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Welt

Ölpreis steigt wegen Nahost-Eskalation auf höchsten Stand seit Mai

Angriffe auf wichtige Schifffahrtsrouten im Nahen Osten und neue Eskalationen im Konflikt zwischen den USA und dem Iran haben den Ölpreis am Freitag auf den höchsten Stand seit Mai getrieben. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich auf 108,68 US-Dollar, während Sorge vor Lieferengpässen die Märkte weltweit belastet.

Die Nervosität an den internationalen Rohstoffmärkten hat am Freitag einen neuen Höhepunkt erreicht. Gleichzeitig kletterte der Preis für US-Leichtöl WTI ebenfalls um ein Prozent auf 103,45 US-Dollar pro Barrel. Beide wichtigen Sorten steuern damit auf einen beachtlichen Wochengewinn von fast 13 Prozent zu. Erstmals seit Mitte Mai durchbrachen sie damit wieder die psychologisch bedeutsame Marke von 100 Dollar pro Fass.

Hintergrund der massiven Preisaufschläge ist eine spürbare Zuspitzung der Lage auf den zentralen Transportadern des Welthandels. Berichte über weitere militärische Eskalationen am Persischen Golf befeuern die Furcht vor dauerhaften Lieferunterbrechungen. Bereits am Morgen hatte der Ölpreis die Marke von 100 Dollar übersprungen, wobei die erneute Eskalation im Krieg zwischen den USA und dem Iran rund um die Straße von Hormus die Haupttreiber bildet.

Militärische Schläge in der Straße von Hormus und im Roten Meer

Die Transportwege für Energieprodukte stehen im Zentrum des Konflikts. Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen übernahmen die Kontrolle über den jemenitischen Hafen Mokka, was den Schiffsverkehr im Roten Meer massiv gefährdet. Parallel dazu nehmen die Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus zu. Die britische Behörde für die Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) meldete, dass in der Meerenge erneut Schiffe attackiert wurden.

Ölpreis steigt wegen Nahost-Eskalation auf höchsten Stand seit Mai
Photo: tagesschau.de

Die militärische Gewalt griff unmittelbar auf die maritime Infrastruktur über. Das US-Militär zerstörte nach eigenen Angaben fünf iranische Rohöltanker als Vergeltung für Angriffe auf ein US-Kriegsschiff und versenkte einen davon. Die iranischen Revolutionsgarden reagierten umgehend mit massiven Gegenmaßnahmen. Nach eigenen Angaben führten sie schwere Raketenangriffe auf das mit den USA verbündete Königreich Jordanien aus, wo die dortige Armee nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Petra rund 20 ballistische Raketen abfing.

US-Präsident Donald Trump warnte zudem, die Vereinigten Staaten könnten die iranische Berganlage Pickaxe ins Visier nehmen, die in unmittelbarer Nähe zur schwer beschädigten Urananreicherungsanlage Natans liegt. Gleichzeitig machte er deutlich, dass der Konflikt voraussichtlich erst nach den US-Zwischenwahlen im November enden werde.

Belastung für Verbraucher und drastisch steigende Dieselpreise in den USA

Die Auswirkungen der hohen Rohölnotierungen schlagen unmittelbar auf die US-Verbraucher durch. Der landesweite Durchschnittspreis für Diesel durchbrach laut dem Preisbeobachter GasBuddy erstmals die Marke von sechs Dollar pro Gallone, was etwa 1,36 Euro pro Liter entspricht. Damit liegt der Dieselpreis um rund 2,30 Dollar höher als im Vorjahr. Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA befinden sich die Dieselbestände rund 13 Prozent unter ihrem Fünf-Jahres-Durchschnitt.

Ölpreis steigt wegen Nahost-Eskalation auf höchsten Stand seit Mai
Photo: DIE ZEIT

Analysten sehen für die Märkte wenig Spielraum nach unten. Tony Sycamore, Marktanalyst beim Broker IG, hält einen erneuten Anstieg auf den WTI-Höchststand von 119,48 Dollar aus dem frühen März für immer wahrscheinlicher. Unterdessen hat die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) ihre Prognose für das globale Nachfragewachstum nach Rohöl im laufenden Jahr nach unten korrigiert. Dennoch bleibt die physische Nachfrage robust: China hat seine Käufe von Öl aus dem Nahen Osten nach einer Phase des Abbaus nationaler Reserven wieder deutlich hochgefahren.

Inflationsgefahren und Bankenprognosen für den globalen Energiemarkt

Die sprunghaft gestiegenen Energiekosten lassen auch die Sorgen vor einer hartnäckigen Inflation an den Finanzmärkten zurückkehren. Da Rohöl als zentraler Kostenfaktor für die gesamte Wirtschaft wirkt, warnen Experten vor weitreichenden Folgen. Ein Preis von 100 Dollar für Brent sollte nicht nur als psychologischer Meilenstein betrachtet werden. Dies ist ein Warnsignal für die gesamte Wirtschaft, erklärte Priyanka Sachdeva, leitende Marktanalystin bei Phillip Nova, im Handelsverlauf.

Ölpreis steigt wegen Nahost-Eskalation auf höchsten Stand seit Mai
Photo: BILD

Mehrere große Bankhäuser, darunter Goldman Sachs, die Bank of America und HSBC, haben ihre Preisprognosen für Rohöl in den vergangenen Tagen nach oben angepasst.

Ob die diplomatischen und militärischen Spannungen im Nahen Osten eine Entspannung erfahren, bleibt angesichts ausbleibender politischer Lösungen ungewiss. Die Märkte richten ihren Blick nun auf die kommenden Seeverkehre durch die Straße von Hormus und die weitere Entwicklung der Bestände in den verbraucherintensiven Industrienationen.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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