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Welt

Israel: Benjamin Netanyahu will »Haaretz« wegen Bericht über Hamas-Attacke am 7. Oktober verklagen

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu kündigt rechtliche Schritte gegen die Tageszeitung Haaretz an. Auslöser ist ein brisanter Bericht über ein angebliches, im Herbst 2023 geführtes Telefonat mit dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, in dem vor dem Hamas-Großangriff gewarnt worden sein soll.

Das ARD-Studio Tel Aviv und der Bericht von Haaretz

Die Veröffentlichung eines bevorstehenden Enthüllungsbuches schlägt in Israel wenige Wochen vor der anstehenden Parlamentswahl hohe Wellen. Im Zentrum der Kontroverse steht die Frage, ob die politische Führung des Landes konkrete Warnungen vor dem Terrorüberfall vom 7. Oktober 2023 erhalten und ignoriert hat (wie das ARD-Studio Tel Aviv berichtete). Von Julia Ley aus dem ARD-Studio Tel Aviv wurde berichtet, dass Netanjahu wenige Tage vor dem 7. Oktober eine ausdrückliche Warnung erhalten und Israels Sicherheitschefs nicht informiert habe. Die linksliberale Tageszeitung Haaretz veröffentlichte diese Schlagzeile Dienstag früh, woraufhin Israel aufregt darüber diskutierte.

Das Telefonat aus Abu Dhabi und die Vorwürfe im Detail

Mohammed bin Zayed Al Nahyan und Benjamin Netanjahu

Dem Bericht der linksliberalen Tageszeitung Haaretz zufolge soll der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed Al Nahyan (65, auch bekannt als Scheich Muhammad bin Zayid Al Nahyan oder MBZ), rund eineinhalb Wochen vor dem Massaker ein rund 45-minütiges Gespräch mit Benjamin Netanjahu geführt haben. Gespräche zwischen Netanjahu und bin Zayed hätten immer wieder stattgefunden, heißt es in dem Bericht, und sie sollen über ein spezielles Telefon erfolgt sein. Das 45-minütige Telefonat habe vom Präsidentenpalast in Abu Dhabi aus stattgefunden.

Israel: Benjamin Netanyahu will »Haaretz« wegen Bericht über Hamas-Attacke am 7. Oktober verklagen
Photo: spiegel.de

In diesem Telefonat habe der Staatschef der Emirate vor einer großangelegten Offensive der Hamas gewarnt, die der damalige Chef der islamistischen Terrororganisation Hamas, Yahya Sinwar (Jihia al-Sinwar), geplant habe. Bei dem Telefonat war aufseiten der Emiratis offenbar auch Mohammed Dahlan dabei, ein bestens vernetzter, im Exil lebender Palästinenser, der einst als „Sheriff von Gaza“ einer der mächtigsten Männer in der Mittelmeerenklave gewesen ist. Die Warnung zielte demnach darauf ab, dass Sinwars Operation gegen Israel Folgen haben werde, die weit über Israel und Palästina hinausgehen, mithin den ganzen Nahen Osten destabilisieren könnten, und Sinwar selbst soll von einem „Erdbebengesprochen haben. Bin Zayed habe vor Blutvergießen, regionaler Destabilisierung und einer Gefährdung der Abraham-Abkommen gewarnt.

Netanjahu soll geantwortet haben, er erwarte eher eine Hamas-Operation im Westjordanland – und Israel sei auf jedes Szenario vorbereitet. Dem Bericht zufolge wurden drei hochrangige ausländische Regierungsvertreter über den Inhalt des Telefonats informiert, und als Quelle wurde ein Berater des emiratischen Präsidenten genannt, der mit dem Gespräch vertraut gewesen sei. Diese Enthüllungen stammen aus ersten Auszügen aus dem Enthüllungsbuch „Kidnapped: 843 Days of Abandonmentder Journalisten Shlomi Eldar und Ruth Yuval.

Reaktionen, Dementis und angekündigte Klagen

Netanjahu kündigt eine Klage gegen Haaretz an

Die Reaktion des israelischen Ministerpräsidenten folgte umgehend. Netanjahu kündigte eine Klage gegen die linksliberale Zeitung „Haaretz“ wegen des Berichts an, dem zufolge der emiratische Präsident ihn im Herbst 2023 vor einer großangelegten Offensive der Hamas gewarnt haben soll. Der israelische Regierungschef habe seine Anwälte angewiesen, eine Klage wegen Verleumdung einzureichen, teilte er auf der Plattform X mit. Diese solle sich unter anderem gegen das Blatt sowie den Autor Schlomi Eldar richten.”

Israel: Benjamin Netanyahu will »Haaretz« wegen Bericht über Hamas-Attacke am 7. Oktober verklagen
Photo: BILD

Es habe zwischen Anfang September und dem 7. Oktober 2023 kein Gespräch zwischen ihm und dem emiratischen Präsidenten gegeben, teilte Netanjahu weiter mit. Sein Büro hatte den Bericht bereits zuvor dementiert. Netanjahu bestreitet, vor dem Angriff der Hamas gewarnt worden zu sein.

Politische Brisanz im Vorfeld

Benjamin Netanjahu und der Hamas-Überfall

Die Veröffentlichung wirft in Israel die Fragen auf, ob Israels Premierminister Benjamin Netanjahu (76) wenige Tage vor dem 7. Oktober konkrete Terror-Warnungen ignorierte und ob das Massaker womöglich hätte verhindert werden können, bei dem die Hamas Israel überfiel, fast 1.200 Menschen tötete und etwa 250 als Geiseln nahm.

Bericht: VAE warnten Netanyahu vor dem Angriff am 7. Oktober
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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