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Welt

Israelische Behörden entdecken Wrack der Altalena im Mittelmeer

78 Jahre nach ihrer Versenkung im Mittelmeer ist die Wrackstelle der historischen Waffen- und Immigranten-Schiffes Altalena von israelischen Behörden entdeckt worden. Das teilten der Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, und Erbe-Minister Amichai Eliyahu am Montag mit. Das intakte Wrack liegt demnach in 503 Metern Tiefe vor der Küste.

Das Wrack in 503 Metern Tiefe vor der israelischen Küste

Die Altalena liegt intakt auf dem Meeresgrund des Mittelmeers. Wie der Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, und das Erbe-Ministerium bekannt gaben, befindet sich das Wrack rund 20 Kilometer vor der Küste Israels in einer Tiefe von 503 Metern. Die Entdeckung markiert einen historischen Moment, der Jahrzehnte nach einem der schmerzhaftesten Konflikte der israelischen Staatsgründung das Interesse an der nationalen Erinnerungskultur neu entfacht.

Die Ortung des Schiffes war das Resultat monatelanger Planungen und jahrelanger geheimer Bemühungen. Angeführt wurde das Vorhaben vom Erbe-Ministerium sowie von Roni Sadeh, dem Direktor der Abteilung für Seekartographie beim Survey of Israel. Bei einer nächtlichen Suchoperation sei das Wrack mit Hilfe hochmoderner Sensoren und spezieller Vermessungssysteme für extreme Tiefen aufgespürt worden, teilten die zuständigen Stellen mit. Roni Sadeh erklärte dazu, dass das Team das Schiff dank fortschrittlicher Technologien und der intensiven Arbeit eines professionellen und engagierten Teams auf See in mehr als 500 Metern Tiefe erreichen konnte.

Wir haben jahrelang heimlich an diesem Thema gearbeitet, und heute tragen die Früchte der geheimdienstlichen und operativen Anstrengungen auf emotionale Weise Früchte für die historische Wahrheit, das Gedenken an die Gefallenen und die Einheit des Volkes Israel. Itamar Ben-Gvir, Minister für nationale Sicherheit, via Jpost und Vinnews

Die historische Tragödie im Juni 1948 und das Ringen um das staatliche Gewaltmonopol

Das Schiff Altalena war im Juni 1948 vor der Küste eingetroffen. An Bord befanden sich hunderte Einwanderer, Kämpfer der Untergrundorganisation Irgun sowie eine große Ladung an Waffen und Munition. Die Ankunft des Schiffes fiel in die Zeit des ersten von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenstillstands während des Unabhängigkeitskrieges, der die Einfuhr von Waffen und Personal eigentlich untersagte.

Wenige Wochen nach der israelischen Unabhängigkeitserklärung vom 14. Mai 1948 befand sich das Land im Prozess, die verschiedenen jüdischen Untergrundgruppen in die neu aufgestellte israelische Armee (IDF) zu integrieren. Zwischen der Regierung unter Ministerpräsident David Ben-Gurion und der von Menachem Begin geführten Irgun entbrannte jedoch ein heftiger Streit über die Verteilung der Waffen. Während Begin darauf bestand, einen Teil der Rüstungsgüter an Irgun-Kräfte in Jerusalem zu übergeben, beharrte die Regierung darauf, sämtliche importierten Waffen unter die direkte Autorität der regulären Streitkräfte zu stellen. Ben-Gurions Regierung fürchtete das Entstehen einer Armee in der Armee, die den Aufbau eines einheitlichen staatlichen Gewaltmonopols gefährdet hätte.

Eskalation am Strand von Kfar Vitkin und Tel Aviv

Die Konfrontation spitzte sich im Juni 1948 dramatisch zu. Nachdem das Schiff am 20. Juni Kfar Vitkin nördlich von Netanja erreicht hatte, wo Passagiere von Bord gingen und erste Waffen entladen wurden, umzingelte die israelische Alexandroni-Brigade das Gebiet. Auf ein Ultimatum zur Übergabe der Waffen folgte ein bewaffneter Zusammenstoß. Nach dem Tod von sechs Irgun-Mitgliedern und zwei Soldaten wurde ein Waffenstillstand vereinbart, woraufhin die bereits an Land befindlichen Bestände an die IDF übergeben wurden.

Israel's 1948 Civil War | The ALTALENA Weapons Ship

Begin bestieg daraufhin das Schiff, das weiter nach Süden in Richtung Tel Aviv fuhr. Dort kam es am 22. IDF-Kräfte eröffneten das Feuer auf das Schiff, das in Brand geriet und schließlich von den Überlebenden verlassen werden musste. Bei den Kämpfen in Tel Aviv starben weitere zehn Irgun-Mitglieder und ein IDF-Soldat, womit die Gesamtzahl der Todesopfer des Vorfalls auf 19 stieg: 16 Angehörige der Irgun und drei Soldaten der Armee. Um einen umfassenden Bürgerkrieg zu verhindern, ordnete Begin damals an, das Feuer nicht zu erwidern – ein Entschluss, der als prägendes Element in seine politische Laufbahn einging. Das ausgebrannte Schiff wurde im Anschluss auf das offene Meer hinausgeschleppt und versenkt.

Die Entdeckung der Altalena ist ein prägender Moment für unser Gedächtnis als Nation. Wir haben an dieser Operation aus einem tiefen Sendungsbewusstsein heraus gearbeitet, um die historische Wahrheit aufzudecken und die Geschichte der Helden des Schiffes für kommende Generationen zugänglich zu machen. Amichai Eliyahu, Erbe-Minister, via Jpost und Vinnews

Gedenken und parlamentarische Initiativen in der Gegenwart

Die historische Aufarbeitung der Ereignisse reicht bis in die Gegenwart der israelischen Gesetzgebung hinein. Berichten zufolge hat die Knesset vor kurzem Schritte unternommen, um die Erinnerung an den Untergang des Schiffes formal im nationalen Kalender zu verankern. Im Juli verabschiedete das Parlament in einer ersten Lesung einen Gesetzentwurf, der die Einrichtung eines nationalen Gedenktages für die Versenkung der Altalena vorschlägt. Die nun erfolgte Ortung des Wracks vor der israelischen Küste dürfte der historischen und maritimen Forschung zu einem der umstrittensten Kapitel der Staatsgründung neue Impulse verleihen.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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