Die Zahl der störungsbedingten Verspätungsfälle bei der Deutschen Bahn ist 2026 um 40 Prozent gestiegen. Nach Angaben der Infrastrukturtochter DB InfraGO kämpft das Schienennetz weiterhin mit maroden Weichen, Oberleitungen und Stellwerken, die durch extreme Witterungsbedingungen im Winter und Sommer stark strapaziert wurden.
Vierzig Prozent mehr Verspätungsfälle durch marode Weichen und Stellwerke
Die Deutsche Bahn verzeichnet im laufenden Jahr einen massiven Anstieg von Verzögerungen, die direkt auf technische Mängel im Schienennetz zurückzuführen sind. Wie der Vorstandsvorsitzende der Infrastrukturtochter DB InfraGO, Philipp Nagl, gegenüber der Wochenzeitung Die Zeit
mitteilte, ist die Zahl der Verspätungsfälle, die mit gestörten Infrastrukturanlagen zusammenhängen, 2026 um 40 Prozent gestiegen.
Hauptursache für die anhaltenden Probleme sind veraltete technische Anlagen. Weichen, Oberleitungen und Stellwerke gehen nach Angaben des Unternehmens derzeit deutlich schneller kaputt, als sie repariert werden können (Spiegel berichtete). Der stark kalte Winter zu Jahresbeginn und der extrem heiße Sommer haben die sanierungsbedürftigen Anlagen besonders belastet.
Die Bahninfrastruktur leidet darunter, dass Schäden schneller entstehen, als Instandsetzungen durchgeführt werden können. Der Vorstandsvorsitzende der DB InfraGO erläuterte im Interview, dass extreme Temperaturen die Infrastruktur schädigen und zugleich rasche Reparaturarbeiten verhindern. Noch der frühere Bahnchef Richard Lutz hatte beim Start der ersten Maßnahmen im Jahr 2024 betont, dass sich die Pünktlichkeit mit jedem sanierten Korridor schrittweise verbessern sollte, während seither jedoch das Gegenteil eingetreten ist.
Das liegt an den vielen sanierungsbedürftigen Anlagen, die dieses Jahr im sehr kalten Winter und sehr heißen Sommer besonders strapaziert wurden. Extreme Temperaturen beschädigen die Infrastruktur und verhindern schnelle Reparaturen.
Kritik an Generalsanierungen und hoher Netzauslastung
Seit 2024 sperrt die Infrastrukturtochter DB InfraGO ganze Streckenabschnitte für mehrere Monate, um diese grundlegend zu erneuern. An diesem Konzept der Korridorsanierungen will das Management trotz wachsender Kritik festhalten (Tichyseinblick). Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hatte zuvor moniert, dass Züge auch im Anschluss an die aufwendigen Bauarbeiten weiterhin unpünktlich verkehren.

Zu den Verzögerungen auf der zuvor sanierten Verbindung zwischen Hamburg und Berlin erklärte Nagl, dass es Schwierigkeiten mit der Leit- und Sicherungstechnik gegeben habe, die zum Zeitpunkt der Wiedereröffnung noch nicht komplett im Betrieb gewesen sei. Dadurch musste der Fernverkehr an bestimmten Stellen mit verminderter Geschwindigkeit fahren. Weil Hochgeschwindigkeitszüge auf ein spezielles Zugsicherungssystem angewiesen sind, erfordert dessen Aktivierung eine erneute Abnahme der Strecke. Zwar hätte man diese Abnahmefahrten theoretisch in die Vollsperrung integrieren können, allerdings hätten dann auch Regional- und Güterzüge länger warten müssen, obgleich diese das entsprechende Leitsystem gar nicht benötigen. Mittlerweile sind sämtliche Abnahmefahrten abgeschlossen. Um künftige Anlaufprobleme zu vermeiden, sollen nach künftigen Streckensperrungen nicht sofort alle Züge gleichzeitig auf die Trasse geschickt werden, sondern ein schrittweiser und eingeschränkter Betriebsstart erfolgen.
Zusätzlich verschärft eine enorme Streckenlast die Situation. Die Verbindung von Hamburg nach Berlin, die ursprünglich für einen Fernzug je Richtung und Stunde konzipiert worden war, wird inzwischen allein von der Deutschen Bahn im 30-Minuten-Takt befahren. Hinzu kommen Züge des Wettbewerbers Flix sowie mögliche weitere Verbindungen des italienischen Betreibers Italo. Für diese Auslastung sei die Strecke nie gebaut worden, betonte Nagl im Gespräch.
Zeitplan bis 2029 und das Ziel von siebzig Prozent Pünktlichkeit
Die Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Während im Jahr 2023 noch 64 Prozent der Fernzüge pünktlich ihr Ziel erreichten, sank der Wert im darauffolgenden Jahr auf rund 60 Prozent; für 2026 wird eine noch geringere Quote erwartet (dpa-AFX). Die Strategie des Bundesverkehrsministeriums sieht bis Ende 2029 eine Pünktlichkeitsquote von mindestens 70 Prozent vor.
Bis spürbare Verbesserungen im gesamten Netz eintreten, müssen sich Reisende jedoch weiter gedulden. Die Modernisierung der wichtigen Verbindung zwischen Hannover und Berlin läuft noch bis Ende des kommenden Jahres, während für 2029 die Trasse Hamburg–Hannover im Plan steht. Sobald diese großen und besonders heiklen Sanierungsprojekte abgeschlossen sind, rechnet die Infrastrukturtochter mit einer positiven Fernwirkung auf den gesamten Bahnbetrieb in Deutschland.
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