Zum Inhalt springen
Welt

JD Vance nennt Iran-Konflikt keinen Krieg und betont Energiepreise

September 2026 erklärt, dass der seit Februar andauernde Konflikt mit dem Iran kein Krieg sei. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus betonte er, das Hauptziel Washingtons bestehe darin, niedrige Öl- und Gaspreise für die US-Bürger zu sichern.

Mehr als sechs Monate nach Beginn der US-Militäroperationen gegen den Iran hat die US-Regierung eine bemerkenswerte sprachliche Kehrtwende vollzogen. Der bewaffnete Konflikt, der bisher das Leben von 18 US-Servicekräften forderte, mindestens 750 Verletzte verursachte und Kosten zwischen 71 und 118 Milliarden US-Dollar verschlang, wird von Washington offiziell nicht mehr als Krieg bezeichnet. Dies stellte Vizepräsident JD Vance bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus klar.

JD Vance nennt niedrige Energiepreise als oberstes Kriegsziel

Während Präsident Donald Trump die Angriffe in der Anfangsphase vor allem mit dem iranischen Atomprogramm begründete, rückte Vance nun ökonomische Faktoren ins Zentrum. Der Vizepräsident erklärte vor Journalisten, dass es das oberste Ziel sei, Öl und Gas für die US-Bürger im ganzen Land günstig zu halten, und verwies darauf, dass die Ölpreise mittlerweile wieder deutlich unter den Höchstständen der Konfliktphase liegen. Als zweites zentrales Anliegen nannte er die Verhinderung iranischer Atomwaffen und zeigte sich überzeugt, dass sie dabei seien, beide Ziele zu erreichen.

U.S. Vice President JD Vance holds a press briefing, the first since Karoline Leavitt stepped down as press secretary, at
Photo: reuters.com

Der anhaltende Konflikt hat in den USA zu sinkenden Zustimmungswerten für den Präsidenten geführt und die Treibstoffpreise vor den anstehenden Kongresswahlen im November angetrieben. Auf die Frage nach einem konkreten Zeitplan für das Ende der Operationen lehnte Vance eine Festlegung ab. Ein Ende sei erst dann möglich, wenn Teheran die Angriffe auf die Handelsschifffahrt vollständig einstelle. Auf die Frage, wann die Iraner aufhören würden, auf Schiffe zu schießen, erwiderte Vance schlicht: Ich glaube, die Realität ist, dass ich die Antwort auf diese Frage nicht kenne.

China und die wirtschaftliche Isolierung Teherans

Im Rahmen der Bemühungen zur wirtschaftlichen Isolierung Irans sieht die US-Regierung unerwartete Signale aus Peking. Vizepräsident Vance erklärte, dass China bereit sei, bei wirtschaftlichen Schritten gegen Teheran mitzuwirken (willing to play ball). Trotz politischer Differenzen bezeichnete er die Volksrepublik als deutlich verantwortungsbewusser als den Iran. Sie sind nicht die Art von Nation, die auf die Handelsschifffahrt schießt, weil sie bei einem internationalen Streit nicht ihren Willen bekommt, begründete Vance diese Einschätzung. Pekings Verhalten bedeute zwar keine vollständige Erfüllung aller US-Forderungen, zeuge jedoch von größerem Realismus.

JD Vance nennt Iran-Konflikt keinen Krieg und betont Energiepreise
Photo: tagesschau.de

Die US-Regierung hatte im Vormonat über das Finanzministerium unter der Leitung von Treasury Secretary Scott Bessent die Initiative Operation Economic Outcast ins Leben gerufen. Ziel dieses beispiellosen Vorgehens ist es, Netzwerke zur Umgehung von Sanktionen zu kappen und Iran von internationalen Finanznetzwerken abzuschneiden. Laut offiziellen Angaben unterstützen auch zahlreiche andere Staaten wie Türkiye, Aserbaidschan, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Katar die USA im Hintergrund dabei, Iran für Angriffe auf die Seeschifffahrt zur Verantwortung zu ziehen.

Lage an der Straße von Hormus und anhaltende Gefechte

Die strategisch wichtige Straße von Hormus bleibt der zentrale Schauplatz der Konfrontation. Die faktische Blockade der Meerenge hat den Welthandel mit Öl, Gas und Düngemitteln massiv beeinträchtigt. Trotz vereinzelter diplomatischer Bemühungen gehen die Angriffe auf Frachtschiffe weiter. So warfen die Vereinigten Arabischen Emirate dem Iran vor, zwei Schiffe der Abu Dhabi National Oil Company attackiert zu haben, wobei nach Angaben des Unternehmens glücklicherweise keine Verletzten zu beklagen waren.

Vance Asked How Economic Pressure On Iran Will Be Successful If You Don't Have China 'On Board'

Gleichzeitig spiegeln die internationalen Energiemärkte die anhaltenden Risiken wider. Nach jüngsten Kämpfen und US-Luftangriffen auf iranische Küstenstellungen notierte Brent-Rohöl bei etwa 95,26 US-Dollar je Barrel, während US-Benchmark-Öl bei 90,84 US-Dollar gehandelt wurde. Präsident Trump erklärte dazu, er gehe nicht davon aus, dass die US-Bombardements noch viel länger andauern werden, während im Nahen Osten beträchtliche militärische Verbände – darunter rund 20 Kriegsschiffe und mehr als 50.000 US-Soldaten – stationiert bleiben.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.