Der Internationale Skiverband FIS hat bei seinem Herbstmeeting in Genf ein strukturelles Millionendefizit von rund 20 Millionen Euro jährlich eingeräumt. Zwischen 2021 und 2025 sank das Eigenkapital des Weltverbandes unter Ex-Präsident Johan Eliasch um fast die Hälfte auf 43 Millionen Franken, was die neue Führung unter Alexander Ospelt zum sofortigen Handeln zwingt.
Die Bilanzen des Internationalen Ski- und Snowboard-Verbandes offenbaren tiefe finanzielle Probleme. Während der Verband nach den am Donnerstag präsentierten Zahlen des Weltverbands in Genf weiterhin schuldenfrei und zahlungsfähig bleibt, beschreiben Verantwortliche die Entwicklung der vergangenen Jahre als unnachhaltig. Ein strukturelles Defizit von rund 20 Millionen Euro pro Jahr belastet den Haushalt nach Angaben aus dem Bericht von BR24Sport massiv.
Die Herbsttagung des Ski-Weltverbandes steht unter dem Motto „Ein Meilenstein für Zusammenarbeit und Transparenz. Die Veranstaltung beschäftigt sich nun intensiv mit der drastischen Lage, nachdem sie sich bisher eher mit verschiedenen Regel-Details und letzten Kalender-Abstimmungen beschäftigt hat.
Einbruch des Eigenkapitals um fast 50 Prozent
Der dramatische Rückgang der Rücklagen prägte das Herbstmeeting in Genf. Zwischen 2021 und 2025 schrumpfte das Eigenkapital der FIS von 81 Millionen Schweizer Franken auf 43 Millionen Franken. Das entspricht einem Minus von 47 Prozent, wie der Kassa-Sturz des neuen Präsidenten belegt.

Verantwortlich dafür sind laut Analysen mehrere Faktoren. Gleichzeitig weiteten sich die Ausschüttungen an die nationalen Skiverbände zwischen 2021 und 2025 um 69 Prozent von 12,8 auf 21,6 Millionen Schweizer Franken jährlich aus. Auch kommerzielle Entscheidungen der vergangenen fünf Jahre erwiesen sich als nicht zielführend, während die unabhängige Prüfung erhebliche Schwächen im strategischen Management aufzeigte.
Reaktionen der nationalen Verbände und das Ultimatum bis 2028
Vertreter der nationalen Verbände reagierten alarmiert auf die Bilanzvorlage. Stefan Schwarzbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Skiverbandes, fand deutliche Worte für die Hinterlassenschaft der vergangenen Jahre und sprach von einem hinterlassenen Scherbenhaufen.
Da reicht die kleine Kehrschaufel nicht, da brauchen wir schon die große Schneeschaufel und da müssen alle anpacken.
Stefan Schwarzbach, DSV-Vorstandsmitglied
Wenn die FIS jetzt nicht den Turnaround schafft und nicht sofort entsprechende Gegenmaßnahmen einleitet, wären spätestens in der Saison 2028/29 die Reserven aufgebraucht.
Stefan Schwarzbach, DSV-Vorstandsmitglied
Ähnlich besorgt äußerte sich der seit Anfang September amtierende ÖSV-Generalsekretär Jan Überall. Er bezeichnete die finanzielle Lage als durchaus besorgniserregend und verwies darauf, dass man bereits seit 2024 auf die negativen Entwicklungen hingewiesen habe. Zugleich bescheinigte er der neuen Führung unter Alexander Ospelt, den Ernst der Lage erkannt zu haben und transparent zu agieren.
Streit um Weltmeisterschaftspläne und personeller Kurswechsel
Präsident Alexander Ospelt, der sich im Juni in Belgrad mit 65 zu 64 Stimmen gegen den bisherigen Amtsinhaber Johan Eliasch durchgesetzt hatte, kündigte drastische Schritte an. Um die Finanzdisziplin wiederherzustellen, plant die Führung unter anderem deutlich reduzierte Personal- und Verwaltungskosten. Strategische Fehlentscheidungen der Ära Eliasch sollen korrigiert werden.
Um zusätzliche Einnahmen zu generieren, hatte Ospelt zuvor jährliche Weltmeisterschaften ins Gespräch gebracht. Der Schweizer Marco Odermatt kritisierte die Pläne scharf und äußerte: „Ich finde es einen Scheiß. So wird der Wert einer WM minimiert.
Das FIS-Council zog daraufhin Konsequenzen und verwarf die konkrete Idee einer Weltmeisterschaft im Jahr 2028, wie Radio Central berichtete. An dem Konzept eines zusätzlichen Großereignisses ab dem Jahr 2032 hält der Verband dagegen fest.
Wildcard für Marcel Hirscher beschlossen
Neben den Sanierungsmaßnahmen beschloss das Council in Genf auch sportrechtliche Anpassungen. So erhielt der für die Niederlande startende Marcel Hirscher die Zusage für eine Wildcard für ein mögliches Weltcup-Comeback, wodurch der Salzburger mit der Startnummer 31 antreten könnte.
Gemeinsam mit dem als Generalsekretär zurückgekehrten Urs Lehmann legt Neo-Präsident Ospelt die weiteren Pläne für die kommenden Jahre vor, um den Verband durch diese kritische Phase zu steuern.