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Gesundheit

Abnehmmedikamente: Studie sieht höheres Risiko für Suizidgedanken

Erwachsene, die im vergangenen Jahr verschreibungspflichtige Medikamente zur Gewichtsabnahme genutzt hatten, zeigten in einer Beobachtungsstudie des Asan Medical Center in Südkorea deutlich höhere Raten von Depressionen, Suizidgedanken und Suizidversuchen im Vergleich zu Nichtanwendern, wobei das Risiko bei Gewichtswiederzunahme besonders stark anstieg.

Beobachtungsstudie am Asan Medical Center zeigt erhöhte psychische Risiken

Eine am Asan Medical Center in Südkorea durchgeführte Beobachtungsstudie untersuchte Daten von insgesamt 27.741 Erwachsenen, darunter 10.908 Männer und 16.833 Frauen. Von diesen Studienteilnehmern hatten 846 Personen im Laufe des vorherigen Jahres verschreibungspflichtige Medikamente zur Gewichtssteuerung eingenommen, während 26.895 Personen angaben, keine derartigen Präparate verwendet zu haben.

Die Auswertung ergab, dass die Anwender von Abnehmmedikamenten eine um das 1,9-Fache erhöhte Wahrscheinlichkeit für Depressionen aufwiesen und doppelt so häufig professionelle psychologische Beratung in Anspruch nahmen. Noch deutlicher fielen die Werte bei suizidbezogenen Indikatoren aus: Die Studienteilnehmer aus der Medikamentengruppe hatten ein 2,7-Fach höheres Risiko für Suizidgedanken sowie eine um das 1,7-Fache erhöhte Rate an Suizidversuchen. Die Ergebnisse wurden am 23. August im Korean Journal of Family Practice veröffentlicht.

Die Rolle von Gewichtswiederzunahme und historischen Wirkstoffen

Besonders ausgeprägt zeigten sich die statistischen Zusammenhänge bei jenen Anwendern, die trotz der Medikamenteneinnahme an Gewicht zunahmen oder ihr verlorenes Gewicht wieder ansetzten. Bonnie Mitchell, eine lizenzierte professionelle klinische Beraterin in Kalifornien, wies darauf hin, dass es sich um eine rein beobachtende Querschnittsstudie handelt, die zwar Korrelationen aufdeckt, jedoch keine direkte Kausalität belegen kann. Es zeigt eine Korrelation zwischen der Einnahme von Abnehmmedikamenten und selbstberichteten psychischen Symptomen, aber es kann keine Kausalität beweisen, erklärte die Expertin gegenüber Fox News Digital.

Zudem ist der untersuchte Zeitraum von 2013 bis 2022 entscheidend für die Einordnung der verwendeten Substanzen. In diesem Zeitraum waren moderne GLP-1- und GIP-Rezeptoragonisten wie Semaglutid oder Tirzepatid in Südkorea entweder noch gar nicht auf dem Markt oder verzeichneten nur eine sehr geringe Verbreitung im Alltag. Stattdessen deckt das Untersuchungskollektiv ältere Antiadiposotika ab, die in diesem Jahrzehnt in Südkorea gängig verschrieben wurden, darunter Phenetermin, Diethylpropion, Phendimetrazin, Topiramat und Orlistat. Zentralnervöse Stimulanzien wie Phenetermin-basierte Präparate beruhen auf Wirkmechanismen, die bekanntermaßen mit Angstzuständen, Stimmungsschwankungen und Schlaflosigkeit einhergehen können.

Die Tendenz, dass Depressionen und suizidbezogene Indikatoren bei einer Gewichtswiederzunahme nach der Einnahme von Abnehmmedikamenten zunehmen, spiegelt möglicherweise nicht nur die neuropsychiatrischen Wirkungen der Medikamente selbst wider, sondern auch ein komplexes Zusammenspiel psychologischer und sozialer Faktoren im Zusammenhang mit einer fehlgeschlagenen Gewichtskontrolle. Das Forschungsteam des Asan Medical Center, via Foxnews

Das Forschungsteam hob als bemerkenswertes Nebenresultat hervor, dass Anwender, die trotz der Medikation zunahmen, eine um das 4,2-Fache erhöhte Wahrscheinlichkeit für Suizidgedanken im Vergleich zu Nichtanwendern aufwiesen. Eine wahrgenommene Niederlage im Gewichtsmanagement kann demnach tiefes Schuldgefühl, Scham, Hilflosigkeit und psychische Belastung auslösen. Personen mit starkem Übergewicht weisen ohnehin ein höheres Basisrisiko für Depressionen, Angststörungen und Körperbildstörungen auf, weshalb Querschnittsdaten bestehende psychische Probleme nur schwer von neuen Symptomen trennen können.

Gewichtsverlauf nach dem Absetzen moderner GLP-1-Präparate

Während sich die südkoreanische Studie auf ältere Substanzen konzentrierte, beleuchtet eine aktuelle Untersuchung aus Großbritannien die Situation rund um moderne GLP-1-Rezeptoragonisten wie Ozempic und Wegovy. Ein Forschungsteam der University of Cambridge analysierte im Rahmen einer systematischen Übersicht und Metaanalyse 48 relevante Studien, darunter 36 randomisierte kontrollierte Versuche, um die Gewichtsverläufe nach dem Absetzen dieser Medikamente zu modellieren.

Weight loss drugs may reduce risk of suicidal thoughts in adolescents — plus more medical headlines

Die Berechnungen zeigen, dass Patienten ein Jahr nach dem Absetzen von GLP-1-Präparaten im Durchschnitt 60 Prozent ihres zuvor verlorenen Gewichts wieder zunehmen. Nach etwa 60 Wochen flacht dieser Wiederanstieg jedoch ab und pegelt sich langfristig bei einer Wiederzunahme von rund 75 Prozent des ursprünglichen Gewichtsverlusts ein. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ein Viertel des Gewichtsverlusts dauerhaft gehalten werden kann.

Weight-loss drugs linked to depression, suicidal thoughts, but expert notes limitations
Photo: Foxnews

Medikamente wie Ozempic und Wegovy wirken wie Bremsen für unseren Appetit, sorgen dafür, dass wir uns früher satt fühlen, dadurch weniger essen und somit Gewicht verlieren. Wenn die Menschen aufhören, sie einzunehmen, nehmen sie im Grunde den Fuß von der Bremse, und das kann zu einer raschen Gewichtszunahme führen. Brajan Budini, Medizinstudent an der School of Clinical Medicine und am Trinity College, University of Cambridge

Experten betonen, dass Patienten beim Absetzen engmaschig medizinisch begleitet werden müssen. Da die Medikamente den Appetit zügeln, unterstützen sie während der Einnahme den Aufbau gesünderer Gewohnheiten wie kleinerer Portionsgrößen, die zum Teil auch nach dem Therapieende nachwirken können. Dennoch bleibt ungeklärt, in welchem Maße bei der schnellen Gewichtswiederzunahme Fett- oder Muskelmasse aufgebaut wird, da frühere Untersuchungen bereits darauf hindeuteten, dass bis zu 40 bis 60 Prozent des während der Behandlung verlorenen Gewichts aus magerer Körpermasse beziehungsweise Muskelgewebe bestehen kann.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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