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Technik und Wissenschaft

Freiheitsstatue: Fackel seit Sabotageakt von 1916 für Besucher gesperrt

Damals zerstörten deutsche Saboteure ein Munitionsdepot in New York Harbor, wodurch Schrapnelle den Arm des Wahrzeichens schwer beschädigten und einen bis heute anhaltenden, 110 Jahre währendenden Ausschluss von Besuchern auslösten.

Jedes Jahr strömen Millionen von Menschen in den New Yorker Hafen, um die Freiheitsstatue zu besichtigen. Ein Bruchteil davon bucht im Voraus Tickets, um die 162 Stufen bis in die Krone zu erklimmen. Doch niemand gelangt seither weiter nach oben. Niemand durfte in den vergangenen 110 Jahren den Weg durch den erhobenen rechten Arm und die schmale, zwölf Meter lange Leiter hinauf zur Fackel antreten. Der Fackelbalkon, der höchste Punkt des Denkmals, bleibt seit dem Jahr 1916 geschlossen.

Der Grund liegt nicht in aktuellen Sicherheitsprüfungen oder modernen Renovierungsarbeiten. Die Sperrung geht auf einen Sabotageakt von historischem Ausmaß zurück, der sich auf amerikanischem Boden ereignete, noch bevor die Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg eintraten.

Die Explosion von Black Tom Island im Sommer 1916

Das Ziel der Detonation in jener Nacht war Black Tom, eine rund 1,6 Kilometer lange Landzunge und ein Schienenknotenpunkt in New York Harbor, der von Jersey City aus direkt hinter der Freiheitsstatue in den Hafen ragte. Im Juli 1916 verkaufte das noch neutrale Amerika kistenweise Munition an Großbritannien und Frankreich. Black Tom diente dabei als wichtigster Umschlagplatz. Am 30. Juli lagerten dort in Lagerhäusern, Waggons und Lastkähnen rund zwei Millionen Pfund an Munition und Sprengstoffen, die auf den Transport an die Alliierten warteten.

Das kaiserliche Deutschland hatte in den USA ein verdecktes Sabotage-Netzwerk aufgebaut, um diese Lieferungen zu stoppen. Kurz nach zwei Uhr nachts brachen auf dem Gelände Brände aus, die von deutschen Agenten gelegt worden waren. Um 2:08 Uhr flog das Depot in einer der größten vom Menschen verursachten Explosionen der Geschichte in die Luft.

Tausende Fensterscheiben zerstörten sich in Lower Manhattan und Jersey City. Auf Ellis Island internierte Einwanderer mussten evakuiert werden, während Trümmerteile durch den Hafen flogen. Die Uhr auf dem Gebäude des Jersey Journal blieb genau um 2:12 Uhr stehen und hielt die Zeit des Unglücks fest. Trotz der gewaltigen Wucht blieb die offizielle Zahl der Todesopfer verhältnismäßig gering; unter den Opfern waren ein Bahnwärter und ein Kleinkind, das aus seiner Wiege geschleudert wurde. Dieser Umstand war vor allem der nächtlichen Stunde geschuldet.

Die Sabotageoperation deutscher Geheimdienstagenten

Hinter dem Anschlag stand eine koordinierte Gruppe deutscher Agenten und Offiziere. Kurt Jahnke, ein deutschstämmiger ehemaliger US-Marinesoldat, und der aus der Internierung in Chile geflohene Marineoffizier Lothar Witzke führten die Aktion gemeinsam mit dem 23-jährigen österreichischen Einwanderer Michael Kristoff aus. Kristoff arbeitete im Auftrag der Agenten für Bargeld.

Geleitet wurde das Netzwerk von dem deutschen Botschafter Graf Johann Heinrich von Bernstorff in Washington, während Marinegeheimdienstler Kapitän Franz von Rintelen die Finanzierung und technische Unterstützung übernahm. Dr. Walter Scheele entwickelte spezielle Brandvorrichtungen, sogenannte Zigarrenbomben, bei denen kleine, mit Chemikalien gefüllte Glasröhrchen nach einer zeitlichen Verzögerung Feuer fingen. Kristoff verschaffte sich durch Bestechung Zugang zum Pier und platzierte die Vorrichtungen zusammen mit Jahnke und Witzke an Frachtwaggons sowie an der Johnson Barge No. 17. Letztere war mit 100.000 Pfund TNT und Hunderten Zündern beladen. Der öffentliche Sicherheitskommissar von Jersey City, Frank Hague, erklärte später, ihm sei berichtet worden, der Lastkahn habe „tied up at Black Tom to avoid a $25 towing chargeam Anleger gelegen.

Schäden am Wahrzeichen und veränderte Konstruktion der Fackel

Die Freiheitsstatue befand sich knapp eine halbe Meile vom Explosionsherd entfernt und bot dem Druck eine direkte Angriffsfläche. Die Detonation riss tiefe Risse in die Kupferschicht, trieb Stahlteile in das Bauwerk und konzentrierte die Hauptlast der Zerstörung auf den erhobenen Arm der Statue. Die Reparaturkosten beliefen sich damals auf rund 100.000 Dollar, was heute einem Wert von über zwei Millionen Dollar entspricht.

Der Arm galt ohnehin als statischer Schwachpunkt des Denkmals, da seine innere Konstruktion bei der Errichtung im Jahr 1886 leicht versetzt eingebaut worden war. Die Erschütterungen gaben den Ausschlag: Die Leiter zur Fackel wurde sofort gesperrt. Während spätere Renovierungen in den Jahren 1938 und während der Jahrhundertfeier in den 1980er Jahren die Krone wieder zugänglich machten, blieb die Fackel dauerhaft geschlossen.

Sogar die Fackel selbst existiert in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr am Bauwerk. Der Bildhauer Gutzon Borglum, der später durch das Mount Rushmore National Memorial bekannt wurde, hatte die beschädigte Originalflamme 1916 durch Glasfenster ersetzt, die allerdings vor allem Regen einließen. Bei der großen Restaurierung in den 1980er Jahren wurde diese alte Fackel schließlich demontiert und durch eine neue, mit Blattgold veredelte Kupferflamme ersetzt. Das Original steht heute am Boden im Museum der Freiheitsstatue.

Juristisches Nachspiel und das anhaltende Erbe

Das juristische Nachspiel des Anschlags zog sich über Jahrzehnte hin. Die Kommission für amerikanisch-deutsche Schadensansprüche befasste sich mit den Vorwürfen, die durch deutsche Leugnungen, manipulierte Beweise und den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verkompliziert wurden. Deutschland wurde im Jahr 1939 offiziell für verantwortlich erklärt. Eine Einigung über eine Entschädigung in Höhe von 50 Millionen Dollar folgte 1953, und die letzten Raten dieser Summe wurden erst 1979 gezahlt – 63 Jahre nach den Bränden im Hafen.

The torch of the Statue of Liberty has been closed to the public since 1916, when German saboteurs blew up a munitions depot
Photo: Spacedaily

Black Tom Island selbst wurde später durch Aufschüttungen in den Liberty State Park integriert und wird heute lediglich durch eine Gedenktafel und einen Kreis aus Flaggen markiert. Für Besucher der Freiheitsstatue bleibt die Konsequenz des Anschlags jedoch eine rein physische Einschränkung: Die Aussicht aus der Fackel bleibt nach 110 Jahren gesperrt, während der Aufstieg für die Öffentlichkeit unerreichbar und der Öffentlichkeit nur noch über eine Webcam zugänglich ist.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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