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Himalaya-Katastrophe: Rund 800 Tote nach Gletscherabbruch in Nepal und Tibet

Nach einem verheerenden Gletscherabbruch und tagelangen Sturzfluten im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet ist die Zahl der Todesopfer bis Sonntag, den 30. August 2026, auf rund 800 gestiegen, während weiterhin etwa 3.000 Menschen vermisst werden. Rettungskräfte kämpfen derweil unter schwierigsten Bedingungen um das Leben von mehr als 100 in Tunneln eingeschlossenen Arbeitern.

Tragödie im Himalaya: Katastrophale Fluten nach Gletscherabbruch

Die verheerende Naturkatastrophe nahm am Mittwochmorgen ihren Anfang, als eine gewaltige Eis- und Gesteinsmasse von einem Berggipfel im Laṁṭāṅ-Nationalpark an der Grenze zu China abbrach und eine Kettenreaktion auslöste. Geologen zufolge war der abgebrochene Block ein Vielfaches größer als das Empire State Building. Der Sturz der Masse setzte eine gewaltige Trägerschicht aus Schlamm, Wasser und Eis in Bewegung, die seismische Messgeräte zunächst fälschlicherweise als Erdbeben der Stärke 4,4 registrierten; der USGS korrigierte den Wert später auf den Äquivalentwert eines Bebens der Stärke 5,2.

Die Schlamm- und Gerölllawinen wälzten sich über fast 100 Kilometer talwärts entlang der Flüsse Lende Kolā, Trishuli Kolā und Bhotekoshi. Ortschaften, Brücken und wichtige Infrastrukturverbindungen wie der Grenzübergang Rasuwāgaḍhī wurden schwer beschädigt oder komplett begraben. Während das Nepal National Disaster Risk Reduction and Management Authority (NDRRMA) am Sonntag die Zahl der bestätigten Toten in Nepal auf 788 bezifferte und von 2.502 Vermissten sprach, meldeten die chinesischen Behörden 16 Tote und 546 Vermisste in der Autonomen Region Tibet. Zusammengerechnet beläuft sich die Opferzahl damit auf rund 800 Tote und etwa 3,000 Vermisste.

Der verzweifelte Kampf um eingeschlossene Arbeiter in den Tunneln

Im Zentrum der aktuellen Rettungsbemühungen stehen die Wasserkraftprojekte Trishuli 3A und Trishuli 3B im Distrikt Rasuwa. Dort werden mehr als 100 Arbeiter vermisst, die vermutlich lebend in Schlamm und Geröll eingeschlossen in unterirdischen Tunneln festsitzen.

Himalaya-Katastrophe: Rund 800 Tote nach Gletscherabbruch in Nepal und Tibet
Photo: nbcnews.com

Am Samstag gelang Rettungskräften ein wichtiger Durchbruch, als sie bei Trishuli 3A durch meterdicken Schlamm bohrten und ein Belüftungsrohr in den Schacht einführten. Innenminister Sudan Gurung bestätigte, dass über die Leitungen frische Luft in den Tunnel gepumpt und eine Spezialkamera zur Erkundung eingeführt wurde, um die Lage der Verschütteten zu prüfen. Doch heftige Monsunregenfälle und ein erneuter Anstieg des Wasserstandes im Trishuli-Fluss machten die Grabungsarbeiten am frühen Sonntagmorgen zeitweise zunichte und zwangen die Einsatzkräfte zu einer Unterbrechung.

Es ist bereits vier Tage her. Wir wollen, dass die Regierung ihn so schnell wie möglich rettet. Priti Kharel, Angehörige eines vermissten Ingenieurs

Zur Unterstützung der nepalesischen Truppen wurden internationale Spezialisten für Tunnelrettungen eingefordert.

Internationale Auswirkungen und Evakuierungsmaßnahmen

Unter den Tausenden Vermissten und Betroffenen befinden sich zahlreiche ausländische Staatsangehörige, darunter Bergleute, Touristen, Wanderer und Pilger auf dem Weg zum heiligen Berg Kailash. Auch aus Großbritannien wurden mehr als 30 vermisste Staatsangehörige gemeldet, weshalb das Foreign Office ein spezielles Krisenteam in die Region entsandte.

Map of the landslide and flooding extent of the 2026 Nepal Debris Avalanche and Flash Flood
Photo: usgs.gov

Die Evakuierungen und Hilfslelieferungen per Hubschrauber laufen unter extremen Bedingungen. Nach Angaben der nepalesischen Armee führen Hubschrauber stündlich Dutzende Flüge durch, um Hilfsgüter wie Kleidung und Reis in abgeschnittene Regionen wie Nuwakot zu fliegen und Verletzte sowie Überlebende auszufliegen. Im Distrikt Chitwan, wo zahlreiche Leichen an den Ufern der Flüsse Trishuli und Narayani angeschwemmt wurden, sahen sich Behörden angesichts fortgeschrittener Verwesung zu Massenbestattungen gezwungen, nachdem zuvor DNA-Proben zur späteren Identifizierung gesichert worden waren.

Anhaltende Gefahren durch neue Barriere-Seen

Die Wetterlage bleibt der größte Risikofaktor für die Rettungsmannschaften. Neben dem anhaltenden Monsunregen beobachten chinesische Behörden mit Satelliten, Drohnen und Radarsystemen einen Barriere-See, der sich etwa einen Kilometer stromaufwärts im Hafen von Gyirong gebildet hat. Zwar ging der Wasserstand dort nach Angaben des chinesischen Ministeriums für Wasserressourcen um zehn Meter zurück, doch warnen Meteorologen und Behörden in Nepal weiterhin vor neuen Sturzfluten.

Rescuers search for hundreds missing after floods in Nepal-China border

Das NDRRMA gab am Sonntag eine neue Warnung aus, nachdem der Durchfluss im Bhotekoshi-Fluss in Rasuwa spürbar angestiegen war. Alle in den Such- und Hilfsmannschaften tätigen Personen sowie Anwohner in den betroffenen Flusstälern von Rasuwa, Nuwakot, Dhading und Chitwan wurden aufgefordert, höchste Vorsicht walten zu lassen.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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