August bis 6. Die Jubiläumssaison markiert zudem den Abschied des langjährigen künstlerischen Leiters Rudolf Buchbinder, der den Aufstieg des Klassikortes seit 2007 prägte.
Grafenegg Festival. Auf dem Programm steht zu Beginn Ludwig van Beethovens Fantasie für Klavier, Chor und Orchester c-Moll op. 80. Am Flügel übernimmt der Namensgeber und scheidende künstlerische Leiter Rudolf Buchbinder persönlich den Part, wie die Berichterstattung über den Festbeginn zeigt.
Das Jubiläumsjahr 2026 und der Abschied von Rudolf Buchbinder
Der Sommer 2026 bringt einen Wendepunkt für das Klassikfestival in dem 32 Hektar großen Schlosspark, der rund 60 Kilometer nordwestlich von Wien liegt. Neben dem runden Bestehen nach zwei Jahrzehnten und dem Eröffnungskonzert steht vor allem der personelle Wechsel im Zentrum. Der Starpianist Rudolf Buchbinder, der das Klassikformat im Jahr 2007 aus der Taufe gehoben hat, leitet in diesem Sommer zum letzten Mal das Festival und wechselt danach auf den Posten des Präsidenten.
Das Programm für die Jubiläumssaison wurde von Buchbinder gemeinsam mit Geschäftsführerin Simone Bamberg und NÖKU-Geschäftsführer Paul Gessl in den Barocken Suiten des Wiener MuseumsQuartiers vorgestellt. August bis zum 6. September 2026. In diesem Zeitraum sind 15 Abendkonzerte, darunter zwei konzertante Opernaufführungen, sowie vier Matineen, vier Préludes und drei Late Night Sessions geplant.
Der neue Rudolf-Buchbinder-Saal in der historischen Reitschule
Flankiert wird das Jubiläum von baulichen Neuerungen auf dem Areal. Bereits im Mai wurde der neue Rudolf-Buchbinder-Saal eröffnet, der in der Beletage der ehemaligen Reitschule auf dem Schlossgelände untergebracht ist. Die Planung und der Umbau des historischen Gebäudes aus den 1840er Jahren gehen auf das Architekturbüro Maurer & Partner zurück, das einen offenen zweistufigen Wettbewerb gewann.
Das Gebäude hatte im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden erlitten und war 1978 nur pragmatisch instand gesetzt worden, wobei das Obergeschoss und das Tonnengewölbe damals fehlten. Mit dem nun abgeschlossenen Projekt erhielt das Gebäude seine historische äußere Form zurück. Die Architekten sprechen in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt von einer interpretierenden Rekonstruktion.
Der neue Konzertsaal unter einem rekonstruierten Dach in Zollinger-Bauweise bietet rund 500 Personen Platz und ist primär auf Kammermusik ausgerichtet. Holzbinder und pyramidenförmige Deckenelemente sorgen für eine gezielte Schallverteilung. Im Erdgeschoss befinden sich ein Foyer und ein Seminarraum, während ein schlichter Zweigeschosser an der Westseite technische Funktionen aufnimmt.
Das hochkarätige Aufgebot im Jubiläumssommer
Die Gästeliste des Festivals liest sich wie ein Who’s who der internationalen Klassikwelt. Neben dem langjährigen Residenzorchester, dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, gastieren im Spätsommer namhafte Klangkörper in Grafenegg.
- Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Tugan Sokhiev
- Royal Concertgebouw Orchestra mit Dirigent Santtu-Matias Rouvali
- Israel Philharmonic Orchestra unter Lahav Shani
- Philharmonia Orchestra London, das unter Cristian Măcelaru Carl Orffs
Carmina Burana
zur Eröffnung am 14. August aufführt
Auch bei den Solistinnen und Solisten verzeichnen die Veranstalter prominente Namen. So gibt die Pianistin Martha Argerich ihr Debüt in Grafenegg. Ebenfalls zum ersten Mal dirigiert Riccardo Muti beim Abschlusskonzert gemeinsam mit Rudolf Buchbinder und dem Orchestra Giovanile Luigi Cherubini. Ergänzt wird das Aufgebot durch Künstler wie Daniil Trifonov, Yuja Wang, Joyce DiDonato, Piotr Beczała, Gautier Capuçon und Víkingur Ólafsson.
Entwicklung und Erfolgsgeschichte des Standorts Grafenegg
Die heutige Bedeutung des Standorts beruht auf einem stetigen Ausbau seit den Anfängen. Die Geschichte des Grafenegg Festivals begann 2007, nachdem die Verantwortlichen den Entschluss gefasst hatten, ein Klassikfestival von internationalem Format zu etablieren. Da Gartensaal und Reitschule damals zu klein waren, ging aus einem Architekturwettbewerb der Wolkenturm hervor – eine offene Stahl-, Beton- und Glaskonstruktion von the next ENTERprise-architects, die am 22. Juni 2007 eröffnet wurde.
Ein Jahr später kam das wettergeschützte Auditorium mit 1.372 Sitzplätzen hinzu. Der Wolkenturm selbst bietet rund 1.700 Sitzplätze sowie rund 400 Rasenplätze, womit die Freiluftbühne insgesamt gegen 2.000 Besucher fasst. Zählten die Veranstalter in den Anfangsjahren noch knapp 15.000 Gäste, stieg die Besucherzahl ab 2015 konstant auf rund 50.000 pro Sommersaison.