In der Deutschschweiz erfolgen Ansagen häufig auf Deutsch und Englisch, während eine zweite Landessprache fehlt. Ruch fordert, dass die SBB verpflichtet werden sollte, ihre Mitteilungen in mindestens zwei Landessprachen vor Englisch zu verbreiten.
Ende Juni wandte sich der seit Juni 2022 im Nationalrat sitzende Waadtländer an den Bundesrat. Er hinterfragt, ob es mit dem öffentlichen Auftrag vereinbar sei, dass ein von der Eidgenossenschaft unterstütztes Unternehmen eine nicht-nationale Sprache vor den Landessprachen platziere. Laut Ruch sei die Verteidigung der schweizerischen Mehrsprachigkeit auch durch die tägliche Exposition gegenüber den anderen Landessprachen im öffentlichen Raum und in Verkehrsmitteln erforderlich.
Eigene Untersuchung am Bahnhof Zürich
Um seine Forderungen zu stützen, führte Daniel Ruch eine Untersuchung von 50 Sprachansagen bei der Ankunft im Bahnhof Zürich durch. Dabei stellte er fest, dass 42 Prozent der Ansagen ausschliesslich auf Deutsch und Englisch erfolgten. In 23 Prozent der Fälle wurde Englisch dem Französischen vorgezogen, während nur 25 Prozent die Reihenfolge Deutsch–Französisch/Italienisch–Englisch nutzten. Ruch kommt zu dem Schluss, dass Englisch in fast zwei Dritteln der Fälle faktisch eine Landessprache verdrängt.
Zudem kritisierte er in der RTS-Sendung «Forum», dass Italienisch als offizielle Sprache der Eidgenossenschaft nahezu abwesend sei. Er warnte zudem davor, dass Romands, die weder Deutsch noch Englisch sprechen, wichtige Informationen wie Zugwechsel verpassen könnten.
Stellungnahme der SBB
Die SBB vertritt eine andere Ansicht. SBB-Sprecher Jean-Philippe Schmidt erklärte, dass eine Vervielfachung der Sprachen die Ansagen zu lang und dadurch weniger hörbar machen würde. Das Hauptziel sei es, dass die Kunden die Informationen verstehen. Zudem ermögliche die Verwendung von Englisch an stark frequentierten touristischen Zielen die Kommunikation mit der grösstmöglichen Anzahl an Menschen.
Der Bundesrat muss auf die Anfrage von Daniel Ruch antworten. Je nach Antwort schliesst der Politiker nicht aus, eine Motion im Parlament einzureichen.
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