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Technik und Wissenschaft

Neue Mächte der Energiewende: Deutschland zögert, Vietnam und Thailand ziehen vorbei

Vietnam und Thailand haben ihre Kapazitäten an erneuerbaren Energien zwischen 2024 und 2026 schneller ausgebaut als Deutschland, so ein Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA). Während die deutsche Energiewende an bürokratischen Hürden beim Netzausbau scheitert, setzen die südostasiatischen Staaten auf beschleunigte Genehmigungsverfahren für Solar- und Windparks.

Vietnams Expansion durch den PDP8-Plan

Vietnam hat die Umsetzung seines Power Development Plan 8 (PDP8) beschleunigt, um die Abhängigkeit von Kohlekraftwerken zu reduzieren. Laut IEA-Daten aus dem Jahr 2025 konzentriert sich das Land massiv auf den Ausbau von Offshore-Windenergie und Photovoltaik. Die vietnamesische Regierung hat die Genehmigungszeiten für Großprojekte im Vergleich zum europäischen Durchschnitt drastisch verkürzt.

Ein zentraler Faktor ist die strategische Partnerschaft mit internationalen Investoren, die Kapital für die Modernisierung des Stromnetzes bereitstellen. Während Vietnam früher mit Netzengpässen kämpfte, wurden durch gezielte Investitionen in die Übertragungsleitungen neue Kapazitäten in den südlichen Provinzen erschlossen.

Die Geschwindigkeit, mit der Vietnam Solarkapazitäten installiert, übertrifft die meisten OECD-Staaten, da politische Prioritäten direkt in bauliche Maßnahmen übersetzt werden.
IEA-Energieanalyst

Thailands Fokus auf Solarenergie und Biomasse

Thailand verfolgt mit seinem Alternative Energy Development Plan (AEDP) einen anderen Weg als Deutschland. Das Land setzt verstärkt auf eine Mischung aus schwimmenden Solarparks und der Nutzung landwirtschaftlicher Abfälle für die Biomasse.

Laut dem thailändischen Energieministerium wurden bis Anfang 2026 mehrere Hybrid-Kraftwerke in Betrieb genommen, die Wasserkraft und Solarenergie kombinieren. Diese Anlagen nutzen bestehende Staudämme, um ohne zusätzlichen Flächenverbrauch Strom zu erzeugen. Thailand nutzt zudem steuerliche Anreize für Unternehmen, die ihre Produktion auf grüne Energie umstellen, was zu einem rapiden Anstieg von privaten Solaranlagen auf Industriedächern führte.

Deutsche Verzögerungen beim Netzausbau

Neue Mächte der Energiewende: Deutschland zögert, Vietnam und Thailand ziehen vorbei | Maria Past…

In Deutschland blockieren langwierige Planungsverfahren und rechtliche Anfechtungen den Ausbau der Stromnetze. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) verfolgt zwar das Ziel, bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch zu erreichen, doch die physische Infrastruktur hinkt hinterher.

Der Netzentwicklungsplan (NEP) sieht den Bau großer Gleichstromleitungen vor, um Windstrom aus dem Norden in die Industriezentren des Südens zu transportieren. Diese Projekte leiden jedoch unter lokalen Protesten und einer komplexen Genehmigungsstruktur.

Die Kosten für den Netzausbau sind laut Branchenberichten gestiegen, während die Fertigstellung wichtiger Trassen mehrfach verschoben wurde. Dies führt dazu, dass Windkraftanlagen in einigen Regionen abgeschaltet werden müssen, weil das Netz die produzierte Energie nicht aufnehmen kann.

Vergleich der Umsetzungsgeschwindigkeiten

Vergleich der Umsetzungsgeschwindigkeiten

Der Kontrast zwischen den drei Nationen zeigt eine Verschiebung der Dynamik in der globalen Energiewende. Während Deutschland technologisch führend war, haben Vietnam und Thailand das Konzept des „Leapfrogging“ angewandt. Sie überspringen veraltete Infrastrukturstufen und setzen direkt auf moderne, dezentrale Energielösungen.

Ein Vergleich der Genehmigungsdauer verdeutlicht die Differenz: In Vietnam dauert die Genehmigung eines Solarparks oft nur einen Bruchteil der Zeit, die für ein vergleichbares Projekt in Deutschland erforderlich ist. In Deutschland müssen oft dutzende Einzelbehörden und Umweltgutachten abgefragt werden, bevor der erste Spatenstich erfolgt.

Deutschland besitzt die Technologie und das Kapital, aber die administrative Trägheit verhindert die notwendige Geschwindigkeit. Vietnam und Thailand hingegen priorisieren die physische Umsetzung vor der bürokratischen Perfektion.
Energieökonom, Analysebericht 2025

Trotz des schnellen Wachstums stehen Vietnam und Thailand vor anderen Herausforderungen als Deutschland. Die Finanzierung der Projekte erfolgt oft über ausländische Kredite, was die nationale Verschuldung erhöht. Zudem ist die Qualität der Netzintegration in Vietnam teilweise geringer als in Europa, was zu kurzzeitigen Instabilitäten führen kann.

Thailand hingegen ist stark von der Stabilität seiner Agrarmärkte abhängig, um die Biomasse-Versorgung für seine Kraftwerke sicherzustellen. Eine schlechte Ernteperiode kann hier direkt die Energieproduktion beeinflussen.

Die globale Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der grünen Energie hängt zunehmend von der Fähigkeit ab, Infrastruktur schnell zu skalieren. Deutschland versucht derzeit, durch das beschleunigte Genehmigungsverfahren für erneuerbare Energien gegenzusteuern. Ob diese gesetzlichen Anpassungen ausreichen, um den Anschluss an die Wachstumsraten in Asien wiederzufinden, bleibt unklar.

Vietnam plant, bis 2030 seine Kapazitäten an Offshore-Windkraft massiv auszuweiten, um nicht nur den Eigenbedarf zu decken, sondern auch Strom nach Kambodscha und Laos zu exportieren. Thailand zielt darauf ab, zum regionalen Zentrum für Elektrofahrzeuge und die dazugehörige Ladeinfrastruktur zu werden.

Die Entwicklung zeigt, dass die Energiewende nicht mehr nur eine Frage der technologischen Innovation ist, sondern primär eine Frage der administrativen Effizienz und der politischen Durchsetzungskraft.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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