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Welt

Netanyahu-Lager führt bei Israel-Wahl, verfehlt aber Mehrheit

Nach Auszählung von rund 78 Prozent der Stimmen bei der israelischen Parlamentswahl vom 27. Oktober 2026 führt das Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu mit 54 bis 55 Sitzen, während die Opposition unter Gadi Eisenkot auf 49 Sitze kommt. Beide Blöcke verfehlen eine absolute Mehrheit, während die arabischen Parteien mit 18 bis 19 Sitzen ein historisches Ergebnis erzielen.

Die israelische Parlamentswahl hat am Mittwoch, den 28. Oktober 2026, nach Angaben der Zentralen Wahlkommission (CEC) ein unklares Ergebnis geliefert. Nach Auszählung von mehr als vier Millionen Stimmen – was einer Wahlbeteiligung von knapp 78 Prozent und damit dem höchsten Wert seit 1999 entspricht – zeichnet sich eine politische Pattsituation ab.

Das Lager des amtierenden Premierministers Benjamin Netanyahu liegt nach Angaben von Reuters mit rund 54 bis 55 Sitzen in der Knesset vorn. Die oppositionellen Parteien unter der Führung von Gadi Eisenkot kommen auf 49 Mandate. Da für eine Regierungsbildung im 120-Sitze-Parlament eine absolute Mehrheit von 61 Sitzen erforderlich ist, steht dem Land eine schwierige Phase von Koalitionsverhandlungen oder womöglich eine Neuwahl bevor.

Netanyahu Leads Eisenkot With Over Half Israel Votes Counted

Netanyahus Lager sichert sich Rückhalt bei israelischen Juden

Trotz der jahrelangen Krisen seit den Angriffen vom 7. Oktober 2023 konnte Ministerpräsident Netanyahu eine überraschend klare Mehrheit unter den israelischen Wählern jüdischer Herkunft hinter sich versammeln. Beobachter werten dies als Beleg für eine langfristige Verschiebung der politischen Landschaft nach rechts. Netanyahus Likud-Partei wird voraussichtlich 27 Sitze in der kommenden Knesset einnehmen, während Partner wie United Torah Judaism, Shas und Otzma Yehudit jeweils sieben Sitze sowie die Religiöse Zionistische Partei sechs Sitze erringen dürften.

Unmittelbar nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse rief Netanyahu in einer Ansprache im Jerusalemer Likud-Wahlkampfzentrum zur Bildung einer einen starken rechten Regierungs auf. Unterstützung erhielt er auch international: Der ehemalige US-Präsident Donald Trump erklärte in Texas, dass seine Wahlempfehlung für den israelischen Regierungschef maßgeblich zum Abschneiden beigetragen habe. Die politische Unsicherheit hinterließ unterdessen Spuren an den Finanzmärkten.

Netanyahu-Lager führt bei Israel-Wahl, verfehlt aber Mehrheit
Foto: The Jerusalem Post

Eisenkot fordert Netanyahus Rücktritt und warnt vor politischer Einflussnahme

Die Opposition bewertet das Votum diametral. Gadi Eisenkot, der ehemalige Generalstabschef und Vorsitzende der Yashar-Partei, erklärte noch in der Wahlnacht den Ausgang als massiven Vertrauensverlust für den amtierenden Regierungschef.

Die ersten Ergebnisse der Nachwahlbefragungen zeigen ein völliges Vertrauensaufschieben gegenüber Netanyahu und seiner Regierung vom 7. Oktober.

Gadi Eisenkot, Yashar-Parteichef, via CNBC

Eisenkot rief Netanyahu zum Rückzug aus der aktiven Politik auf und warnte die Spitzen des Sicherheitsapparates und der Zivilverwaltung eindringlich davor, sich politischem Druck zu beugen. In scharfen Worten appellierte er an die Sicherheitskräfte: Netanyahu, wagen Sie es nicht, Israels Sicherheit für Ihre politischen Bedürfnisse zu missbrauchen. Die Oppositionskoalition, bestehend aus Yashar, B’Yachad, Yisrael Beytenu und den Demokraten, kommt nach aktuellen Auszählungsdaten auf 49 Sitze.

Israel Wahlen: Netanyahu liegt vorne, erreicht aber keine Mehrheit

Historischer Stimmzuwachs der arabischen Parteien als Zünglein an der Waage

Ein entscheidender Faktor des Wahlabends ist das starke Abschneiden der arabisch-geprägten Listen, die im Parlament auf 18 bis 19 Sitze kommen. Die Parteien Joint List und Ra’am verzeichneten durch eine massiv gestiegene Wahlbeteiligung deutliche Zuwächse in der arabischen Bevölkerung, die rund 21 Prozent der israelischen Staatsbürger ausmacht.

Der Vorsitzende des linken Bündnisses Demokraten, Yair Golan, betonte, dass eine oppositionelle Mehrheit unter Einbeziehung dieser Fraktionen rein rechnerisch bei 65 Sitzen liege. Auch der Vorsitzende der Joint List, Yousef Jabareen, bot eine Zusammenarbeit an, um die bisherige Regierung abzulösen.

WAHL IN ISRAEL: Netanjahu muss um Mehrheit kämpfen! Experte erklärt! Neuwahlen seien denkbar

Wir sind bereit, den Weg für die Ablösung der Regierung von Netanyahu, Ben-Gvir und Smotrich zu ebnen — und sie nach Hause zu schicken.

Dennoch bleibt umstritten, ob eine Regierungsbildung mit Unterstützung der arabischen Parteien realisierbar ist. Jüdische Parteien auf der rechten Seite schließen eine solche Koalition strikt aus, und auch innerhalb des Oppositionslagers gibt es Vorbehalte gegen eine direkte parlamentarische Kooperation mit der Joint List.

Netanyahu-Lager führt bei Israel-Wahl, verfehlt aber Mehrheit
Foto: haaretz.com

Langanhaltende Koalitionsverhandlungen zeichnen sich ab

Mit den bisher vorliegenden Daten aus fast 78 Prozent der ausgezählten Stimmen steht Israel vor wochenlangen Verhandlungen. Während Netanyahu als geschäftsführender Premierminister im Amt bleibt, um seine politische Zukunft zu verteidigen, sehen Analysten angesichts der tiefen Gräben im Parlament auch die Möglichkeit erneuter Wahlen als realstes Szenario, sollten die Koalitionsgespräche scheitern.

LIVE Israel Election 2026 Verdict: Netanyahu Leads With 54 Seats, Vote Count Continues | Eisenkot
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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