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Technik und Wissenschaft

McKinsey: KI-Projekte stagnieren in der Pilotphase

McKinsey-Analysen belegen, dass zahlreiche Unternehmen bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz in der Pilotphase stagnieren. Die Beratungsfirma nennt mangelhafte Datenstrukturen, einen akuten Mangel an spezialisierten Fachkräften und die Schwierigkeit, KI-Modelle in bestehende Arbeitsabläufe zu integrieren, als zentrale Barrieren für eine erfolgreiche Skalierung in den produktiven Betrieb. Dieser Trend tritt insbesondere in einer Zeit auf, in der die Verfügbarkeit generativer KI-Modelle die Erwartungshaltung an schnelle Effizienzgewinne massiv gesteigert hat.

Die Diskrepanz zwischen der technologischen Machbarkeit in isolierten Testumgebungen und der tatsächlichen Implementierung in die Unternehmenskerngeschäfte wird zunehmend zu einer strategischen Herausforderung für die globale Wirtschaft. Während die ersten Experimente oft beeindruckende Ergebnisse liefern, scheitert die Überführung in den industriellen Maßstab an der Komplexität der bestehenden IT-Landschaften.

Warum KI-Projekte oft in der Pilotphase stecken bleiben

Viele Organisationen investieren in sogenannte Proof of Concepts (PoCs), schaffen jedoch nicht den Übergang in den großflächigen Einsatz. McKinsey beschreibt dieses Phänomen als eine Hürde, die den wirtschaftlichen Nutzen von KI-Investitionen verhindert. Das Problem liegt laut der Analyse weniger an der Leistungsfähigkeit der Modelle selbst, sondern an der mangelnden Fähigkeit, diese von isolierten Testumgebungen in die operative Infrastruktur zu überführen.

Der Fokus liegt in der frühen Phase häufig auf der Demonstration technologischer Machbarkeit, während die Anforderungen an einen stabilen, unternehmensweiten Betrieb unterschätzt werden. Dies führt dazu, dass Projekte zwar funktionierende Prototypen liefern, diese aber nicht die notwendige Zuverlässigkeit oder Geschwindigkeit für den täglichen Geschäftsbetrieb aufweisen. Ein entscheidender Faktor ist hierbei das Fehlen von MLOps (Machine Learning Operations) – standardisierten Prozessen, die den Lebenszyklus von KI-Modellen von der Entwicklung bis zur kontinuierlichen Überwachung im Live-Betrieb absichern.

Ohne diese operationalisierte Infrastruktur bleiben KI-Anwendungen „Sandkasten-Lösungen“. In einer kontrollierten Testumgebung (Sandbox) sind die Variablen begrenzt, doch sobald das Modell mit den unvorhersehbaren Datenströmen und Latenzanforderungen eines realen Produktionsumfelds konfrontiert wird, sinkt die Performance oft unter das für den Geschäftsbetrieb erforderliche Niveau.

Datenqualität und technologische Barrieren

Ein wesentlicher Grund für das Scheitern ist die mangelnde Datenverfügbarkeit. Während Pilotprojekte oft mit sauberen, kuratierten Datensätzen arbeiten, stoßen Unternehmen bei der Skalierung auf fragmentierte Datenbestände und Silos. McKinsey weist darauf hin, dass die Integration von KI in bestehende IT-Systeme hohe Anforderungen an die Datenarchitektur stellt.

Ohne eine konsistente und hochwertige Datenbasis können KI-Modelle im produktiven Einsatz keine verlässlichen Ergebnisse liefern. Die technische Schuld, die durch veraltete Systeme entsteht, erschwert zudem den Zugriff auf Echtzeitdaten, was für viele KI-Anwendungen eine Grundvoraussetzung darstellt. Die Bereinigung dieser Datenstrukturen erfordert oft mehr Ressourcen und Zeit, als in der Planungsphase der Pilotprojekte vorgesehen war.

