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Sport

Infantino kandidiert erneut für FIFA-Präsidentschaft

FIFA hat am Sonntag bestätigt, dass Gianni Infantino im März 2027 für eine vierte Amtszeit als Weltverbandspräsident kandidieren wird. Der 56-Jährige steht nach gescheiterten Plänen zum Verkauf von WM-Rechten massiv in der Kritik, während die UEFA in Berlin über einen Gegenkandidaten berät.

Gianni Infantino bestätigt vierte Kandidatur für die FIFA-Präsidentschaft im März 2027

Gianni Infantino strebt eine vierte Amtszeit als Präsident des Weltverbandes an. Der 56-Jährige wird im März 2027 bei der Neuwahl in Rabat, Marokko, für eine vierte Amtszeit kandidieren, wie die FIFA am Sonntag offiziell bestätigte. Ein Sprecher erklärte dazu: Of course, nothing has changed. Mr. Infantino will be standing for re-election.

Die offizielle Bestätigung folgt auf wochenlange Spekulationen über die Zukunft des Weltverbandschefs. Bislang haben sich noch keine offiziellen Herausforderer für den Wahltermin gemeldet. Alle Kandidaten müssen ihre Bewerbung bis zum 18. November einreichen und die Unterstützung von mindestens fünf FIFA-Mitgliedsverbänden nachweisen, um gegen den amtierenden Präsidenten anzutreten, der eine Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände benötigt.

Infantino kandidiert erneut für FIFA-Präsidentschaft
Foto: WELT

UEFA sucht in Berlin nach einem Gegenkandidaten für den FIFA-Gipfel

Europas Fußball-Dachverband drängt auf einen Machtwechsel an der Spitze des Weltverbandes und tagt am 8. und 9. Oktober im Berliner Hotel „The Ritz-Carlton“, um einen gemeinsamen Gegenkandidaten zu bestimmen. Zu den deutschen Teilnehmern des UEFA-Gipfels gehören DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Generalsekretär Holger Blask sowie DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke als Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees, wie aus Berichten hervorgeht.”

Die europäischen Verbände planen nach Informationen aus UEFA-Kreisen ein taktisches Vorgehen. Der Name des Herausforderers soll voraussichtlich erst Ende Oktober und damit rund drei Wochen vor Ablauf der FIFA-Bewerbungsfrist präsentiert werden. Damit will die UEFA verhindern, dass das Lager um Infantino den Gegenkandidaten vorzeitig unter Druck setzt oder diskreditiert.

Victor Montagliani als möglicher Herausforderer und die internen Zweifel der Verbände

Als aussichtsreicher Gegenkandidat wird in den Medien der kanadische CONCACAF-Präsident Victor Montagliani gehandelt. Der 61-Jährige leitet den Verband für Nord-, Mittelamerika und die Karibik und gilt innerhalb der Koalition aus UEFA und asiatischer AFC als kleinster gemeinsamer Nenner. Gleichzeitig ist Montagliani nicht unumstritten, da er wegen seines Umgangs mit einem vergangenem Missbrauchsfall im kanadischen Mädchenfußball in die Kritik geraten war.

Auch die Haltung der europäischen Ligen und Verbände ist nicht mehr einheitlich. Nachdem der Schweizerische Fussballverband (SFV) im Juni seine Unterstützung zunächst erklärt hatte, zog der Zentralvorstand des SFV am 25. September 2026 den Rückhalt für Infantinos Kandidatur zurück. SFV-Präsident Peter Knäbel begründete den Schritt mit offenen Fragen zu Führung, Transparenz und Entscheidungsprozessen bei der FIFA, insbesondere im Zusammenhang mit dem umstrittenen Projekt FIFA Forward Enterprise.

Gianni Infantino bietet Reformen an und kontert die Kritik mit einem Dialogvorstoß

Auslöser der aktuellen Krise war Infantinos im Juli vorgestellt FIFA Forward Enterprise-Plan, der den Verkauf von bis zu 20 Prozent der Anteile an künftigen Weltmeisterschaften an Investoren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar vorsah. Nach heftiger Kritik von UEFA, CONCACAF und der asiatischen Konföderation sowie juristischen Schritten der UEFA vor einem US-Gericht in New York hat Infantino seine Kommunikationsstrategie geändert.

Gianni Infantino schlägt im FIFA-Machtkampf milde Töne an. Seine Gegner bringt er damit in Zugzwang. Doch wie glaubwürdig
Foto: watson.ch

In einem Brief an die Präsidenten aller 211 nationalen Verbände bot der FIFA-Chef Gespräche über eine Reform der Führungsstrukturen an. Darin kündigte er an, eine externe Kommission zur Überprüfung großer Projekte einzusetzen. Dennoch fordern einflussreiche europäische Ligen wie die Premier League, La Liga, die Serie A und die Bundesliga umfassende Veränderungen, während Verbände aus Afrika, Asien und Südamerika Infantino weiterhin unterstützen.

Die europäischen Topligen schlossen sich in dieser Auseinandersetzung eng zusammen. Die Ligabosse Marc Lenz für Deutschland, Javier Tebas für Spanien, Luigi De Siervo für Italien und Richard Masters für England unterzeichneten einen gemeinsamen, zweiseitigen Brief, in dem sie das grundlegende Führungsproblem des Weltverbandes scharf kritisierten. Darin betonten sie, dass nicht nur über den künftigen Präsidenten, sondern vor allem über die zukünftigen Entscheidungsstrukturen innerhalb der FIFA entschieden werden müsse.

Infantino kandidiert erneut für FIFA-Präsidentschaft
Foto: srf.ch

Ein weiterer in Medienberichten genannter potenzieller Herausforderer ist Scheich Salman aus Bahrain. Der 60-jährige FIFA-Vizepräsident war jedoch bereits bei der Wahl im Jahr 2016 gegen Infantino unterlegen. Zudem sorgt der wachsende Einfluss arabischer Funktionäre im internationalen Fußball in UEFA-Kreisen für anhaltendes Misstrauen, was durch die Vergabe der Weltmeisterschaften nach Katar und Saudi-Arabien zusätzlich verstärkt wurde.

Inmitten dieser Kontroversen reiste Infantino nach Polen, wo er unter anderem die Partien der U-20-Frauen-Weltmeisterschaft in Katowice verfolgte. Dort hielt er sich bei Terminen vor Medienvertretern zurück und vermied zunächst eine direkte Konfrontation zu den laufenden Vorwürfen.

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Felix Neumann

Über den Autor

Felix Neumann leitet das Sportressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Fussball, internationale Turniere und Leistungssport und verbindet Ergebnisberichterstattung mit analytischem Hintergrund.

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