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Gesundheit

Ozempic und Wegovy: Wenn Abnehmspritzen bei Patienten versagen

Während GLP-1-Präparate wie Ozempic und Wegovy weltweit als Durchbruch gefeiert werden, schlagen Ärzte und Betroffene Alarm für eine übersehene Gruppe: Bis zu ein Drittel der Patienten verliert kaum Gewicht. Forscher und Pharmaunternehmen reagieren mit strengeren Klagen gegen den Schwarzmarkt und neuen Wirkstoffen.

Die Euphorie um GLP-1-Medikamente wie Ozempic, Wegovy, Mounjaro und Zepbound ist kaum zu übersehen. Klinische Studien zeigen regelmäßig, dass Teilnehmer rund 15 bis 20 Prozent ihres Körpergewichts verlieren können, während die Forschung parallel positive Effekte auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Entzündungsprozesse untersucht. Doch hinter den Erfolgsgeschichten, die von Prominenten und Medien verbreitet werden, verbirgt sich eine ernüchternde Realität für eine beträchtliche Minderheit von Patienten.

Wenn GLP-1-Injektionen bei Adipositas versagen

Je nach Wirkstoff und Dosierung sprechen zwischen 9 Prozent und einem Drittel der Teilnehmer in klinischen Studien schwach auf die Therapien an und verzeichnen weniger als 5 Prozent Gewichtsverlust. Sie schilderte ihre Erfahrungen und erklärte, abgesehen davon, dass es nicht funktioniere und so teuer sei, sei es eine maßlose Untertreibung zu sagen, dass es dem Selbstwertgefühl schwer zusetze.

Experten betonen, dass Betroffene kein Versagen vorwerfen werden darf. Prof. Alexander Miras, ein Experte für Adipositas an der Ulster University, stellte klar, dass die Medikamente schlicht wirkungslos bleiben, wenn sie den Appetit und die Nahrungsaufnahme eines Individuums nicht drosseln.

Unvorhergesehene Vorteile und Risiken im Stoffwechsel

Parallel zu den Herausforderungen bei Nicht-Ansprechern beleuchten Langzeitbeobachtungen an Forschungszentren neue Facetten der Wirkstoffklasse. Dr. Steven Heymsfield, Professor am Pennington Biomedical Research Center und Leiter des dortigen Stoffwechsellabors, begleitet die Erforschung dieser Substanzen seit 15 Jahren. Gegenüber wafb.com erklärte er, dass neben erwarteten kardiovaskulären Schutzfaktoren auch überraschende Effekte auftreten.

Ozempic und Wegovy: Wenn Abnehmspritzen bei Patienten versagen
Photo: cbsnews.com

So berichten Patienten unerwartet über ein nachlassendes Verlangen nach Alkohol und eine Linderung von Arthrose-Schmerzen, die in einigen Fällen Kniegelenksoperationen ersparen. Auf der Schattenseite warnen Mediziner vor Vitaminmängeln durch unzureichende Nahrungsaufnahme – darunter Skorbid-Fälle – sowie vor dem Verlust von Muskel- und Knochenmasse. Wenn Patienten den Genuss am Essen komplett verlieren, sprechen Forscher von Hedonie-Verlust, was viele Betroffene zum Abbruch der Therapie bewegt.

Eli Lillys juristischer Feldzug gegen den Retatrutid-Schwarzmarkt

Während die etablierten Medikamente regulär vermarktet werden, sorgt ein experimenteller Nachfolgewirkstoff für erhebliche Sicherheitsrisiken auf einem boomenden Schwarzmarkt. Eli Lilly kündigte rechtliche Schritte an und verklagte sechs Unternehmen, die Versionen des noch in klinischen Studien befindlichen Wirkstoffs Retatrutide unautorisiert im Internet, über Telemedizin-Anbieter oder in Med-Spas vertreiben. Das berichtete cbsnews.com.

Ozempic und Wegovy: Wenn Abnehmspritzen bei Patienten versagen
Photo: wafb.com

Betroffen von den Klagen sind unter anderem Online-Händler wie Astra Peptides, Legendary Peptides, Texas Peptides und Lone Star Peptide, die das Präparat als vermeintliche Forschungsreagenz ohne Rezept anbieten, sowie die kalifornische Schönheitsklinik Aesthetic Envy und die Apotheke Striker Pharmacy. Max Denning, Associate Vice President bei Eli Lilly, nannte den illegalen Handel ein globales Riesenproblem. In den Klageschriften warnt der Konzern vor gesundheitlichen Gefahren durch verunreinigte Substanzen und davor, dass Konsumenten gesundheitliche Rückschläge irrtümlich auf legitime Medikamente projizieren. Retatrutid, das in klinischen Studien Gewichtsverluste von bis zu 30 Prozent erzielte, befindet sich aktuell in Phase-3-Studien; eine Zulassung wird für das Jahr 2027 angestrebt.

Schnittstellen zur Suchttherapie und künftige Forschungsansätze

Die Beeinflussung des dopaminergen Belohnungssystems im Gehirn durch GLP-1-Rezeptoragonisten und andere Gewichtsverlustmedikamente öffnet neue Wege in der Suchtforschung. Wie Forscher erwägen, erforschen Wissenschaftler den Einsatz dieser Substanzen zur Dämpfung von Alkoholverlangen bei Betroffenen mit Alkoholkonsumstörungen. Da Nahrungsaufnahme und Substanzkonsum über ähnliche neuronale Schaltkreise gesteuert werden, könnten verbesserte Impulskontrolle und geringere Dopamin-Spitzen künftig kombiniert behandelt werden.

Ozempic und Wegovy: Für wen eignet sich die Abnehmspritze? | Frag dich fit mit Doc Esser und Anne

Dennoch mahnen Fachleute zur Vorsicht: Die Medikamente ersetzen keine Verhaltenstherapie und bergen bei unüberlegter Anwendung erhebliche gastrointestinale Nebenwirkungen.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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