Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinn von 126 Millionen Franken erzielt und damit den Vorjahreswert von 48 Millionen mehr als verdoppelt. Treiber sind wachsender Personenverkehr (+4,0%), ein positives Immobilienergebnis und ein deutlich besserer Güterverkehr.
Im ersten Halbjahr 2026 verzeichneten die SBB einen Reingewinn von 126 Millionen Franken, wie das Unternehmen am Mittwochmorgen mitteilte. Maßgeblich für diesen Anstieg im Vergleich zu den 48 Millionen Franken der Vorjahresperiode waren eine gestiegene Nachfrage im Personenverkehr, ein positives Immobilienergebnis sowie ein deutlich besserer Güterverkehr.
Steigende Passagierzahlen und Pünktlichkeitswerte
Täglich waren im ersten Halbjahr durchschnittlich 1,45 Millionen Reisende in SBB-Zügen unterwegs – 4,0 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch international nahm die Nachfrage zu: 6,02 Millionen Reisende bedeuten ein Plus von 1,3 Prozent. Die Kundenzufriedenheit stieg leicht von 79,9 auf 80,1 Punkte – dank stabilerer Betriebsabläufe, besserer Informationen bei Störungen und zusätzlicher Sitzplätze auf stark nachgefragten Verbindungen.
SBB verdoppelt Halbjahresgewinn auf 126 Millionen Franken
Das Sicherheitsniveau habe trotz Aggressionen, Gewalt und Cyberbedrohungen gehalten werden können, schreiben die SBB. Schwere Unfälle und ein tödlicher Arbeitsunfall hätten dem Unternehmen aber vor Augen geführt, dass die Sicherheit höchste Priorität behalten müsse. Die SBB verstärken nun Prävention, Schulungen und technische Schutzsysteme.
Bei der Pünktlichkeit verzeichneten die SBB hohe Werte, auch wenn das Niveau leicht sank. Genau 94,1 Prozent der Züge waren pünktlich, 0,4 Prozentpunkte weniger als im ersten Halbjahr 2025. Technische Störungen, das Wetter und Verspätungen im grenzüberschreitenden Verkehr wirkten sich negativ aus.
Finanzielle Lage und das Ziel von 500 Millionen Franken Gewinn
Trotz des Gewinns bleibt die finanzielle Lage angespannt. Um die Erneuerung großer Flotten und den absehbaren Angebotsausbau zu finanzieren, brauchen die SBB nach eigenen Angaben mittelfristig einen Gewinn von rund 500 Millionen Franken pro Jahr – langfristig noch mehr. Nur so lasse sich die Verschuldung stabilisieren.
Vor gut 100 Tagen hat André Wyss das Präsidium des SBB-Verwaltungsrats von Monika Ribar übernommen. Am Mittwoch trat er im Rahmen der Halbjahresbilanz zum ersten Mal vor den Medien auf, in der SBB-Werkstätte in Zürich-Altstetten. Er wolle dafür sorgen, dass die Bahn auch noch in 20 Jahren das Rückgrat einer nachhaltigen Mobilität sei, sagte Wyss. Der SBB-Präsident André Wyss leitete zuvor den Baukonzern Implenia.
SBB-Verwaltungsrat Wyss plant 500 Millionen Franken Gewinn bis 2030
Erste Priorität hat für den Präsidenten, die hohe Verlässlichkeit der SBB zu sichern. «Entscheidend ist, dass wir diese Stärke langfristig sichern», sagt er. Konkret heißt das: Der Erhalt der bestehenden Infrastruktur hat Vorrang vor dem Ausbau. Ausgebaut werden soll dort, wo der Nutzen am grössten ist – auch mit Blick auf die Vernehmlassung zum Bahnausbau «Verkehr 45». Einen weiteren Fokus legt Wyss auf die Finanzen. Nur eine finanzierbare Bahn sei nachhaltig, sagte er. Die SBB beklagen seit Jahren eine ungenügende Ertragskraft, um die anstehenden Investitionen in neues Rollmaterial zu stemmen und die hohe Schuldenlast abzutragen. Bis zum Jahr 2030 sei ein Jahresgewinn von 500 Millionen Franken erforderlich, langfristig gar noch mehr, machte Wyss klar. Erreichen will er dies, indem er die Produktivität und die Erträge erhöht sowie das Kostenwachstum bremst. Das Ziel von 500 Millionen Franken bezeichnete Wyss als erreichbar.

Entwicklung im Güterverkehr und Debatte um «Verkehr ’45»
Beim Güterverkehr zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Neben höheren Preisen und eigenen Anstrengungen der SBB ist das Inlandsergebnis im Güterverkehr, das erstmals seit Jahren wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erzielte, den Fördergeldern für den Wagenladungsverkehr zu verdanken, die der Bund neu ausgezahlt hat. Die Probleme im Güterverkehr bleiben jedoch groß. SBB Cargo International konnte zwar zulegen, unter anderem mit neuen Zügen des kombinierten Verkehrs von und nach Frankreich. Im Inland sind die transportierten Mengen aber rückläufig. Bei Teilen der Kundschaft wächst die Unzufriedenheit. Die Zukunft des Güterverkehrs bemesse sich nicht allein an der Erfolgsrechnung von SBB Cargo, teilte der Verband der Verladenden Wirtschaft (VAP) mit. Die Attraktivität habe spürbar gelitten. Als Ursachen nennt der VAP den Abbau von Bedienpunkten, reduzierte Rangierleistungen, teils massive höhere Preise und eine geringere Kundenorientierung.

Vage äusserte sich der frühere Implenia-Chef Wyss zum weiteren Bahnausbau, der sich ebenfalls auf den Geschäftsgang der SBB auswirkt. Ein beträchtliches Potenzial sieht er in der optimierten Nutzung der bestehenden Infrastruktur, etwa durch die Digitalisierung der Stellwerke. Der Ausbau bleibe angesichts der steigenden Nachfrage wichtig, müsse sich jedoch am Kundennutzen orientieren. Der Bund und das Parlament müssten entscheiden, wie der Bahnausbau auszugestalten sei. Die SBB würden sich in der Vernehmlassung zu «Verkehr ’45» einbringen und Empfehlungen abgeben, aber nicht entscheiden. Die Vorlage «Verkehr ’45», die zahlreiche Ausbauprojekte bis zum Jahr 2045 umfasst, ist bis im Oktober in der Vernehmlassung. Der Bundesrat sieht mehrere neue unterirdische Strecken und Bahnhöfe vor, die teilweise etappiert über mehrere Jahrzehnte realisiert werden sollen.
Der frühere Bahnchef Benedikt Weibel kritisierte die Zurückhaltung der SBB wiederholt. Diese müssten die Notbremse ziehen und dem Bund und der Politik klarmachen, dass das Verhältnis zwischen Ausbau und Unterhalt nicht mehr stimme, sagte er der NZZ. Der amtierende SBB-Chef Vincent Ducrot, der im kommenden Jahr in Pension geht, verwies demgegenüber auf die veränderten Spielregeln. Seit der Schaffung des Bahninfrastrukturfonds im Jahr 2014 bestimme das Parlament über den Ausbau.
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