Im Aargauer Kunsthaus in Aarau wird die Ausstellung «Künstliche Kreativität» präsentiert, die bis zum 10. Januar 2027 zu sehen ist. Vierzehn Kunstschaffende untersuchen in dieser Schau, wie künstliche Intelligenz (KI) kreative Prozesse verändert und welche Rolle die menschliche Autorschaft spielt, wenn Maschinen an Texten, Bildern oder Entscheidungen beteiligt sind.
Interaktive Installationen und hybride Werke
Die Ausstellung setzt verstärkt auf interaktive Konzepte, um die Verteilung von Handlungsmacht zwischen Mensch und Technik erfahrbar zu machen. Ein zentrales Exponat ist das Echtzeitvideo «Neural Fiction» des Künstlers Niculin Barandun. Besuchende erkennen sich darin selbst wieder, während sie in fantastischen Welten verschiedene Gestalten annehmen, etwa als Eichhörnchen oder Ureinwohner, oder das Geschlecht wechseln.
Weitere Arbeiten verdeutlichen den Einsatz verschiedener KI-Technologien:

- Alfatih: Ein nostalgischer Kinderwagen, der durch die Räume geschoben werden kann; ein integrierter Bildschirm generiert darin eine fiktive Biografie.
- Monica Studer und Christoph van den Berg: Die VR-Animation «HALLUC» (2023-2026).
- Simone C Niquille: Die 3D-Animation «The Image Stack: training cycle» (2026), die mit maschinellem Lernen arbeitet.
- Onome Ekeh: Das 18-teilige, ASCII-generierte Bild auf Aluminium mit dem Titel «Glittering Witness» (2024).
- Theresa Reiwer: Die Mehrkanal-Videoinstallation «Lasting Generation» (2024), entstanden in Zusammenarbeit mit David Egger.
Die Aushandlung von Kontrolle und Verantwortung
Die Kuratorin und Direktorin des Aargauer Kunsthauses, Katharina Ammann, vergleicht den Einfluss der KI auf die Kunst mit dem der Fotografie im 19. Jahrhundert und bezeichnet sie als nachhaltige Veränderung. Laut Ammann dient die Ausstellung dazu, die Frage nach der gewünschten Zukunft auszuhandeln, ohne fertige Antworten zu liefern.
Ein Beispiel für die Steuerung durch den Menschen ist die Installation «Digital Fragments» von Robi Voigt. Der Künstler speiste die KI mit Hunderten von Werken aus dem Aargauer Kunsthaus, woraus die Maschine neue Bilder und synthetische Sounds generierte. Obwohl Voigt die Endprodukte nicht vorhersagen kann, prägte er den Prozess durch die Bestimmung des Ausgangsmaterials und die Vorgaben.
Im Gegensatz dazu steht das von Mario Klingemann entwickelte System Botto, das seit 2021 eigenständig Bilder produziert und im Internet veröffentlicht, wobei eine menschliche Community die Bewertung übernimmt. Dies unterstreicht die These, dass das menschliche Urteil und der «Geschmack» – wie auch OpenAI-Mitgründer Greg Brockman bezeichnete – zu einer Kernkompetenz werden, je mehr KI-Inhalte produziert werden.
Wahrnehmung, Halluzinationen und Ethik
Die Schau thematisiert die besondere Überzeugungskraft KI-generierter Inhalte, die oft glaubwürdig wirken, selbst wenn ihre Herkunft nicht überprüfbar ist. Wenn Systeme trotz fehlender Daten weiterrechnen, entstehen sogenannte Halluzinationen – plausible, aber unbegründete Fortsetzungen. In der Ausstellung werden diese nicht als Fehler, sondern als künstlerisch produktive Störungen präsentiert.
Die Ausstellung ist zudem durch drei Leitfragen strukturiert:
- Wie wird KI Teil künstlerischer Prozesse?
- Wie verändern KI-generierte Inhalte unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit?
- Was verändert sich, wenn KI räumlich, körperlich und sozial erfahrbar wird?
Abschließend betont die Ausstellung, dass KI weder Absichten noch Verständnis oder Verantwortung besitzt. Diese Verantwortung verbleibt laut ch-cultura bei den Menschen und Institutionen, die diese Systeme entwickeln, einsetzen und bewerten. Besuchende können im Kunsthaus mittels Steinen in «Ja-» oder «Nein-Boxen» abstimmen, ob KI ihrer Meinung nach die menschliche Denkfähigkeit einschränkt.
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