FIFA-Präsident Gianni Infantino zeigt sich nach starker Kritik offen für eine drastische Erhöhung der Finanzhilfen aus den Rücklagen des Weltverbandes für die 211 Mitgliedsverbände. In einem Schreiben an die sechs Konföderationen reagierte er auf Forderungen von UEFA und CONCACAF, legte sich in der Summe jedoch noch nicht fest.
Der Druck auf den Schweizer an der Spitze des internationalen Fußballs wächst spürbar. Nachdem UEFA und CONCACAF im Vorfeld eine deutliche Aufstockung der Zahlungen aus den FIFA-Reserven gefordert hatten, signalisiert Gianni Infantino nun Verhandlungsbereitschaft über zusätzliche Finanzmittel für die nationalen Verbände. In einem am Montag an die sechs kontinentalen Konföderationen versandten Brief kündigte der Verbandschef an, er unterstütze
„the greatest level of additional funding that can responsibly be delivered“ Gianni Infantino, FIFA president
, wie die BBC aus dem Dokument berichtet.
Millionenforderungen von UEFA und CONCACAF treffen auf FIFA-Rücklagen
Ausgangspunkt der aktuellen Debatte sind finanzielle Forderungen der europäischen Dachorganisation UEFA sowie des nord- und mittelamerikanischen sowie karibischen Verbandes CONCACAF. Beide Zusammenschlüsse hatten verlangt, dass die FIFA jedem ihrer 211 Mitgliedsverbände zehn Millionen US-Dollar aus ihren umfangreichen Finanzpolstern auszahlt. Die Rücklagen des in der Schweiz ansässigen und als gemeinnützig organisierten Weltverbandes werden von den Verbänden auf mindestens fünf Milliarden US-Dollar geschätzt, wobei Schätzungen der UEFA-Führung sogar von bis zu sechs Milliarden ausgehen.
Infantino vermied es in seinem Schreiben allerdings, sich unmittelbar auf diese konkrete Summe festzulegen.
„I will not prejudge the amount,“ Gianni Infantino, FIFA president
schrieb der FIFA-Präsident laut den Berichten.
„A single figure can begin the discussion, but it cannot complete a global policy.“ Gianni Infantino, FIFA president
Das gescheiterte Investorenprojekt als Auslöser des Machtkampfs
Der Vorstoß der Konföderationen fällt in eine ohnehin spannungsreiche Phase für den Weltfußball. Monate voller Kontroversen folgten auf Infantinos mittlerweile eingestelltes Vorhaben, private Investoren an der Weltmeisterschaft und anderen Turnieren zu beteiligen. Dieses sogenannte FIFA Forward Enterprise-Modell hatte heftigen Widerstand und Rücktrittsforderungen ausgelöst.
In seinem aktuellen Brief verteidigte der Schweizer das zurückgezogene Geschäftsmodell dennoch als rein förderorientierte Initiative. Das Projekt sei
„intended to enable FIFA to invest more in football – not to replace support that could responsibly be provided from existing resources,“ Gianni Infantino, FIFA president
so Infantino in dem Schreiben an die Konföderationspräsidenten, das auch der Nachrichtenagentur Reuters vorlag.
„The recent commercial proposal, now withdrawn, was intended to enable Fifa to invest more in football,“
Gianni Infantino, FIFA president
Die Kritik an dem Alleingang war indes gravierend. So forderte die britische Fußballverbandsvorsitzende und FIFA-Vizepräsidentin Debbie Hewitt die Offenlegung sämtlicher Dokumente zu dem umstrittenen Plan sowie eine unabhängige Untersuchung. Zudem plant die UEFA laut Medienberichten ein Strafverfahren wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung gegen den FIFA-Präsidenten, wie unter anderem das ZDF meldet.
Der Weg zum FIFA-Rat und die bevorstehende Präsidentenwahl im März 2027
Wie USA TODAY Sports berichtet, forderten unter anderem auch die Chefs der asiatischen und ozeanischen Konföderationen in separaten Schreiben konstruktive Lösungen. Infantino bat die Führungspersonen nun darum, ihre Vorhaben zu bündeln und an FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström zu übermitteln.
Über das weitere Vorgehen und die konkrete Höhe der künftigen Auszahlungen im Zyklus von 2027 bis 2030 entscheidet schlussendlich der FIFA-Rat. Das Gremium, dem neben den sechs Konföderationspräsidenten 29 weitere Mitglieder angehören, kommt am 15. Oktober in der Schweiz zusammen. Bis zu diesem Treffen und den anschließenden formalen Genehmigungen gilt keine der im Raum stehenden Summen als verbindliche Zusage an die Verbände.
Für Infantino, der den Weltverband seit Februar 2016 lenkt, steht im März 2027 die nächste Wiederwahl an. Die Frist für Gegenkandidaten, die die Unterstützung von mindestens fünf Mitgliedsverbänden nachweisen müssen, läuft bis zum 18. November. Bislang hat sich noch kein offizieller Herausforderer für das Amt gemeldet.
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