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Technik und Wissenschaft

Waldbrand in Gironde löst gefährliche Pyrocumulonimbus-Gewitter aus

Ein massives Waldfeuer in Südwestfrankreich hat ein seltenes Wetterphänomen namens Pyrocumulonimbus ausgelöst, das eigene Gewitter und Blitze erzeugte. Das Feuer in der Region Gironde zwang etwa 220.000 Menschen zur Evakuierung und zerstörte über 240 Häuser, wobei die selbstgenerierten Stürme die Brandbekämpfung massiv erschwerten.

Das Inferno begann am 22. Juli in der Nähe von Saumos und breitete sich rasch über mehr als 420 Quadratkilometer Wald und Buschland aus. Zwei Tage nach dem Ausbruch meldete der örtliche Feuerwehr- und Rettungsdienst, dass das Feuer eine eigene Gewitterwolke gebildet hatte. Diese Pyrocumulonimbus-Wolke (pyroCb) war so energiereich, dass sie Blitze produzierte, die wiederum neue Brandherde außerhalb des ursprünglichen Feuers entzündeten.

Die Mechanik des Pyrocumulonimbus: Wenn Feuer das Wetter steuert

Ein Pyrocumulonimbus ist keine bloße Nebenwirkung eines Brandes, sondern ein aktives Wettersystem. Die extreme Hitze des Feuers lässt Luft, Rauch, Asche und Wasserdampf rapide in die Atmosphäre aufsteigen. Wenn diese Luft in höheren Schichten abkühlt, kondensiert der Wasserdampf. Bei instabilen atmosphärischen Bedingungen wächst daraus eine gewaltige Gewitterwolke, die vom Feuer selbst mit Energie gespeist wird.

Stellen Sie sich ein Lagerfeuer vor, das so groß und heiß ist, dass der aufsteigende Rauch zu einer sturmartigen Wolke wird. Das ist ein pyroCb – eine Gewitterwolke, die aus der intensiven Hitze entsteht, die ein Waldbrand erzeugt. Theodore M. Giannaros, Feuer-Meteorologe am Nationalen Observatorium von Athen

Über der Gefriergrenze kollidieren Eiskristalle, wodurch elektrische Ladungen getrennt werden – genau wie bei einem gewöhnlichen Gewitter. Das Ergebnis sind Blitze und heftige, unvorhersehbare Winde. Diese Luftströmungen können Glutnester in alle Richtungen schleudern und die Flammenfronten plötzlich teilen oder in neue Richtungen lenken.

Gefahren für Einsatzkräfte und die Feedback-Schleife

Für die Feuerwehr bedeutet die Entstehung einer pyroCb, dass die Situation unberechenbar wird. Fluchtwege können sich ohne Vorwarnung schließen, wenn neue Brände hinter den Einsatzteams ausbrechen. In extremen Fällen können solche Systeme Feuerwirbel erzeugen. Giannaros vergleicht diese mit Staubteufeln, nur dass sie aus Feuer und Hitze statt aus Staub bestehen.

Die Gefahr besteht vor allem darin, dass sich das Feuer schneller bewegt, als Evakuierungen organisiert werden können. Es entsteht eine gefährliche Wechselwirkung zwischen dem Brand und seiner Wolke.

Es ist eine Feedback-Schleife, kein Einweg-Effekt. Sobald sie sich bildet, wird die Wolke zu ihrem eigenen Wettersystem, das über dem Feuer sitzt und es schwerer vorhersagbar macht. Theodore M. Giannaros, Feuer-Meteorologe am Nationalen Observatorium von Athen

Europäische Ausbreitung und klimatische Treiber

Bisher waren Pyrocumulonimbus-Wolken primär ein Phänomen in Nordamerika und Australien. In Europa gelten sie als selten; Portugal verzeichnete eine solche Wolke während der tödlichen Feuersaison 2017. Frankreich ist nun ebenfalls auf dieser Liste. Die Intensität nimmt zu: Allein Kanada verzeichnete im Jahr 2023 einen Rekord von 142 solcher Ereignisse.

Ein wesentlicher Treiber ist die Erwärmung des europäischen Kontinents, die laut dem Copernicus Climate Change Service der EU und der Weltorganisation für Meteorologie seit den 1980er Jahren etwa doppelt so schnell erfolgt wie der globale Durchschnitt. Heißere und trockenere Bedingungen bereiten die Wälder als Brennstoff vor und erhöhen die Wahrscheinlichkeit für extreme Brände, die solche Wolken bilden können. Um diese Trends wissenschaftlich zu belegen, versucht das europäische Forschungsprojekt ROSETTA, die derzeit noch fehlenden Langzeitdaten zu sammeln.

Die Rolle der Siedlungsstruktur: Das Problem der WUI

Neben den atmosphärischen Faktoren verschärft die menschliche Siedlungsplanung die Katastrophen. Experten sprechen hierbei von der wildland-urban interface (WUI) – der Schnittstelle zwischen Wildnis und urbanen Räumen. In diesen Zonen treffen Wohngebiete direkt auf brandgefährdete Naturflächen.

A pyrocumulonimbus, a giant cloud created by a large wildfire is seen in the Fontainebleau forest region, about 60
Photo: apnews.com

Zwischen 2001 und 2011 wurden in den USA schätzungsweise 85 Prozent der Waldbrände durch Menschen verursacht.

  • Höhere Kosten: Es gibt eine positive Korrelation zwischen den Ausgaben für die Brandbekämpfung und dem Vorhandensein von Wohngebäuden und Privatgrundstücken.
  • Erhöhtes Risiko: Die Notwendigkeit, Menschenleben und Eigentum zu schützen, zwingt Einsatzkräfte oft zu riskanteren Manövern.
  • Zusätzlicher Brennstoff: Holzhäuser und nicht-einheimische Landschaftsbau-Bepflanzungen dienen als zusätzliche Brandbeschleuniger.

In den USA beispielsweise stieg die Fläche, die als WUI klassifiziert wird, zwischen 1990 und 2000 um 18 Prozent an. Ein Demograf der Oregon State University bezeichnete diese Entwicklung bereits 2008 als wicked problem – ein komplexes, schwer lösbares Problem, da die Zersiedelung nicht nur die Verwundbarkeit gegenüber Feuern erhöht, sondern durch energieintensive Lebensstile auch den Klimawandel befeuert, der die Brände erst ermöglicht.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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