Während junge Erwachsene in Südkorea eine Renaissance traditioneller Saunen als Orte des digitalen Detox und der sozialen Begegnung erleben, raten Physiologen gegen eiskalte Duschen zur nächtlichen Abkühlung. Laut Experten ist eine lauwarme Dusche effektiver, da sie die Blutzirkulation zur Haut ermöglicht und so die Wärmeabgabe optimiert.
Die Suche nach der idealen Abkühlung bei sommerlicher Hitze führt oft zu instinktiven, aber physiologisch problematischen Entscheidungen. Ein gängiger Glaube ist, dass eine eiskalte Dusche vor dem Schlafengehen den schnellsten Weg zur Erfrischung bietet. Die Realität sieht laut Experten anders aus.
Warum lauwarme Duschen effektiver kühlen als eiskaltes Wasser
Ein Schock durch extrem kaltes Wasser kann den Körper in einen Alarmzustand versetzen. Mike Tipton, Professor für menschliche und angewandte Physiologie an der University of Portsmouth, erklärt, dass eine eiskalte Dusche die Produktion von Adrenalin und Cortisol auslöst.
Neben der hormonellen Reaktion beeinflusst die Temperatur die Durchblutung. Bei Hitze weiten sich die Blutgefäße nahe der Haut, wodurch warmes Blut an die Oberfläche gelangt und Wärme an die Luft abgegeben wird. Sehr kaltes Wasser bewirkt das Gegenteil: Der Körper verringert die Zirkulation und schließt den Blutfluss zur Haut ab, um die Kerntemperatur zu schützen. Dadurch wird die Hitze im Körperinneren gefangen.
Für eine effektive Abkühlung vor dem Zubettgehen ist eine lauwarme Dusche am wirkungsvollsten. Diese erlaubt es dem Blut, weiterhin zur Haut zu fließen, wo die Wärme sanft abgegeben werden kann. Während eine eiskalte Dusche Temperaturen unter 10 Grad Celsius aufweist, liegt die ideale Temperatur für die Abkühlung wahrscheinlich im Bereich von mittleren bis hohen 20 Grad Celsius.
Es gibt jedoch eine medizinische Ausnahme: Bei einem schweren Hitzschlag, wenn die Zirkulation bereits zusammengebrochen ist, ist das Eintauchen in sehr kaltes Wasser die beste Methode, um die Hitze aus dem Körper zu bekommen.
Die Sauna-Renaissance unter jungen Erwachsenen in Seoul
Während die Wissenschaft über die richtige Dusche streitet, erleben traditionelle koreanische Badehäuser, sogenannte Jjimjilbangs, einen kulturellen Aufschwung. In Seoul hat sich die Demografie der Besucher deutlich verschoben. In einem Kohle-gefeuerten Jjimjilbang im Bezirk Seodaemun waren am 21. Juli von 36 anwesenden Gästen 21 junge Erwachsene in ihren 20ern und 30ern, berichtet koreatimes.co.kr.
„We used to see maybe one or two young customers out of ten, but these days it’s closer to eight.“
Kim Geum-sook, snack bar employee at a jjimjilbang in Seodaemun District, Seoul
Dieser Trend verwandelt die einst als altmodisch geltenden Saunen in modische soziale Räume und Wellness-Zentren. Die Entwicklung wird massiv durch soziale Medien befeuert, wo Influencer ihre Besuche dokumentieren. Dies hat zu neuen Trends geführt, wie etwa What’s in my sauna bag
-Videos auf YouTube, in denen spezifische Hautpflegeprodukte und Erholungswerkzeuge präsentiert werden. Auch personalisierte Saunahüte und Badetaschen gewinnen an Popularität.
Digital Detox und die Suche nach neuen kulturellen Erfahrungen
Der Boom ist teilweise auf eine generationelle Lücke zurückzuführen. Viele junge Erwachsene sind nicht mit dem traditionellen Wochenendbesuch im Badehaus aufgewachsen. Für sie ist der Besuch daher kein nostalgisches Ritual, sondern eine völlig neue Erfahrung mit einem coolen Retro-Vibe, wie die 31-jährige Park So-yeon gegenüber dem Medium beschreibt.

Neben dem Erlebniswert bietet die Sauna eine physische Barriere zur ständigen digitalen Erreichbarkeit. Da Mobiltelefone in der extremen Hitze vieler Saunagebäude nicht verwendet werden können, nutzen junge Menschen die Jjimjilbangs gezielt für einen digitalen Detox. Das Instagram-Konto @godoghan_sauner, das etwa 120.000 Follower hat, beschreibt die Sauna nicht mehr nur als Ort zum Baden, sondern als Raum für die Erholung, in dem Menschen bewusst ihre Smartphones weglegen.
Die Nutzungsmuster haben sich zudem diversifiziert.
- Premium-Solo-Saunareisen.
- Privatzimmer für traditionelle koreanische Körperpeelings.
- Organisierte Gruppenbesuche, etwa durch Laufclubs, die ihre Trainingseinheiten mit gemeinsamen Saunasitzungen zur Regeneration abschließen.
Diese Entwicklung in Korea spiegelt einen internationalen Trend wider. Laut Berichten von Bloomberg gibt es auch in den Vereinigten Staaten eine neue Sauna-Welle, bei der stilvolle, gemeinschaftsorientierte Badehäuser als Alternativen zu Cafés, Bars oder Clubs dienen.
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