Zum Inhalt springen
Welt

Jared Kushner reist nach Israel und Ägypten für Gaza-Gespräche

US-Unterhändler Jared Kushner reist kommende Woche nach Israel und Ägypten, um den ins Stocken geratenen Friedensplan für den Gazastreifen voranzutreiben. Die diplomatische Initiative folgt auf die Ablehnung eines 15-Punkte-Vorschlags der Board of Peace durch den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu, wie Berichte von Al Jazeera und AP News bestätigen.

Kushners Nahost-Reise nach Netanyahus Absage an den Friedensplan

Die US-Regierung verstärkt ihren diplomatischen Druck im Nahen Osten. Jared Kushner, Schwiegersohn und Aide von US-Präsident Donald Trump, bricht in der kommenden Woche zu einer diplomatischen Mission nach Israel und Ägypten auf. Begleitet wird er bei dieser Reise von dem Direktor des Board of Peace, dem ehemaligen bulgarischen Minister Nickolay Mladenov, sowie dem Exekutivausschussmitglied und früheren britischen Premierminister Tony Blair. Dies bestätigte ein Offizieller des Board of Peace gegenüber Al Jazeera.

Der Besuch erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt für die US-geführten Bemühungen um eine dauerhafte Beendigung des Krieges im Gazastreifen. Zuvor hatte der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu ein von der US-Administration unterstütztes 15-Punkte-Abkommen der Board of Peace rund um eine Nachkriegsordnung für das palästinensische Gebiet abgelehnt. Im Zentrum der Kontroverse steht die Forderung nach einer schrittweisen Entwaffnung der Hamas und der Übergabe von deren Waffen an eine palästinensische Drittpartei bei gleichzeitigem Truppenabzug der israelischen Streitkräfte.

Konfliktpunkte um Entwaffnung und Palästinensische Regierung

Während die Hamas nach Angaben von Al Jazeera bereits im vergangenen Jahr einer vorläufigen Version des Abkommens zugestimmt hatte, stellt sich die israelische Regierung quer. Premierminister Netanyahu betonte laut AP News in den vergangenen Tagen, dass Israel seine Truppen erst dann vollständig abziehen werde, wenn die Hamas vollständig entwaffnet sei. Dies markiert eine seltene öffentlich zur Schau gestellte Meinungsverschiedenheit zwischen der israelischen Führung und der US-Regierung unter Trump.

Das von der Board of Peace entworfene Konzept sieht neben der Demilitarisierung der Hamas vor, dass der Gazastreifen unter die Kontrolle einer neuen, technokratischen palästinensischen Regierung gestellt wird. Das Board of Peace selbst wurde im späten Verlauf des Jahres 2025 als Teil eines breiter angelegten Waffenstillstandsabkommens ins Leben gerufen.

Der genannte Offizielle betonte zudem, dass sowohl das Board of Peace als auch Israel grundsätzlich darin übereinstimmten, dass das Endziel eine entmilitarisierte Hamas sei, wie Al Jazeera berichtet. Ziel der bevorstehenden Gespräche vor Ort sei es, die geäußerten Bedenken anzuhören und über die nächsten Schritte zu sprechen.

Koordinierung in Kairo und humanitäre Lage im Gazastreifen

Nach den Gesprächen in Israel reist die Delegation nach Kairo weiter. Dort tagen bereits seit einigen Monaten Vertreter einer palästinensischen Technokratengruppe, die im Rahmen des US-vermittelten Abkommens die Kontrolle über den Gazastreifen übernehmen soll. In der ägyptischen Hauptstadt wollen Kushner, Mladenov und Blair laut Angaben von AP News und Al Jazeera mit ägyptischen und internationalen Vermittlern zusammenkommen, um einen festen Fahrplan zu erarbeiten.

Jared Kushner waits to walk into the ring after the lightweight championship bout at UFC Freedom 250 on the South Lawn of
Photo: AP News

Unterdessen bleibt die Lage im Gazastreifen angespannt. Lokalen Behörden zufolge kam es seit dem Inkrafttreten des Waffenstillstands zu anhaltenden Verstößen und dem Tod von mindestens 1.260 Palästinensern. Seit dem Beginn der militärischen Auseinandersetzungen am 7. Oktober 2023 sind insgesamt 73.389 Palästinenser getötet worden. Die israelischen Streitkräfte haben ihre Kontrollzone im Küstengebiet im Zuge der Entwicklungen schrittweise ausgedehnt und kontrollieren inzwischen rund 70 Prozent des enklavenartigen Gebiets.

Siedlergewalt im Westjordanland im Fokus

Parallel zu den Gaza-Verhandlungen sorgt die Situation im besetzten Westjordanland für diplomatischen Zündstoff. Dort hat die Gewalt jüdischer Siedler – die von Menschenrechtsorganisationen seit langem als vom israelischen Militär geduldet oder unterstützt eingestuft wird – in den vergangenen Monaten stark zugenommen. Das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) dokumentierte zwischen Januar 2025 und Juni 2026 insgesamt 3.033 Siedlerangriffe, was einem Durchschnitt von rund sechs Vorfällen pro Tag entspricht. Im laufenden Jahr 2026 wurden nach UN-Angaben bereits 76 Palästinenser, darunter 18 Kinder, im Westjordanland durch israelische Truppen und Siedler getötet.

Jared Kushner Heads To Israel Amid Tensions Over Trump’s Post-War Gaza Plan | NewsX World
Jared Kushner reist nach Israel und Ägypten für Gaza-Gespräche
Photo: Bloomberg.com

Besondere Aufmerksamkeit erregte ein Vorfall in dem Dorf Qusra, wo Bewohner infolge einer Belagerung durch Siedler von Wasser und Strom abgeschnitten wurden. Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, übte daraufhin eine seltene und scharfe Kritik. Anlass war ein Angriff auf das Haus einer Familie mit US-Doppelstaatsbürgerschaft in Qusra.

Actions by those who carried out this horrific act of terror meant to intimidate and harass this family are disgusting, No excuse for such thuggish behaviour. Mike Huckabee, US-Botschafter in Israel, via Al Jazeera

Huckabee erklärte über den Kurznachrichtendienst X, dass die US-Botschaft intensiv eingeschaltet sei und dass das israelische Militär sowie die israelische Polizei auf Verlangen der USA eingegriffen hätten, um die Täter zu entfernen, wie Al Jazeera weiter ausführt.

“We’re Building Peace, Not Politics" — Jared Kushner’s Strong Message from Israel | DWS News | AH14
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.