während im US-Wahlkampf der wirtschaftliche Druck wächst.
Trumps verfehlte Kriegsziele und das Ringen um die Kontrolle am Golf
Als die Vereinigten Staaten und Israel im späten Februar mit Luftangriffen einen Krieg gegen den Iran begannen, kündigte US-Präsident Donald Trump an, dass die Operation lediglich vier bis fünf Wochen dauern würde. Ein halbes Jahr später hat sich diese Prognose als hinfällig erwiesen. Ein im Juni geschlossenes Memorandum of Understanding, das als diplomatischer Durchbruch gefeiert worden war, lief ins Leere. Seither flammen die Spannungen regelmäßig wieder auf, während das US-Militär seine Präsenz in der Region aufrechterhält.
Die US-Marine setzt in den Gewässern eine Seeblockade gegen iranische Häfen durch und unterstützt Tanker bei der Passage durch die strategisch wichtige Straße von Hormus. Dennoch bleibt die Lage angespannt. Im Iran konnten sich im Zuge der anhaltenden Konfrontation Kräfte durchsetzen, die jeglichen Verhandlungen mit Washington skeptisch gegenüberstehen.
Die neue Priorität: Die Straße von Hormus und der globale Energiemarkt
Im Laufe des sechsmonatigen Konflikts hat sich der Fokus der US-Regierung verschoben. Während zu Beginn des Krieges der Sturz des Regimes, eine bedingungslose Kapitulation oder die Verhinderung eines iranischen Atomprogramms im Vordergrund standen, ist die Wiedereröffnung der Straße von Hormus zu einem zentralen Anliegen geworden. Vor dem Krieg passierten rund 20 Prozent des weltweiten Erdöls diese schiffbare Nadelöhr, das Teheran im Zuge der Auseinandersetzung weitgehend lahmgelegt hat.
Die wirtschaftlichen Folgen dieses blockierten Transportweges schlagen direkt auf die Verbraucher in den USA und Europa durch. Energiepreise und Treibstoffkosten an den Zapfsäulen sind gestiegen, was den innenpolitischen Druck auf die Regierung in Washington spürbar erhöht. Vizepräsident JD Vance erklärte in einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview mit Fox News, dass die oberste Priorität der Regierung darin liege, öl und Gas für Amerikaner im ganzen Land billig zu halten und die Energiestabilität zu sichern.
Vances Äußerungen markieren eine bemerkenswerte Schwerpunktverschiebung im Vergleich zu den ursprünglichen Kriegszielen von Donald Trump. Das Weiße Haus bemühte sich im Anschluss, den Eindruck interner Meinungsverschiedenheiten zu zerstreuen.
Wirtschaftssanktionen als Druckmittel und das ungelöste Nukleardilemma
Um Teheran zu wirtschaftlichen Zugeständnissen zu zwingen, setzt die US-Regierung auf eine Strategie des wirtschaftlichen Drucks. Finanzminister Scott Bessent kündigte in einem CNBC-Interview die härtesten Iran-Sanktionen der Geschichte an. Diese sollen künftig nicht nur den Iran selbst treffen, sondern auch Drittstaaten, die weiterhin Geschäfte mit Teheran betreiben — ein Schritt, der sich vor allem gegen China richten könnte.
Ungeachtet der massiven Sanktionen und militärischer Schläge bleibt die Frage des iranischen Atomprogramms und der verbliebenen Bestände an hochangereichertem Uran ungelöst. Laut den vorliegenden Berichten verfügt Teheran über ein Inventar von rund 970 Pfund beziehungsweise 440 Kilogramm angereichertem Uran, das unter von den USA und Israel bombardierten Anlagen vermutet wird. Trump hatte im Mai in einem Beitrag in sozialen Netzwerken angekündigt, dieses Material in enger Abstimmung mit dem Iran und der Internationalen Atomenergie-Organisation bergleiten und zerstören zu wollen. Eine offizielle Zustimmung Teherans zu einem solchen Zugriff liegt jedoch nicht vor.
Dennoch zeigt sich das iranische Militär weiterhin fähig, Angriffe mittels Drohnen auf Schiffe in der Region auszuführen.
Innenpolitischer Druck vor den Kongresswahlen im November
Mit Blick auf den Kalender gewinnt der Konflikt für das Weiße Haus eine akute Wahlkampfdimension. Am 3. November finden in den Vereinigten Staaten die Kongresswahlen statt, bei denen das gesamte Repräsentantenhaus und rund ein Drittel der Senatssitze neu vergeben werden. Umfragen zufolge droht den Republikanern der Verlust der Mehrheit im Abgeordnetenhaus, während im Senat ein Kopf-an-Kopf-Rennen droht.
Iran issues bounty for Trump's son Barron, as war enters 6 months
„Das wird funktionieren und wir werden dieses Regime stürzen.“
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Scott Bessent, US-Finanzminister, via DiePresse.com
Die Zustimmungswerte für Donald Trump sind im Durchschnitt auf rund 40 Prozent gesunken, verglichen mit etwa 45 Prozent zu Beginn des militärischen Engagements im Februar 2025. Konservative Kritiker innerhalb der eigenen Partei, darunter der frühere Moderator Tucker Carlson, werfen der Regierung vor, das Versprechen gebrochen zu haben, sich aus internationalen Konflikten herauszuhalten.
Ob die Republikaner ihre Mehrheiten im Kongress verteidigen können, hängt maßgeblich von der Entwicklung der Benzin- und Ölpreise bis zum November ab. Erstmals seit 2010 sehen Wählerbefragungen die Demokraten bei der Wirtschaftskompetenz im Vorteil, was den Druck auf das Weiße Haus weiter verstärkt, den Konflikt zu stabilisieren oder den Wählern vor dem Urnengang messbare Entlastungen an den Zapfsäulen zu präsentieren.
Trump says Iran war could last beyond a month as he lays out objectives | Special Report
Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.
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