Nach der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober 2026 steht das Land vor einer politischen Blockade. Erste Wählernachbefragungen zeigen keine klare Mehrheit für das Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu oder die Opposition um den früheren Generalstabschef Gadi Eisenkot.
Die Abstimmung gilt als die erste nationale Parlamentswahl seit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023. Sie wurde im ganzen Land als offenes Votum über die langjährige Amtsführung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verstanden.
Ergebnisse der Nachbefragungen und das Lagerpatt im Parlament
Die am späten Abend veröffentlichten Nachbefragungen großer israelischer Fernsehsender zeichnen ein unentschiedenes Bild. Weder das rechte Lager um den amtierenden Regierungschef noch das Oppositionsbündnis konnten die für eine parlamentarische Mehrheit notwendigen 61 Sitze in der Knesset erringen. Berichten zufolge kommt Netanjahus Block auf etwa 50 bis 51 Sitze, während die Opposition unter Führung von Gadi Eisenkot 52 bis 53 beziehungsweise rund 51 Mandate verbuchen konnte.
Eine entscheidende Rolle könnten arabisch geführte Parteien einnehmen, die in den Prognosen 17 bis 18 Sitze errangen. Eine Regierungsbildung gilt damit als äußerst schwierig. Beide großen Lager hatten Koalitionen mit diesen Parteien in der Vergangenheit strikt abgelehnt. Die endgültigen Ergebnisse werden in den kommenden Tagen erwartet und können von den aktuellen Prognosen abweichen.
Reaktionen aus den Lagern von Netanjahu und Eisenkot
Die politischen Reaktionen auf die ersten Zahlen fielen unterschiedlich aus. Anhänger der Opposition feierten an den Parteizentralen, während Unterstützer rechtsextremer Parteien Enttäuschung zeigten. Gadi Eisenkot interpretierte das Ergebnis als klaren Vertrauensentzug für den amtierenden Regierungschef und kündigte an, eine Regierung bilden zu wollen.
Die Leute haben sich für den Wandel entschieden.
Gadi Eisenkot, ehemaliger Militärchef und Oppositionsführer
Eisenkot warnte Netanjahu zudem davor, die Sicherheit des Landes für politische Eigeninteressen zu instrumentalisieren. Der Oppositionsführer bezog sich dabei auf Berichte über mögliche Überlegungen der Regierung zu einem militärischen Vorkommen gegen den Iran kurz vor der Wahl. Das Team um Ministerpräsident Netanjahu trat zunächst nicht mit einer öffentlichen Erklärung an die Öffentlichkeit, während einige Anhänger an der Parteizentrale laut Plakate und den Namen des Regierungschefs skandierten.

Hintergrund der Blockade und der Weg zur Regierungsbildung
Die politische Landschaft Israels ist durch jahrelange Gräben tief gespalten. Zwischen April 2019 und November 2022 hielt das Land bereits fünf Wahlen ab, weil stabile Koalitionen ausblieben. Staatspräsident Isaac Herzog wird nun die Aufgabe übernehmen, denjenigen Parteiführer mit der Regierungsbildung zu beauftragen, der die besten Aussichten auf eine Mehrheit hat.
Sollte keine Einigung gelingen, drohen dem Land im kommenden Jahr Neuwahlen. Neben den innenpolitischen Kontroversen ist Israel international mit zunehmender Kritik an seinem Vorgehen in Gaza und dem Westjordanland konfrontiert, während gleichzeitig die Spannungen mit dem Iran ungelöst bleiben.
Während der Auszählung hielten sieben oder ehemalige Geiseln eine Gedenkminute ab. Anwesende äußerten sich mahnend, man solle der Stimmen gedenken, die für immer verstummt seien, wie Yona Adam betonte, deren Tochter Mapal Adam getötet wurde. Israel sieht sich wegen seines Vorgehens im Gazastreifen und im Westjordanland einer zunehmenden internationalen Isolation ausgesetzt.
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