Eine neue Simulation des Fraunhofer ISE zeigt, dass 20 Gigawatt Batteriespeicher die deutsche Strompreisspitze vom 20. Januar 2025 von 583 auf 221 Euro je Megawattstunde gesenkt hätten. Die Untersuchung nutzt reale Börsengebote der Day-Ahead-Auktion an der EPEX SPOT, um die dämpfende Wirkung großer Speichersysteme auf Marktpreise zu belegen.
Simulation am Fraunhofer ISE zeigt drastischen Rückgang von Strompreisspitzen
Am Abend des 20. Januar 2025 kletterten die Preise an der deutschen Strombörse zeitweise auf 583 Euro pro Megawattstunde. Eine virtuelle Aufstockung des Netzes um Batteriespeicher verändert dieses Szenario massiv. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE haben mithilfe des Strompreissimulators von Energy-Charts nachvollzogen, wie sich zusätzliche Kapazitäten auf das Marktgeschehen ausgewirkt hätten.
Bei einer simulierten Batterieleistung von 20 Gigawatt und einer Kapazität von 40 Gigawattstunden wäre die Höchstmarke an jenem Januartag auf 221 Euro je Megawattstunde gefallen. Das Prinzip dahinter ist simpel: Die Speicher nehmen Strom auf, wenn er im Überfluss vorhanden und günstig ist, und speisen ihn ein, wenn die Preise massiv steigen. Dadurch wächst das Angebot in den teuersten Stunden spürbar an.

Über die Wirkung von Batteriespeichern auf den Strompreis wird viel diskutiert, meist mit Modellen für die Zukunft.
Leonhard Gandhi, Projektleiter für die Energy-Charts am Fraunhofer ISE
Im Gegensatz zu reinen Zukunftsprognosen greift der Simulator auf tatsächlich abgegebene Gebote aus dem Stromhandel zurück. Die Berechnungen stützen sich auf die von der europäischen Strombörse EPEX SPOT erfassten Kauf- und Verkaufsgebote der Day-Ahead-Auktion.
Auswirkungen auf das gesamte Jahr 2025 und den Marktwert von Solarstrom
Der glättende Effekt beschränkt sich nicht auf einzelne Extremaxtage. Im gesamten untersuchten Jahresverlauf sank die durchschnittliche tägliche Differenz zwischen der teuersten und der billigsten Viertelstunde von 130 auf 53 Euro je Megawattstunde. Das entspricht einem Rückgang von rund 60 Prozent.
- Stunden mit Preisen über 200 Euro je Megawattstunde sanken von 169 auf 20.
- Stunden mit negativen Preisen gingen von 575 auf 271 zurück.
- Der Marktwert von Solarstrom kletterte von 45,08 auf 61,02 Euro je Megawattstunde, was einem Plus von rund 35 Prozent entspricht.
Besonders an sonnigen Mittagsstunden trifft eine hohe Solarproduktion häufig auf geringen Bedarf. Speicher fangen diese Mengen ab, wodurch die Börsenpreise weniger stark unter Druck geraten. Am 11. Mai 2025 fiel der Day-Ahead-Preis mittags auf minus 250 Euro je Megawattstunde. Mit den simulierten Speichern lag der niedrigste Wert bei einem Wirkungsgrad von 86 Prozent nur noch bei minus 20 Euro.
Bedeutung für den Strommarkt und Grenzen der Modellrechnung
Für die wöchentlichen Analysen berechnet das Fraunhofer-Institut rund 2000 Varianten, bei denen Batterieleistungen bis zu 20 Gigawatt und Speicherdauern von zwei bis sechs Stunden variiert werden. Dennoch lassen sich die simulierten Effekte nicht eins zu eins auf die monatliche Stromrechnung privater Verbraucher übertragen.
Die Untersuchung bildet ausschließlich den Day-Ahead-Markt ab. Private Haushalte zahlen darüber hinaus Steuern, Abgaben, Netzentgelte und Vertriebskosten. Zudem bleiben Erlöse aus dem Intraday-Handel, Regelenergie oder Systemdienstleistungen in diesem Szenario unberücksichtigt.
Speicher glätten den Preis, aber sie erzeugen keinen Strom.
Leonhard Gandhi, Projektleiter für die Energy-Charts am Fraunhofer ISE
Langfristige Anpassungen von Kraftwerken, Händlern oder Nachbarländern im Rahmen der europäischen Strommarktkopplung könnten das reale Marktverhalten zusätzlich verschieben. Neben einer wachsenden Batterieflotte bleibt deshalb auch künftig gesicherte Leistung im System erforderlich.
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