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Welt

Russland meldet massiven Drohnenangriff auf Region Moskau mit Hunderten Flugkörpern

In einer der massivsten Drohnenaktionen des Ukraine-Krieges hat die ukrainische Luftabwehr nach russischen Behördenangaben am 6. Oktober 2026 rund 650 unbemannte Flugkörper auf die Region Moskau gelenkt. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin bestätigte den nächtlichen Großeinsatz, während lokale Regierungsstellen zwei Todesopfer und neun Verletzte im Moskauer Umland meldeten.

Die Angriffe richteten sich gegen das russische Hinterland und trafen unter anderem Industrieanlagen in der Nähe der Hauptstadt. Das Portal Kyjiv Independent berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, dass ein Öllager rund 40 Kilometer südöstlich von Moskau ins Visier genommen wurde. Aufnahmen von Augenzeugen im Gebiet Konstantinowo zeigten Flammen und dichten Rauch, wie die Gießener Allgemeine unter Berufung auf den Telegram-Kanal Exilenova Plus und das unabhängige Medium Astra berichtete.

Nächtlicher Großeinsatz und Abwehrschlacht über der Region Moskau

Der massiv ausgelegte Angriff begann nach Angaben der Stadtverwaltung am späten Montagabend zwischen 20:00 Uhr beziehungsweise 20:30 Uhr und dauerte bis 5:00 Uhr am Morgen des Dienstags an. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte über den Nachrichtendienst Telegram mit, dass die Gesamtzahl der registrierten Flugkörper bei rund 650 gelegen habe. Ein Gros davon sei bereits in großer Entfernung durch elektronische Abwehrmaßnahmen und Flugabwehrbatterien unschädlich gemacht worden, während der Gouverneur des Moskauer Gebiets, Andrej Worobjow, mitteilte, dass über dem Moskauer Gebiet insgesamt 185 Drohnen von der Luftabwehr und elektronischen Systemen abgeschossen oder zum Absturz gebracht wurden.

Russland meldet massiven Drohnenangriff auf Region Moskau mit Hunderten Flugkörpern
Foto: N TV

Den direkten Anflug auf das Stadtgebiet werteten die Behörden zunächst mit 105 abgeschossenen Drohnen, später meldete Bürgermeister Sobjanin weitere 29 zerstörte Flugkörper. Gouverneur Andrej Worobjow gab bekannt, dass in sieben Kommunen der Region insgesamt 47 Privathäuser beschädigt wurden. Durch herabstürzende Trümmer und Detonationen kamen im Moskauer Umland zwei Menschen ums Leben, neun weitere erlitten Verletzungen, wobei zunächst von einem Toten und sechs Verletzten die Rede gewesen war. Die russischen Behörden sprachen von einem der schwersten beziehungsweise größten ukrainischen Drohnenangriffe auf die Hauptstadtregion seit zwei Jahren. Die staatliche Nachrichtenagentur TASS bezeichnete die Angriffswelle ebenfalls als einen der größten Drohnenangriffe auf Moskau innerhalb dieses Zeitraums. In Domodedowo südlich von Moskau, dem Standort des drittgrößten Flughafens des Landes, fiel in einigen Dörfern zudem der Strom aus. Die Angaben aus Moskau konnten von unabhängiger Seite zunächst nicht überprüft werden.

Treffer im industriellen Umland und Bedeutung für die Treibstoffversorgung

Im Zentrum der ukrainischen Operation stand nach übereinstimmenden Medienberichten eine zentrale Energie- und Industrieinfrastruktur. N-tv berichtete unter Berufung auf Augenzeugenberichte, dass die Attacken auf Anlagen abzielten, die für die Finanzierung der russischen Kriegführung von Bedeutung sind. Die Ukraine zielt nach Berichten darauf ab, Anlagen der russischen Ölindustrie zu treffen, um so den für Moskaus Kriegskasse wichtigen Energieexport zu beeinträchtigen.

