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Gesundheit

Lungenkrebs: Bei der Einnahme dieser Vitamine soll das Risiko steigen

Hohe Dosen von Vitamin B12 können laut der Deutschen Krebsgesellschaft das Wachstum bestehender Lungenkrebszellen beschleunigen. Während eine ausgewogene Ernährung das Krebsrisiko senkt, warnen Experten vor einer Überdosierung durch Nahrungsergänzungsmittel. Eine Studie aus dem Jahr 2019 belegt dieses Risiko, während eine weitere aus 2023 auch Antioxidantien wie Vitamin A, C und E in den Fokus rückt.

Die Annahme, dass mehr Vitamine automatisch mehr Gesundheit bedeuten, ist ein gefährlicher Trugschluss. In der Praxis führt die unkontrollierte Einnahme von Supplementen oft zu einer Überversorgung, die den Körper nicht unterstützt, sondern belastet. Besonders kritisch wird es, wenn Präparate ohne medizinische Notwendigkeit in hohen Dosen eingenommen werden.

Wie Vitamin B12 das Tumorwachstum beschleunigen kann

Es ist ein wichtiges Detail: Vitamin B12 verursacht keinen Lungenkrebs. Doch bei Menschen, die bereits Krebszellen in der Lunge haben, kann eine zu hohe Zufuhr dieses Vitamins als Brandbeschleuniger wirken. Laut einem Bericht der Augsburger Allgemeinen zeigte eine im Jahr 2019 veröffentlichte Studie, dass extrem hohe Dosen das Wachstum dieser Zellen verstärken können. Die Deutsche Krebsgesellschaft rät daher dringend dazu, den Serum-Vitamin-B12-Spiegel ärztlich bestimmen zu lassen, bevor eine Supplementierung beginnt. Eine blinde Einnahme ohne Diagnose kann somit kontraproduktiv wirken.

Das Risiko durch Antioxidantien A, C und E

Lange Zeit galt die antioxidative Wirkung bestimmter Vitamine als Hoffnungsträger in der Krebsprävention. Die Realität ist komplexer. Eine Studie aus dem Jahr 2023, veröffentlicht im Journal of Clinical Investigation, deutet darauf hin, dass die zusätzliche Einnahme von Vitamin A, dem wasserlöslichen Vitamin C sowie Vitamin E die Entwicklung bösartiger Tumore in der Lunge begünstigen kann. Die Deutsche Krebsgesellschaft betont, dass die Wirkungsmechanismen von Antioxidantien im Körper noch nicht vollständig verstanden sind. Daher ist die zusätzliche Einnahme von vitaminhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln nur in Ausnahmefällen sinnvoll, etwa bei einer Schwangerschaft oder spezifischen Erkrankungen, die die Aufnahme von Stoffen im Magen-Darmtrakt stören.

Organschäden durch unkontrollierte Supplementierung

Organschäden durch unkontrollierte Supplementierung
Photo: Diebewertung
Das Problem beschränkt sich nicht nur auf die Lunge. Der Trend zum sogenannten Biohacking und zur Optimierung der Gesundheit führt dazu, dass immer mehr Menschen täglich mehrere Präparate gleichzeitig einnehmen. Laut Diebewertung nutzen rund drei Viertel der Befragten regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel, wobei fast jeder Fünfte vier oder mehr Produkte täglich konsumiert. Diese „Küchenschrank-Apotheken“ bergen erhebliche Risiken für die inneren Organe:
  • Leber: Hohe Dosen von Vitamin A, Grüntee-Extrakten oder Ashwagandha können die Leber massiv belasten.
  • Nieren: Die Kombination verschiedener Präparate kann die Bildung von Nierensteinen begünstigen. Exemplarisch wird die Geschichte der US-Amerikanerin Ginger Smith genannt, bei der eine hochdosierte Kombination aus Vitaminen, Kurkuma und Elektrolyten zu einem operativ entfernten Nierenstein führte.
  • Nervensystem: Eine langfristige Überdosierung von Vitamin B6 kann zu dauerhaften Nervenschäden führen.
Zudem können sich Inhaltsstoffe gegenseitig behindern. Eisen, Magnesium und Calcium beispielsweise können die Aufnahme des jeweils anderen stören, wenn sie gleichzeitig eingenommen werden.

Die Ausnahme Vitamin D und medizinische Indikationen

Die Ausnahme Vitamin D und medizinische Indikationen
Photo: Hamburger Abendblatt
Nicht jedes Vitamin ist bei einer Ergänzung riskant. Vitamin D nimmt hier eine Sonderrolle ein. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums könnte eine tägliche Einnahme von Vitamin D die Krebssterblichkeit in der Bevölkerung sogar um zwölf Prozent reduzieren. Dennoch bleibt die Grundregel: Fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K werden vom Körper gespeichert und müssen nicht zwangsläufig täglich ergänzt werden. Eine Überversorgung ist hier oft schädlicher als ein moderater Mangel.
Vitamin/Stoff Potenzielles Risiko bei Überdosierung Besonderheit
Vitamin B12 Beschleunigtes Wachstum von Lungenkrebszellen Wirkt nicht ursächlich, aber fördernd
Vitamin A, C, E Erhöhtes Risiko für bösartige Lungentumore Antioxidative Wirkung ist nicht vollständig geklärt
Vitamin B6 Nervenschäden Tritt bei langfristiger Überdosierung auf
Vitamin A / Ashwagandha Leberschäden Besonders bei hochdosierten Extrakten
Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Grenze zwischen Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsrisiko schmal ist. Da viele dieser Präparate frei verkäuflich sind, entsteht oft der falsche Eindruck, sie seien risikofrei. Die medizinische Fachwelt warnt jedoch davor, Pillen als Ersatz für eine ausgewogene Ernährung zu betrachten. Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Diagnose. Bitte konsultieren Sie Ihren Hausarzt oder einen qualifizierten Gesundheitsdienstleister, bevor Sie mit der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln beginnen oder diese ändern.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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