Hurrikan Lowell zieht mit heftigem Wind und lebensgefährlicher Brandung auf die hawaiianischen Inseln zu. Das System erreichte zuvor Kategorie-5-Stärke. Meteorologen erwarten die schwersten Auswirkungen für Kauai und Niihau am Montagabend, während der Staat nach einer Reihe tropischer Unwetter im Pazifik unter dem Ausnahmezustand steht.
Der mächtige Hurrikan Lowell bewegt sich auf einer nordwestlichen Zugbahn direkt auf die Inselkette von Hawaii zu. Behörden und Meteorologen haben umfangreiche Warnungen herausgegeben, da der Sturm am Montag und Dienstag massiven Starkregen, Sturzfluten und extrem gefährliche Küstenbedingungen mit sich bringen wird.
Entwicklung und Zugbahn von Hurrikan Lowell
Nach Angaben des Central Pacific Hurricane Center hatte sich Lowell im Zentralpazifik kurzzeitig zu einem Hurrikan der Kategorie 5 aufgeschaukelt – ein Ausmaß, das in dieser Region seit dem Sturm Walaka im Oktober 2018 nicht mehr verzeichnet worden war. In den darauffolgenden Tagen schwächte sich das System leicht ab und bewegte sich am Wochenende als Hurrikan der Kategorie 3 mit anhaltenden Winden von rund 195 Kilometern pro Stunde nach Norden.
Das Zentrum des Zyklons befand sich am Sonntagabend etwa 805 Kilometer südsüdwestlich von Līhuʻe und zog mit einer Geschwindigkeit von etwa 15 Kilometern pro Stunde weiter. Die offizielle Zugbahn sieht vor, dass Lowell knapp westlich an den Hauptinseln vorbeizieht. Meteorologen betonen jedoch, dass eine geringfügige östliche Abweichung ausreicht, um die Region direkt in das gefährliche Windfeld zu ziehen.
John Bravender, Warning Coordination Meteorologist beim National Weather Service, erklärte via NBC News, dass die Tatsache, dass man sich am Rand des Sturmkegels befinde, nicht bedeute, dass man in Sicherheit sei.
Evakuierungen, Notstand und lokale Vorkehrungen
Angesichts der drohenden Gefahren hat der hawaiianische Gouverneur Josh Green bereits am Freitag einen Notstand ausgerufen und die Nationalgarde zur Unterstützung aktiviert. Die Behörden bereiten sich intensiv auf die kommenden Unwetter vor. Auf Kauai reagierte das County mit der Öffnung von fünf Schutzunterkünften und schließte vorsorglich Parks sowie Campingplätze.

Auf der Insel Kauai füllen Bewohner in Lihue und anderen Ortschaften die Regale von Supermärkten, um sich mit Lebensmitteln und Trinkwasser zu versorgen. Viele Haushalte treffen Vorkehrungen für mögliche Stromausfälle. So kaufte die lokale Immobilienverwalterin Lori Benkert zusätzlichen Propangasvorrat, um im Ernstfall auf dem Grill kochen zu können, nachdem sie Dutzende von ihr betreute Gebäude gesichert hatte.
Wir werden wahrscheinlich den Strom verlieren und einige abgeknickte Äste haben. Vermutlich schotten sich erst einmal alle ab. Lori Benkert, Immobilienverwalterin auf Kauai, via AP News
Lebensgefährliche Brandung und extreme Regenmengen
Die schwersten Bedrohungen gehen nach Einschätzung der Wetterdienste von den Wassermassen aus. Für die Südküsten aller Inseln gilt eine amtliche Warnung vor extremer Brandung. Laut Hawaii News Now werden an den Südufern von Kauai und Niihau gigantische Wellen von 20 bis 30 Fuß (rund sechs bis neun Meter) erwartet. Auch an den Westküsten drohen meterhohe Brecher, die Strände überspülen und Uferstraßen beschädigen können.

Parallel dazu steigen die Regenprognosen stark an. Auf Kauai und Niihau rechnen die Meteorologen mit Gesamtmengen von 12 bis 14 Zoll, während in exponierten Bergregionen Spitzenwerte von über 10 oder sogar 14 Zoll nicht ausgeschlossen sind. Diese Wassermassen bergen ein hohes Risiko für Sturzfluten und schwere Erdrutsche.
| Insel / Region | Erwartete Regenmenge | Gefahrenschwerpunkt |
|---|---|---|
| Kauai & Niihau | 3 bis 14 Zoll (örtlich über 10 Zoll) | Wellen bis 30 Fuß, Erdrutsche, Sturzfluten |
| Hawaii Island (Big Island) | 4 bis 12 Zoll | Überschwemmungen, starke Winde |
| Maui | 2 bis 8 Zoll | Starkregen, erhöhte Brandung |
Häufung extremer Wetterereignisse im Pazifik
Der Sturm ist bereits das dritte Tropensystem innerhalb weniger Wochen, das die hawaiianischen Inseln bedroht. Erst kurz zuvor waren der Inselstaat sowie die Big Island von den Auswirkungen von Hurrikan Lala getroffen worden, welcher nach Angaben der Regierung allein auf der Big Island Infrastrukturschäden in Höhe von mindestens 43 Millionen Dollar sowie rund 4,6 Millionen Dollar an Gebäudeschäden verursachte.
Die außergewöhnliche Häufung von gleich drei aktiven Hurrikanen im Nordpazifik – neben Lowell auch Karina und der vor Mexiko wütende Hurrikan Marie – wird von Experten mit ungewöhnlich warmen Wassertemperaturen und einem stark ausgeprägten El-Niño-Phänomen in Verbindung gebracht. Die Vereinten Nationen und das National Oceanic and Atmospheric Administration warnen, dass das aktuelle Klimaphänomen das Potenzial hat, zu den stärksten seit Jahrzehnten zu gehören und die globalen Niederschlagsmuster stark zu beeinflussen.