Betroffen war demnach das Produktions- und Koordinierungszentrum Wolodarsk – auch als Anlage Wolodarskaja bezeichnet – nahe des Dorfes Konstantinowo, das rund 40 Kilometer vom Zentrum Moskaus und etwa 450 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liegt und als das größte Öldepot der Moskauer Region gilt. Das ukrainische Nachrichtenportal Kyiv Independent berichtete ebenfalls über den Treffer an diesem Verteilzentrum, während die Nachrichtenagentur Reuters und weitere Beobachter erklärten, die Berichte zunächst nicht unabhängig bestätigen zu können.

Russland meldet massiven Drohnenangriff auf Region Moskau mit Hunderten Flugkörpern
Foto: MDR.de

Parallele Angriffe und Eskalation im Schwarzmeerraum

Zeitgleich zu den Ereignissen im Moskauer Luftraum setzten die Streitkräfte beider Seiten ihre Operationen an weiteren Frontabschnitten fort. Südtirol News meldete, dass sowohl die Ukraine als auch Russland in den vergangenen Monaten ihre gegenseitigen Angriffe auf zivile und industrielle Ziele, darunter Energie-, Transport- und Hafeninfrastruktur sowie Schiffe im Schwarzen Meer, verstärkt haben. Am Dienstag ließ das russische Verteidigungsministerium verlauten, dass das Militär bei nächtlichen Offensiven gegen diverse Punkte in ukrainischen Schwarzmeerhäfen vorging, wobei neben den Häfen von Chornomorsk und Ismajil auch Rechenzentren in verschiedenen urbanen Zentren der Ukraine ins Visier genommen wurden.

Unter den Trümmern eines zerstörten Wohnhauses wurde weiter nach möglichen Opfern gesucht. Im russisch besetzten Teil der südöstlichen Region Saporischschja wurden bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf einen Bus zudem drei Menschen getötet und drei weitere verletzt, darunter der getötete Busfahrer. Darüber hinaus griffen russische Truppen ukrainischen Behördenangaben zufolge in der Stadt Saporischschja eine Brücke über den Fluss Dnipro an, wobei fünf Menschen – darunter zwei Mitarbeiter des Roten Kreuzes – verletzt, die Fahrbahn beschädigt und der Verkehr zeitweise gestoppt oder umgeleitet wurde. In der vergangenen Woche hatten russische Streitkräfte erstmals Drohnenangriffe auf Brücken wie die Süd- und die Nordbrücke in der Hauptstadt Kiew verübt, wobei die Nordbrücke am 6. Oktober erneut von russischen Truppen mit Drohnen attackiert wurde, was von der staatlichen Nachrichtenagentur TASS unter Berufung auf das Verteidigungsministerium gemeldet wurde. Das ukrainische Innenministerium teilte mit, dass die Beseitigung der Folgen der Angriffe andauert.

Russland meldet massiven Drohnenangriff auf Region Moskau mit Hunderten Flugkörpern
Foto: Südtirol News

Angesichts des bevorstehenden Winters stellte Moskau in Aussicht, die Offensiven gegen die ukrainische Infrastruktur – insbesondere in Kiew – weiter zu verschärfen. Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als viereinhalb Jahren mit westlicher Unterstützung gegen die großangelegte russische Invasion und nimmt im Rahmen ihres Abwehrkampfes immer wieder Ziele im russischen Hinterland ins Visier, während Russland das Nachbarland systematisch mit Drohnen und Raketen beschießt. Begleitet werden diese Entwicklungen von diplomatischen und sicherheitspolitischen Reaktionen: Bundeskanzler Friedrich Merz forderte bei einem Besuch in Kiew den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf, die Angriffe zu beenden, und erklärte sich zu Gesprächen bereit, während US-Vertreter und Präsident Wolodymyr Selenskyj über Zeitpläne für ein trilaterales Expertentreffen zwischen den USA, der Ukraine und Russland bis Ende Oktober in den Vereinigten Arabischen Emiraten berieten.

Beide Konfliktparteien haben angesichts des bevorstehenden Winters angekündigt, ihre Angriffe auf kritische Infrastruktur und industrielle Ziele im Hinterland weiter zu intensivieren. Während in Washington und Kiew Gespräche über mögliche diplomatische Auswege und künftige Zeitpläne für Expertenrunden geführt werden, verdeutlicht der Großeinsatz über der russischen Hauptstadt, dass der Abnutzungskrieg an räumlicher Ausdehnung und Intensität zunimmt.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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