Richter William Sullivan schickte die Geschworenen trotz einer Pattsituation für weitere Beratungen zurück in den Gerichtssaal.
Die festgefahrene Jury und die Anweisungen des Richters
Im Mordprozess gegen Lindsay Clancy hat die 12-köpfige Jury am Dienstagmorgen zu Beginn ihres vierten Beratungstages dem Gericht mitgeteilt, dass sie sich nicht auf ein einstimmiges Urteil einigen kann. Die Geschworenen hatten sich zuvor am Freitag lediglich mit einer einzigen offiziellen Frage an das Gericht gewandt, um verschreibungspflichtige Pillenfläschchen und ein Küchenmesser zu begutachten.
Richter William Sullivan lehnte es ab, die Beratungen abzubrechen oder eine Fehlverhandlung auszurufen. Stattdessen forderte er das Gremium, das aus neun Frauen und drei Männern besteht, auf, die Arbeit wieder aufzunehmen. Ich weiß, dass dies ein langer Prozess war, sagte Sullivan vor den Geschworenen, ich weiß, dass es über 80 Zeugen gab, über 300 Beweisstücke. Aber genau deshalb werde ich Sie bitten, wieder hinauszugehen und unter Berücksichtigung aller Anweisungen, die ich Ihnen gegeben habe, Ihre Beratungen zu diesem Zeitpunkt fortzusetzen.
Juristischer Rahmen und die Reaktion der Verteidigung
Nach den im Gerichtssaal geltenden gesetzlichen Bestimmungen in Massachusetts kann ein Richter die Jury ermutigen, ihre Beratungen fortzusetzen, darf dies jedoch ohne die Zustimmung der Geschworenen nicht öfter als zweimal tun. Sollte nach weiteren Anstrengungen weiterhin keine Einstimmigkeit erzielt werden, bleibt dem Gericht die Erklärung einer Fehlverhandlung als letzter Schritt. Der pensionierte Richter John T. Lu erklärte gegenüber der Presse, dass Richter bei einer angekündigten Pattsituation sorgfältig die Länge und Komplexität der Verhandlung gegen die bisher aufgewendete Beratungszeit abwägen müssen.

Clancys Verteidiger Kevin Reddington äußerte sich zuversichtlich über die Arbeit der Geschworenen und erklärte gegenüber Reportern, er würde den gesamten Fall im Falle einer dauerhaften Pattsituation noch einmal versuchen. Auf die Frage, wie lange die Beratungen noch andauern könnten, erwiderte Reddington: Vielleicht ist heute der Tag; wir werden sehen. Ich weiß es nicht.
Vorwürfe, medizinischer Kontext und der Hintergrund des Verfahrens
Die 36-jährige Angeklagte, eine ehemalige Krankenschwester, ist wegen dreifachen Mordes angeklagt. Staatsanwaltschaft und Verteidigung stimmen darin überein, dass Clancy ihre drei Kinder – Cora, 5, Dawson, 3, und den acht Monate alten Callan – im Januar 2023 im Keller ihres Hauses in Duxbury mit Fitnessbändern strangulierte. Ihr damaliger Ehemann fand sie im Anschluss im Freien unterhalb eines Fensters im zweiten Stock nach einem Suizidversuch, der sie von der Hüfte abwärts lähmte.

Während die Anklagebehörde argumentiert, die Taten seien im Voraus geplant worden, führt die Verteidigung an, dass die Angeklagte zum Tatzeitpunkt an einer schweren postpartalen Psychose litt. Nach Angaben des Portals Brigitte hatte Clancy im Monat nach der Geburt ihres dritten Kindes im Mai 2022 zunehmend unter Angstzuständen, Depressionen und Schlafstörungen gelitten und innerhalb weniger Monate zahlreiche verschiedene Medikamente erhalten, während Angehörige und Fachkräfte wiederholt um professionelle Hilfe gebeten hatten.
Der Fall hat durch den Livestream des Prozesses weltweit eine intensive Debatte über den Umgang mit psychisch kranken Müttern und die Müttergesundheit ausgelöst. Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich wiederholt Unterstützerinnen in rosa Kleidung mit Aufschriften wie She Needed Help
. Den Geschworenen stehen für jeden der drei Anklagepunkte mehrere Optionen zur Auswahl, darunter Mord ersten oder zweiten Grades, Totschlag oder ein Freispruch wegen fehlender strafrechtlicher Verantwortlichkeit infolge einer psychischen Erkrankung.
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