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Technik und Wissenschaft

Omega-3 fish oil shows promise against type 2 diabetes

Eine brasilianische Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nutrients, zeigt, dass Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl die Insulinresistenz und Glukoseintoleranz bei nicht-adipösen Ratten mit Typ-2-Diabetes reduzieren können. Die Forschung konzentriert sich auf eine oft übersehene Patientengruppe, da etwa 10 bis 20 Prozent der Betroffenen weltweit nicht übergewichtig sind.

Die medizinische Lehrmeinung verknüpft Typ-2-Diabetes fast untrennbar mit Adipositas. Doch für den beachtlichen Teil der Patienten, bei denen das Körpergewicht keine primäre Rolle spielt, scheinen die biologischen Ursachen der Insulinresistenz anders zu funktionieren. Hier setzt die aktuelle Forschung an, die versucht, die Entzündungsprozesse im Körper als Hebel zu nutzen, um den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren.

Die Rolle von Omega-3 bei nicht-adipösem Diabetes

Die Rolle von Omega-3 bei nicht-adipösem Diabetes
cluster (priority): bbc.com
Im Zentrum der Untersuchung standen sogenannte Goto-Kakizaki (GK)-Ratten, ein etabliertes Tiermodell für Typ-2-Diabetes ohne Adipositas. Die Forscher verabreichten den Tieren über einen Zeitraum von acht Wochen dreimal wöchentlich eine Dosis von zwei Gramm Fischöl pro Kilogramm Körpergewicht. Diese Mischung enthielt 540 mg/g Eicosapentaensäure (EPA) und 100 mg/g Docosahexaensäure (DHA). Die Ergebnisse waren deutlich: Die behandelten Tiere wiesen am Ende des Experiments eine geringere Insulinresistenz und eine bessere Blutzuckerkontrolle auf. Parallel dazu sanken die Entzündungsmarker und die Lipidwerte verbesserten sich, insbesondere beim Gesamtcholesterin und den Triglyceriden sowie beim LDL-Cholesterin, oft als „schlechtes Cholesterin“ bezeichnet. Diese Daten legen nahe, dass Omega-3-Fettsäuren nicht nur bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen helfen, sondern spezifisch dort ansetzen können, wo Insulin nicht mehr effektiv arbeitet, um Glukose aus dem Blut in die Zellen zu transportieren.

Modulation der Immunzellen als Wirkmechanismus

Modulation der Immunzellen als Wirkmechanismus
cluster (priority): atchesofswitzerland.com
Der entscheidende Durchbruch der Studie liegt in der Identifikation des Mechanismus. Es geht nicht bloß um die Zufuhr von Fettsäuren, sondern um die gezielte Beeinflussung des Immunsystems. Die Forscher beobachteten eine Verschiebung bei den Lymphozyten – den weißen Blutkörperchen, die die adaptive Immunantwort steuern. „Wir haben festgestellt, dass die Insulinresistenz bei diesen Tieren reduziert werden kann, indem die Entzündungsreaktion so moduliert wird, dass sich das Profil der Abwehrzellen [Lymphozyten] von einem pro-inflammatorischen Zustand in einen anti-inflammatorischen Zustand ändert. Dieser Prozess entspricht der Reaktion adipöser Personen mit Insulinresistenz auf eine Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren.“ Rui Curi, Direktor des Education Center des Butantan Institute und Koordinator der Studie Diese Erkenntnis ist deshalb so relevant, weil sie eine Brücke schlägt: Die entzündungshemmende Wirkung von Omega-3 scheint unabhängig vom Körpergewicht zu funktionieren. Wenn die Lymphozyten ihren Zustand ändern, breitet sich dieser Effekt im gesamten Immunsystem aus und beeinflusst andere Zellen, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind, was letztlich die Insulinempfindlichkeit erhöht.

Widersprüchliche Daten zwischen Ratten und Menschen

I Took Omega-3 Fish Oil for 30 Days. Here's What Happened.
Trotz der vielversprechenden präklinischen Ergebnisse bleibt die Übertragbarkeit auf den Menschen komplex. Die wissenschaftliche Literatur ist hier gespalten. Während die aktuelle Studie Hoffnung macht, berichten andere Analysen von einer inkonsistenten Wirkung. Ein Blick in die Datenbank von PMC offenbart beispielsweise, dass bereits 2011 eine Studie von Saidpour et al. positive Effekte von Fisch- und Olivenöl auf die Insulinresistenz bei Ratten zeigte. Bei Menschen ist das Bild jedoch weitaus diffuser. Eine über 12 Jahre dauernde Kohortenstudie deutete sogar auf eine positive Assoziation zwischen marinen Omega-3-Fettsäuren und der Inzidenz von Typ-2-Diabetes bei Frauen hin, während bei Männern ein gegenteiliger, vorteilhafter Zusammenhang beobachtet wurde. Diese Diskrepanzen könnten verschiedene Ursachen haben:
  • Kontaminationen: Schadstoffe in marinen Lebensmitteln könnten die positiven Effekte der Fettsäuren überlagern.
  • Oxidation: Omega-3 ist anfällig für Oxidation; die Zufuhr von Antioxidantien könnte daher die Wirkung beeinflussen.
  • Quelle der Fettsäuren: Es gibt einen Unterschied zwischen marinen Quellen (EPA/DHA) und pflanzlichen Quellen wie Alpha-Linolensäure (ALA). In einer asiatischen Kohorte wurde beispielsweise ein signifikanter inverser Zusammenhang zwischen der Aufnahme von nicht-marinen Omega-3-Fettsäuren und der Diabetes-Inzidenz festgestellt.

Supplemente versus Ernährung: Die Debatte um den Nutzen

Supplemente versus Ernährung: Die Debatte um den Nutzen
cluster (priority): omegawatches.com
Die Frage ist nicht nur, ob Omega-3 wirkt, sondern in welcher Form. Während die brasilianische Studie auf hochdosierte Supplemente setzte, warnen Experten vor einer zu starken Fokussierung auf Pillen. Wie die BBC berichtet, wird die Wirksamkeit von Fischöl-Kapseln bei Typ-2-Diabetes kritisch hinterfragt. Douglas Twenefour, stellvertretender Leiter der Pflege bei Diabetes UK, betont, dass die allgemeine Ernährung eine weitaus wichtigere Rolle spielt als einzelne Supplemente. „Eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung ist unglaublich wichtig, und wir wissen, dass bestimmte Lebensmittel – darunter Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Joghurt und Käse – dazu beitragen können, Ihr Risiko für Typ-2-Diabetes zu senken.“ Douglas Twenefour, Diabetes UK Die Diskrepanz zwischen den Laborergebnissen an GK-Ratten und den klinischen Beobachtungen beim Menschen unterstreicht ein Kernproblem der Ernährungsforschung: Die isolierte Gabe eines Wirkstoffs (wie EPA oder DHA) im Labor ignoriert die synergistischen Effekte einer komplexen Ernährung. Für die Zukunft bedeutet dies, dass Omega-3-Fettsäuren zwar ein mächtiges Werkzeug zur Bekämpfung von Entzündungen darstellen, ihr voller Nutzen jedoch vermutlich erst in Kombination mit einer Ernährungsumstellung und einer Berücksichtigung individueller Faktoren – wie Geschlecht und genetischer Prädisposition – greifbar wird. Die Forschung muss nun klären, ob die in der brasilianischen Studie beobachtete Lymphozyten-Modulation auch in humanen Studien bei nicht-adipösen Patienten reproduziert werden kann.
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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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