Ein spezifisches Problem stellt die Verbindung von modernen, oft unstrukturierten Daten (wie Texten oder Bildern), die generative KI verarbeitet, mit den hochstrukturierten Daten aus klassischen ERP- oder CRM-Systemen dar. Viele Unternehmen verfügen über eine „Data Debt“ – eine Ansammlung technischer Altlasten –, die es unmöglich macht, eine nahtlose Datenpipeline aufzubauen. Um dies zu lösen, ist eine umfassende Data Governance notwendig, die nicht nur die Qualität der Daten sichert, sondern auch deren Zugänglichkeit und Compliance-Konformität über verschiedene Abteilungen hinweg regelt.

Fachkräftemangel und kultureller Widerstand

Neben technischen Hürden identifiziert die Beratungsfirma menschliche Faktoren als kritische Erfolgsfaktoren. Es fehlt nicht nur an Experten für das Training von Modellen, sondern auch an Fachkräften, die die Schnittstelle zwischen Technologie und Geschäftsprozessen besetzen. Ein Mangel an interdisziplinärem Personal verhindert, dass technologische Lösungen passgenau auf die Bedürfnisse der Abteilungen zugeschnitten werden.

In der Praxis zeigt sich eine Lücke zwischen reiner Data Science und der operativen Anwendung. Es werden zunehmend Rollen wie „AI Translators“ benötigt – Fachkräfte, die die mathematischen Möglichkeiten der KI verstehen, aber gleichzeitig die geschäftlichen Anforderungen in technische Spezifikationen übersetzen können. Ohne diese Brückenbauer entstehen Lösungen, die technisch brillant, aber für den eigentlichen Geschäftsprozess wertlos sind.

Zudem behindert eine mangelnde Akzeptanz in der Belegschaft die Umsetzung. Wenn Mitarbeiter die neuen Werkzeuge nicht in ihren Alltag integrieren oder die Prozesse als Bedrohung wahrnehmen, bleiben die technologischen Fortschritte wirkungslos. Der Übergang von der Testphase zur Anwendung erfordert daher nicht nur technische Anpassungen, sondern auch ein aktives Change-Management, um die Arbeitsabläufe der Nutzer einzubeziehen. Die psychologische Komponente – die Angst vor Arbeitsplatzverlust durch Automatisierung – muss proaktiv adressiert werden, um eine kooperative Nutzung der KI-Werkzeuge zu ermöglichen.

Wege aus der Pilotphase in die Produktion

Um die Pilotphase zu verlassen, müssen Unternehmen den Fokus von der reinen Technologie hin zum geschäftlichen Mehrwert verschieben. McKinsey empfiehlt, Anwendungsfälle zu priorisieren, die eine direkte Verbindung zu strategischen Unternehmenszielen haben. Anstatt eine Vielzahl kleiner Tests parallel durchzuführen, sollten Ressourcen auf Projekte konzentriert werden, die eine klare Skalierbarkeit versprechen.

Der Aufbau einer soliden Dateninfrastruktur muss bereits vor der Auswahl der KI-Modelle erfolgen. Zudem ist eine enge Verzahnung von IT-Abteilungen und den Fachbereichen notwendig, um sicherzustellen, dass die Modelle die realen Anforderungen der operativen Ebene erfüllen. Unternehmen müssen zudem eine klare Strategie für die Entscheidung „Build vs. Buy“ entwickeln: Soll eine maßgeschneiderte Lösung intern entwickelt oder eine Standardsoftware von Drittanbietern implementiert werden? Während Eigenentwicklungen eine tiefere Integration erlauben, bieten fertige Produkte oft eine schnellere Skalierbarkeit.

Nur durch diese ganzheitliche Herangehensweise – die technische Infrastruktur, die personelle Besetzung und die kulturelle Integration gleichermaßen berücksichtigt – lassen sich die technologischen Investitionen in messbare Produktivitätssteigerungen umwandeln. Der Weg von der Demonstration zur industriellen Anwendung ist kein rein technisches Upgrade, sondern eine fundamentale Transformation der operativen Arbeitsweise.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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