Die Schweizerische Post hat für das erste Halbjahr 2026 ein positives Konzernergebnis von 173 Millionen Franken vorgelegt, verzeichnet im Digitalgeschäft jedoch einen massiven Verlust von 40 Millionen Franken. Hauptursache für das Defizit in der Sparte Digital Services ist der offizielle Ausstieg aus dem elektronischen Patientendossier und die damit verbundene Neuausrichtung.
Gesamt machte Die Post im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 3,67 Milliarden Franken (H1 2025: 3,61 Mio. Franken), unter dem Strich bleiben 173 Millionen Franken, im Vorjahr waren es noch 118 Millionen. Die Gewinne kommen vor allem aus den Bereichen Logistik-Services und Postfinance. Für das Betriebsergebnis belastend waren derweil die Bereiche Postnetz (-50 Millionen Franken) und Digital Services.
Während die Logistik-Sparte und Postfinance solide Gewinne abliefern, kämpft der Bereich Digital Services der Schweizerischen Post mit tiefen roten Zahlen. Nach einem operativen Verlust von 29 Millionen Franken im Vorjahr hat sich das Minus im ersten Halbjahr 2026 auf 40 Millionen Franken ausgeweitet, wie aus aktuellen Finanzberichten hervorgeht. Der Ertrag klebt bei 145 Millionen fest.
Millionenverlust durch das Aus des elektronischen Patientendossiers
Als Grund nennt die Post vor allem den Ausstieg aus dem elektronischen Patientendossier (EPD). Die Neuausrichtung der Abteilung Digital Health hat das Ergebnis belastet, um diese Effekte bereinigt sei das Ergebnis der Sparte Digital Services derweil um 8 Millionen Franken besser als noch 2025. Bereinigt um diese Sondereffekte lag das Ergebnis der Sparte Digital Services laut Unternehmensangaben zwar über dem Vorjahreswert, die Gesamtbilanz bleibt jedoch stark defizitär.
Digital Health will sich nach dem Aus des EPD fortan auf das elektronische Gesundheitsdossier (E-GD) ausrichten. Dennoch trüben neben dem Digitalbereich auch andere operative Segmente die Bilanz. So verzeichnete das klassische Postnetz im gleichen Zeitraum einen Betriebsverlust von 50 Millionen Franken, während der Gesamtkonzern dank seiner starken Logistik- und Finanzdienstleistungssparten einen Nettogewinn von 173 Millionen Franken erwirtschaftete – eine deutliche Steigerung gegenüber den 118 Millionen Franken im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Unterschiedliche Darstellungen bei Nutzerzahlen und Klick-Statistiken
Trotz der roten Zahlen im operativen Geschäft betont die Post in ihrer Kommunikation primär positive Nutzerrekorde in ihrer Medienmitteilung zum Halbjahresergebnis. Positive Auswirkungen auf das Ergebnis von Digital Services hatte laut der Post die höhere Nutzung der digitalen Angebote. In Zahlen ist das deutlich: Statt knapp 170’000 Kunden im Vorjahr nutzten mehr als 630’000 Kunden die ePost-Dienstleistungen. Der Service Meine digitale Post
zähle über 1,4 Millionen Nutzerinnen und Nutzer
, die App sei von Januar bis Ende Juni 38,3 Millionen Mal zum Einsatz
gekommen. Dazu kamen vier neue Kantone, die das eVoting-System der Post nutzen. Der Service Meine digitale Post
verzeichnete 4,3 statt 2,5 Millionen Sendungen.


Kritische Stimmen werfen dem Staatsbetrieb jedoch vor, die Statistiken durch Begrifflichkeiten und Zählweisen künstlich aufzuhübschen. Auf Anfrage relativiert die Post rasch: Gezählt wurden schlicht Personen, die den Dienst aktiviert haben. Bei den Millionen Einsätzen
handelt es sich um Sessions – sprich: Jedes flüchtige Öffnen der App auf dem Smartphone. Rechnet man nach, öffnet der durchschnittliche registrierte Nutzer
die App alle neun bis zehn Tage; meist wohl nur, um nachzuschauen, in welchem Zeitfenster der Pöstler das Galaxus/Digitec-Päckli vor die Haustür legt. Reale Nutzung digitaler Briefe? Verschlusssache. Die Post räumt ein: Aktivitäten weisen wir nicht nach einzelnen Funktionalitäten aus.
Ausblick auf digitale Gesundheitsdienste und eVoting
Positiv auf das Segment wirkten sich zuletzt die gestiegene Nutzung der digitalen Angebote sowie die Expansion des eVoting-Systems aus, welches im Berichtszeitraum von vier weiteren Kantonen genutzt wurde.