Vor der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober 2026 zeigen aktuelle Umfragen ein äußerst knappes Rennen zwischen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seinem wichtigsten Herausforderer Gadi Eisenkot. Während das Lager des früheren Generalstabschefs in verschiedenen Erhebungen leicht führt, bleibt eine Regierungsbildung für beide Seiten mathematisch eine große Herausforderung.
Die Knesset-Wahl rückt näher, und das politische Klima in Israel ist von tiefer Erschöpfung sowie scharfen Auseinandersetzungen geprägt. Aktuelle Wahlumfragen von Kan 11, Channel 12 und Channel 13 zeichnen das Bild eines knappen Rennens. In den Umfragen liegt Gadi Eisenkots Partei Yashar hauchdünn vor Netanjahus Likud. Doch in Israel entscheiden Blöcke, nicht Parteien, und zwischen den Blöcken herrscht Gleichstand. Netanyahu und die Parteien, die ihn stützen, kommen auf 52 der 120 Sitze in der Knesset, während Eisenkots Lager ebenfalls diesen Wert erreicht, während es für eine Regierung 61 Sitze braucht.
Die Nachricht von der Reise des Ministerpräsidenten kommt zudem kurz nachdem Donald Trump den israelischen Ministerpräsidenten öffentlich unterstützt hat. Umfragen zufolge dürfte Netanjahus religiös-nationalistische Koalition ihre Regierungsmehrheit verlieren. Trumps Vizepräsident JD Vance teilt diese Haltung allerdings nicht. Das Land ist konservativer und religiöser geworden, und rund 640 000 Israelis im Alter von 18 bis 22 Jahren dürfen erstmals bei einer Knesset-Wahl ihre Stimme abgeben, wobei der beträchtliche Anteil religiöser und ultraorthodoxer Israelis unter ihnen eine allgemeine demografische Entwicklung widerspiegelt.
Gadi Eisenkot und das breite Bündnis als Antithese zu Netanjahu
Als aussichtsreichster Herausforderer hat sich Gadi Eisenkot etabliert. Nach dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 war er in eine Notstandsregierung eingetreten, verließ Gantz’ Partei jedoch ein Jahr später wieder.

Die Zeitung „Haaretz schrieb im Juli, Eisenkot sei „der Mann der Stunde. Die große Herausforderung besteht darin, das Land am Tag nach den Wahlen zu vereinen, wie Eisenkot in Givat Shmuel betonte.
Umfrageergebnisse und die Dilemmata der Regierungsbildung
Mathematisch steckt Eisenkot in einem Dilemma, das sich rechnerisch kaum auflösen lässt. Für eine Regierungsbildung braucht er auch Stimmen ausserhalb seines Anti-Netanyahu-Lagers, und obwohl die arabischen Parteien zwar bereitstünden, lassen Eisenkots wichtigste Verbündete das nicht zu. Keines der Bündnisse kann in den aktuellen Wahlumfragen bisher die erforderlichen 61 Sitze erreichen. Neben den Blöcken spielen die arabisch-israelischen Bürger als wichtige Wählergruppe eine Rolle, die die Regierungsbildung in Jerusalem maßgeblich beeinflussen können. Mehr als 1,1 Millionen arabisch-israelische Wähler stellen 17 Prozent des Elektorats dar, eine starke Gruppe in einem Verhältniswahlrecht, bei der bei der letzten Wahl allerdings fast die Hälfte zu Hause blieb.
Der Wahlkampf ist zudem geprägt von der Figur Netanjahu und der Frage, ob man für oder gegen ihn ist.
Regionale Implikationen und Netanjahus sicherheitspolitische Ziele
Ob Netanjahu verliert oder gewinnt, wird auch davon abhängen, wie viele im Ausland lebende Israelis zur Wahl einfliegen. Manche werfen ihre Arbeitsplanung um und durchqueren ganze Kontinente, nur um einen Stimmzettel in einen Umschlag zu stecken. Demokratie setzt unter Umständen also ein Flugticket voraus, während die Bürgerinnen und Bürger am 27. Oktober 2026 über die künftige Zusammensetzung des Parlaments entscheiden.

Der Wahlkampf verläuft derweil auf digitaler Ebene heftig. Das Projekt „Ze Be AI“ der Open University in Israel dokumentierte etwa 48.600 Posts in Zusammenhang mit den Wahlen, davon enthalten fast 15 Prozent KI-generierte Inhalte. Tehilla Shwartz Altshuler, Senior Fellow am Israel Democracy Institute, spricht in diesem Zusammenhang von „Deepfakes“ und „Slopaganda“ – einer Wortschöpfung aus Slop und Propaganda –, deren Zweck darin bestehe, „Polarisierung zu fördern, Konkurrenten zu verleumden und Desinformation zu verbreiten“. Netanjahu veröffentlichte im Rahmen des Wahlkampfs unter dem Titel „die Masken abnehmen“ ein Video, das seine politischen Konkurrenten Yair Lapid und Naftali Bennet von der Mitte-rechts-Partei B’Yachad zeigt. Eine Studie der Israel Internet Association zeigte zudem, dass 88 Prozent der Befragten grundsätzlich ChatGPT nutzen und ein Viertel in Erwägung zieht, ihre Wahlentscheidung mithilfe von KI-Programmen zu treffen. Ob sich die Wähler am Ende für den Kurs des amtierenden Premierministers oder für das Gegenmodell unter Gadi Eisenkot entscheiden, bleibt angesichts der Pattsituation in den Umfragen völlig offen.”””””
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