Die Generalstaatsanwältin von New York übernimmt die Ermittlungen zu einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der Cornell University aus dem Jahr 2024. Der Fall, der eine Zivilklage und landesweite Proteste auslöste, wird nach massiver öffentlicher Empörung und Kritik am bisherigen Vorgehen der lokalen Behörden und der Hochschule neu aufgerollt.
Ermittlungen unter der Generalstaatsanwältin neu aufgerollt
Fast zwei Jahre nach der Nacht vom 19. Oktober 2024 gerät der Umgang mit den Anschuldigungen an der Cornell University massiv unter Druck. Matthew Van Houten, der als Bezirksstaatsanwalt im Tompkins County fungiert, erklärte die verzögerte Untersuchung mit der erst drei Wochen nach den Taten Ende Oktober 2024 erfolgten Schilderung des mutmaßlichen Opfers. Das Verfahren wird nun neu aufgerollt, wobei eine Grand Jury über eine etwaige Anklageerhebung befinden soll.
Die Vorwürfe stammen von einer ehemaligen Studentin, die in den Gerichtsunterlagen unter dem Pseudonym Jane Doe geführt wird. Die damals 20-jährige Frau, die im August 2022 ihr Bachelorstudium an der Universität begonnen hatte, gab an, sie sei in der Bruderschaft mit Alkohol abgefüllt und im bereits unzurechnungsfähigen Zustand zusätzlich mit Ketamin unter Drogen gesetzt worden, woraufhin mehrere junge Männer sie vergewaltigten. Die Betroffene wandte sich im November 2024 an die Campus-Polizei und erklärte damals in einer Vernehmung Ich kann mit einhundertprozentiger Sicherheit sagen, dass ich vergewaltigt wurde
, wie aus Protokollen hervorgeht. Eine strafrechtliche Anklage blieb damals jedoch aus, weil die zuständige Staatsanwaltschaft zunächst zu wenig Beweise sah.
Chat-Verläufe und Zivilklage verschärfen den Druck auf die Hochschule
Der Fall erlangte erst durch eine zwei Wochen zuvor eingereichte Zivilklage der inzwischen 22-jährigen Klägerin landesweite Aufmerksamkeit. Neben den sieben mutmaßlichen Tätern richtet sich die Zivilklage auch gegen die Universität, die Studentenverbindung sowie eine nahegelegene Campus-Bar, die dem mutmaßlichen Opfer Alkohol verabreichte, obgleich dieses das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte. Die Kanzlei von Agnifilo, die zuvor unter anderem Rapper Sean Diddy Combs und Harvey Weinstein vertrat, hat inzwischen die Verteidigung für einen der beschuldigten Männer übernommen (die Anwaltskanzlei von Agnifilo vertritt einen der Beschuldigten). Aus den Gerichtsunterlagen geht hervor, dass einige der Beschuldigten gegenüber universitären Ermittlern von einvernehmlichem sexuellem Kontakt sprachen, während die Rechtsbeistände von zwei Ex-Studenten jegliche Beteiligung ihrer Mandanten an dem vorgeworfenen Delikt der Gruppenvergewaltigung dementierten.
Die Universität geriet parallel wegen ihrer internen Disziplinarmaßnahmen in die Kritik. Während Kritiker monierten, die beteiligten Männer seien zu wenig zur Verantwortung gezogen worden, erklärte die Hochschule, die Leitung habe eine gesetzlich bindende, formelle Untersuchung nach dem Title-IX-Gesetz eröffnet und vier Studenten bestraft – zwei wurden temporär suspendiert, zwei exmatrikuliert, und das Haus der Studentenverbindung Chi Phi sowie die Gruppe Xi wurden dauerhaft vom Campus ausgesperrt. Die Betroffene hat ihr Studium abgebrochen. Der Präsident der Universität, Michael Kotlikoff, hatte sich in einem Video bedrückt über den mutmaßlichen Vergewaltigungsfall geäußert.
Proteste auf dem Campus und Online-Pranger gegen die Beteiligten
Einige Kundgebungen gingen mit eingeschlagenen Fensterscheiben und Graffiti an den Wänden eines Gebäudes auf dem Campus einher, die der Universität vorwarfen, Vergewaltiger zu schützen. Der Bürgermeister von Ithaca, Robert Cantelmo, forderte ein vorübergehendes Feierverbot für die etwa 27.000 Studenten der Cornell-Universität. Auch die Klägerin geriet ins Visier von Möchtegern-Online-Detektiven und wurde von ihnen belagert, woraufhin sich zahlreiche andere junge Frauen solidarisch zeigten, um ihre Identität zu schützen.
Was Jane Doe im Jahr 2024 widerfahren ist, ist zutiefst beunruhigend und wird unsere Gemeinschaft noch viele Jahre belasten.
Michael I. Kotlikoff, Präsident der Cornell University
Die Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, verlangte eine externe Untersuchung Cornells und teilte mit, dass sie die Entscheidung der Bezirksstaatsanwaltschaft unterstütze, die Ermittlungen wieder aufzunehmen, während sich aber auch ernsthafte Fragen zum Umgang der Universität mit Übergriffen ergeben hätten.
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